
Ava Kofman
erzählt (in einem zuvor im
New Yorker veröffentlichten Text) von ihren Treffen mit dem früheren Programmierer
Curtis Yarvin, der seit den Nullerjahren - damals noch anonym als Blogger unter dem Pseudonym Mencius Moldbug - davon träumt, die USA in eine
wie ein IT-Business geführte Monarchie umzuwandeln und die
liberale Demokratie auf dem Friedhof der Geschichte zu entsorgen. Seinerzeit fiel es noch leicht, ihn und seine Anhänger als spinnerte Online-Politsekte innerhalb der IT-Branche abzutun. Heute hingegen reicht Yarvins Einfluss über seine Kontakte mit dem
einflussreichen rechtslibertären Milliardär Peter Thiel bis direkt ins Weiße Haus, wo man seine Texte und Slogans mittlerweile mehr oder weniger offensichtlich als Stichwortgeber fürs eigene politische Programm zum Umbau der Demokratie in einen autoriären Staatsapparat nutzt. "
J.
D.
Vance, der heutige Vizepräsident und frühere Mitarbeiter in einer von Peter Thiels Risikokapitalfirmen, zitierte Yarvin 2021 bei seinem Auftritt in einem rechtsextremen Podcast, als er vorschlug, eine künftige Trump-Regierung solle 'jeden einzelnen mittleren Beamten,
sämtliche Staatsdiener im Verwaltungsapparat feuern und durch unsere Leute ersetzen'. Gerichte, die daran Anstoß nähmen, solle man
ignorieren. Marc Andreessen, Co-Chef von Andreessen Horowitz und informeller Berater im sogenannten Department of Government Efficiency (
DOGE), zitiert inzwischen seinen 'guten Freund' Yarvin, wenn er anmahnt, dass eine Gründergestalt unsere 'außer Kontrolle geratene' Bürokratie in die Hand nehmen müsse. Andrew Kloster, der neue Chefjustiziar im Amt für Personalverwaltung der Regierung, hat erklärt, der Austausch von Beamten durch loyale Anhänger könne Trump dabei helfen, '
die Kathedrale'
zu besiegen. ... 2011 sagte Yarvin, Trump sei eine von zwei Persönlichkeiten, die 'biologisch' das Zeug zum
amerikanischen Monarchen hätten. 2022 empfahl er Trump, im Falle seiner Wiederwahl die Leitung der Exekutive an Elon Musk zu übergeben. In einem Podcast mit seinem Freund Michael Anton, dem heutigen Leiter des Planungsstabs im Außenministerium, sprach sich Yarvin dafür aus, zivilgesellschaftliche Institutionen wie etwa die Harvard University zu schließen. ... Wann immer ich Yarvin nach
Parallelen zwischen seinen Texten und realen Ereignissen fragte, gab er sich lässig. Offenbar sah er sich selbst als
Kanal für die reine Vernunft - rätselhaft war ihm allein, warum andere ihm immer so hinterherhinkten. 'Eine Lüge kann man erfinden, die Wahrheit aber kann man nur entdecken', sagte er zu mir."