Magazinrundschau - Archiv

Istories

8 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 22.07.2025 - Istories

Russland verliert seinen Einfluss in Osteuropa und Zentralasien, konstatiert Vladimir Solovyov und schaut unter anderem auf die sich verschlechternden Beziehungen Russlands zu seinen früheren Verbündeten Azerbaijan, Armenien - und Moldau. "Vor dem Krieg wurde Chisinau vom stellvertretenden russischen Außenminister Andrej Rudenko besucht. Moldawische Diplomaten erzählten mir, dass er bei einem informellen Abendessen direkt gefragt wurde: 'Wird Russland ein Nachbarland angreifen?' Ihnen zufolge lautete die Antwort: 'Wir werden Kiew bombardieren?! Wie können Sie sich das vorstellen!' Eine Woche später schlugen russische Raketen in der ukrainischen Hauptstadt ein. Nach Beginn des Krieges schlug sich Moldau auf die Seite der Ukraine, brach die Beziehungen zu Moskau auf allen Ebenen ab und begann, im Rahmen der GUS unterzeichnete Abkommen zu kündigen. Jetzt sind die moldauisch-russischen Beziehungen Beziehungen ohne Beziehungen. (...) Moskau will den Verlust seines Einflusses jedoch nicht hinnehmen und unterstützt Politiker und Parteien, die für eine Zusammenarbeit mit Russland eintreten. Der prominenteste Vertreter russischer Interessen in Moldawien ist der flüchtige Oligarch Ilan Shor. Der Staatsbürger der Republik Moldau, Israels und seit kurzem auch Russlands wurde von einem moldauischen Gericht zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er an einem massiven Finanzbetrug beteiligt war - der Veruntreuung von einer Milliarde Dollar aus drei moldawischen Banken, die er damals kontrollierte. Um dem Gefängnis zu entgehen, floh Shor 2019 nach Israel und zog dann nach Moskau, von wo aus er die Aktivitäten seiner Unterstützer und seines Parteinetzwerks koordiniert. Einige von ihnen haben sich im vergangenen Jahr in Moskau im Block 'Sieg' zusammengeschlossen. Shor handelt mit Kryptowährungen, hilft Russland bei der Umgehung von Sanktionen und organisierte während der letztjährigen Präsidentschaftswahlen den Stimmenkauf von Wählern durch seine Leute."
Stichwörter: Russland, Moldau, Moldawien

Magazinrundschau vom 17.06.2025 - Istories

Der russische Kurznachrichtendienst Telegram gilt als anonyme WhatsApp-Alternative, auch in Russland. Roman Anin und Nikita Kondratyev recherchieren für IStories, ob Telegram - was viele eh schon vermuten - mit dem russischen Geheimdienst FSB in Verbindung steht (hier die gekürzte englische Version ihrer Recherche). "Um herauszufinden, wie Telegram-Nachrichten übertragen werden, haben sich unsere Reporter gegenseitig Nachrichten über den Dienst geschickt und den Datenverkehr mit Wireshark, einem Netzwerkverkehrsanalysator, aufgezeichnet. Die Ergebnisse zeigten, dass die IP-Adressen von einem in Antigua und Barbuda registrierten Unternehmen namens Global Network Management (GNM) kontrolliert wurden. Bei der Analyse weiterer IP-Bereiche, die von diesem Unternehmen verwaltet werden, stellten wir fest, dass es über 10.000 IP-Adressen an Telegram vermietet hat, was bedeutet, dass es eine bedeutende Rolle in der Infrastruktur des Messengers spielt. Dokumente aus einem ansonsten unauffälligen Gerichtsverfahren in Florida - ein Streit zwischen GNM und einem Auftragnehmer - enthüllen noch viel mehr. Sie zeigen, dass der Eigentümer von GNM ein russischer Netzwerkingenieur namens Vladimir Vedeneev ist. Er erklärt dem Gericht, dass seine Firma 'an der Installation von Kundengeräten - in diesem Fall für den Telegram Messenger - und der weiteren technischen Unterstützung dieser Geräte beteiligt ist'." Vedeneev, der völlig unbekannt ist, hatte "exklusiven Zugang zu einigen Servern von Telegram und er war sogar befugt, Verträge im Namen von Telegram zu unterzeichnen. Es gibt keine Beweise dafür, dass dieses Unternehmen mit der russischen Regierung zusammengearbeitet oder Daten geliefert hat. Aber zwei andere, eng mit Vedeneev verbundene Unternehmen - von denen eines auch Telegram IP-Adressen zuweist und ein anderes dies bis 2020 tat - hatten mehrere hochsensible Kunden, die mit den Sicherheitsdiensten verbunden sind. Zu ihren Kunden gehören der Geheimdienst FSB, ein geheimes 'Forschungsrechenzentrum', das an der Planung der Invasion in der Ukraine beteiligt war und Werkzeuge zur Deanonymisierung von Internetnutzern entwickelt hat, sowie ein staatliches Kernforschungslabor."

Magazinrundschau vom 29.04.2025 - Istories

Sonya Savina und Egor Feoktistov erzählen die traurige Geschichte des Amerikaners Michael Gloss, der als Pazifist und Mitglied der "Rainbow Family", eine Art internationale Hippie-Gemeinschaft, die Welt bereiste, um seinen Blick zu weiten und der Menschheit zu helfen. Und der statt dessen begann, Amerika zu hassen. Schließlich landete sein Name in der russischen Rekrutierungsdatenbank. "Seine Adresse wurde als Vertragsrekrutierungszentrum in der Jablotschkowa-Straße angegeben, und seine 'Wohnung' war ein medizinischer Untersuchungsraum mit der Nummer 302. Dies war die Adresse, die Ausländern gegeben wurde, die nach Moskau kamen, um einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium zu unterzeichnen und dann in die Ukraine zu ziehen." Michael wurde am 4. April 2024 getötet, teilte seine Familie in einem Nachruf mit. Von den näheren Umständen wissen sie nichts. "Michael selbst sagte Mert, einem Mitglied der Balkan Rainbow Gathering, dass er der Armee beigetreten sei, um einen russischen Pass zu bekommen - nicht um zu kämpfen. Die russische Staatsbürgerschaft, sagte er, sollte ihm helfen, seinen 'Lebenszweck' zu erfüllen. Den beschrieb er wie folgt: 'Mein Lebensziel ist es, eine Infrastruktur für die superkritische Wasseroxidation aufzubauen. Um der Umweltverschmutzung und den mit der Verschmutzung verbundenen Krankheiten und Todesfällen ein Ende zu setzen, d.h. Krebs, Lymphome und all die hormonellen Probleme, die mit Mikroplastik und Östrogenen im Wasser zusammenhängen.'"

Magazinrundschau vom 01.04.2025 - Istories

Russland baut ein Netzwerk von "unabhängigen" Bloggern und Reportern auf, die Beiträge fürs Ausland erstellen, in denen sie zufällig alle Russland preisen, schreiben Rina Nikolaeva, Anastasia Korotkova, Dmitry Velikovsky auf Istories. "Dazu gehört auch der YouTube-Kanal The Chancellor's Folder. (...) Er berichtet über Nachrichten aus Deutschland und führt Interviews mit deutschen Einwanderern in Russland. Der Kanal richtet sich an ein russischsprachiges Publikum, aber viele Videos sind mit deutschen Untertiteln versehen. 'Über Deutschland: stark und unzensiert', heißt es in der Beschreibung des Kanals. Die Moderatoren des Kanals nehmen kein Blatt vor den Mund. Sie bezeichnen Deutschland als 'Vasall der USA', die Wahlen im Land als 'Mäusekram' und Wolodimir Selenski als 'Führer'. Die Moderatoren des Kanals unterstützen offen die rechtsextreme pro-russische Partei 'Alternative für Deutschland' (AfD) und bezeichnen sie als 'Lieblingspartei der Deutschen'. Sie kritisieren regelmäßig die Handlungen deutscher Politiker, aber nicht die AfD. Im Gegenteil, die Moderatoren äußern Zustimmung und 'Bewunderung für die Vernunft' der Rechtsradikalen und beklagen, dass sie von anderen Abgeordneten 'verfolgt' werden. (...) Die beliebtesten Videos auf dem Kanal sind jedoch nicht die parteiischen Nachrichtenzusammenstellungen, die im Durchschnitt nur zwei- bis viertausend Aufrufe verzeichnen, sondern Interviews mit deutschen Einwohnern, die nach Russland gezogen sind und die russischen 'traditionellen Werte' loben. Die Macher von The Chancellor's Folder erwähnen nicht, wie sich der Kanal finanziert. Es gibt keine Werbung und die Monetarisierung für russische Konten wurde von YouTube deaktiviert. Allerdings tauchen vier Moderatoren regelmäßig in den Veröffentlichungen auf: Susanna Perechesova, Marina Zakamskaya, Ksenia Bykova und Ekaterina Grigorieva. Nach den Daten über ihr Einkommen, auf die IStories Zugriff hat, erhalten alle vier ein Gehalt von ANO TV-Novosti - also RT. Außerdem haben mindestens zwei von ihnen - Bykova und Zakamskaya - selbst erwähnt, dass sie für RT arbeiten."

Magazinrundschau vom 26.11.2024 - Istories

Irina Dolinina und Polina Uzhvak haben recherchiert, was aus den rund 1000 Fahnenflüchtigen der russischen 20. Guards Motor Rifle Division wurde. Diese sogenannten "Sochniks" flüchteten wegen des gefährlichen Einsatzes an der Front, aber auch wegen zu spät ausgezahltem Lohn. Manche spielen jetzt mit dem Gedanken zurückzukehren: "Anton, ein mobilisierter 'Sochnik' aus der 20. Division, mit dem IStories gesprochen hat, ist nur einer von denen, die an die Front zurückzukehren wollen, nachdem sie sich unerlaubt entfernt hatten. Er sagt, dass er die Einheit 'wegen familiärer Probleme' verlassen habe (er hat zwei kleine Kinder und seit langem keinen Sold mehr erhalten), und er kehrt zurück, weil 'er nicht auf der Fahndungsliste der Regierung stehen will oder Beziehungen zerstören, weil dann seine Kinder später Probleme haben würden' und weil 'jemand da sein muss, es gibt nicht genug Leute [an der Front]'. Einige kehren aus dem Urlaub zurück, nachdem sie im zivilen Leben Verbrechen begangen haben. (...) Anton erzählt, dass viele seiner Kameraden ihre Einheit unerlaubt verlassen hätten, aber die meisten kehrten schließlich zurück und verhandelten mit ihren Kommandanten, um eine Bestrafung zu vermeiden: 'Sie konnten ihren Platz im zivilen Leben nicht finden. Hier draußen herrscht ein reges Treiben, aber dort ist es vertrauter. Sie haben lange gewartet und überlegt, ob sie zurückkehren oder ins Gefängnis gehen wollen. Am Ende haben sie sich für die Rückkehr entschieden. Ich stehe mit den meisten von ihnen in Kontakt, und sie sind alle am Leben, keiner von ihnen bereut es. Ich habe noch nie gehört, dass jemand vor Gericht landete.'"

Magazinrundschau vom 04.06.2024 - Istories

Russische Oligarchen können europäische Sanktionen am einfachsten in den Vereinigten Arabischen Emiraten umgehen, findet Istories bei einer umfangriechen Recherche heraus: "Der Steueroasenexperte James Henry verglich die VAE mit einer Bar auf einem fernen Planeten im Film 'Star Wars': 'Man kommt herein und rechts von einem sitzen die Kleptokraten, links die Oligarchen, in der Mitte die Geldwäscher und im Hintergrund die schmutzigen Händler russischer Rohstoffe, die alle diesen Ort nutzen, um die Sanktionen zu umgehen. Und alle profitieren von der völligen finanziellen Geheimhaltung'. Und doch ist Dubai alles andere als ein entfernter Planet." Außerdem stellt Istories ein bekanntes Beispiel für die Nutzung dieser Steueroase durch russische Beamte vor. "Den durchgesickerten Daten zufolge gehörten zwei Wohnungen in einem Apartmenthaus dem Unternehmer und Immobilienentwickler Alexander Udodow, dem ehemaligen Schwager des kürzlich wiederernannten russischen Ministerpräsidenten Michail Mischustin. Er heiratete 2008 die Schwester des Ministerpräsidenten, Natalia Stenina, von der er sich 2020 trennte. Während der Geschäftsmann einen Teil seines russischen Besitzes an die Familie Mischustin verschenkte, zeigte er sich in Dubai, wo sein Wohnungsbesitz auf fast 2 Millionen Dollar geschätzt wird, nicht so großzügig. Sein größtes Apartment im 13. Stock der Marina Residences 3 ist über 200 Quadratmeter groß und wird auf rund 1 Million Dollar geschätzt. Udodov behielt diese Immobilie (und vermietete sie an einen ägyptischen Geschäftsmann), verkaufte aber die beiden anderen - eine im selben Komplex und eine im Hercules Tower - bis Februar 2023. In einer früheren Veröffentlichung von Immobiliendaten aus Dubai wurde nur Udodovs Wohnung in den Marina Residences mit einem Wert von 600.000 Dollar genannt."
Stichwörter: Oligarchen, Star Wars

Magazinrundschau vom 23.04.2024 - Istories

Nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine wurden viele Kinder nach Russland verschleppt und dort in Waisenhäuser und Internate integriert oder von russischen Familien adoptiert. Istories konnte einige Kinder fragen, was ihnen seit der "Evakuierung" widerfahren ist. Die Russen "'halfen uns - brachten uns Kleidung, Fahrräder, Roller. Aber seelisch konnte ich es nicht mehr ertragen', sagt die 17-jährige Marina. Marina beschreibt sich selbst als schwierigen Teenager und glaubt, dass der Wechsel der Umgebung negative Auswirkungen auf sie hatte, so dass sie in Kursk 'ungezogen' war. Eineinhalb Monate nach der Evakuierung stritt sie sich zum Beispiel mit dem Direktor und lief weg. 'Ich habe mich frei gelassen und bin fast bis an den Stadtrand gelaufen, aber dort war der Boden schlammig und die Hunde waren groß und wütend', sagt Marina. 'Ich rief den Mitarbeiter der Schule an und bat ihn, mich abzuholen. Sie hielten mich unter den Armen und fragten mich: 'Was ist, wenn du wieder wegläufst?' Sie brachten mich zurück in das Internat und baten mich, meine Sachen zu packen. Sie sagten, ich hätte eine neurologische Störung und brachten mich in eine psychiatrische Klinik. Ich verbrachte dort zwei Wochen. Wegen der Medikamente, die sie mir gaben, wollte ich ständig schlafen. Man kann nicht einmal mehr lächeln, so entspannt sind die Muskeln. Aber schließlich freundeten wir uns mit dem dortigen Chefarzt an, und er erlaubte mir sogar, meine Medikamente abzusetzen.'"

Magazinrundschau vom 26.03.2024 - Istories

Im russischen Onlinemedium Istories (hier mehr) fragt sich Roman Anin, was genau in Wladimir Putins Kopf vorgeht. Dabei macht er den Tschekismus als Hauptideologie Putins und seiner Riege an ehemaligen FSB-Mitarbeitern aus, für die ein gewisser Grad an Machiavellismus bezeichnend sei. "In der postsowjetischen Zeit, in den 'wilden 90ern', 'bereicherten' sie ihre tschekistische Mentalität mit einer kriminellen. In diesen Jahren war Putin stellvertretender Bürgermeister von St. Petersburg und verantwortlich für die Privatisierung staatlicher Unternehmen, die Regulierung von Kasinos und ausländische Investitionen. Mit seiner Hilfe gelangten wichtige Vermögenswerte der Stadt - der Hafen, das Ölterminal, Hotels, Tankstellen und Glücksspiele - unter die Kontrolle gewalttätiger krimineller Gruppen. Darüber hinaus halfen Putin und andere Tschekisten nicht nur den Anführern von Gruppen des organisierten Verbrechens, die für Raubüberfälle und Morde verantwortlich waren, sondern wurden zu deren vollwertigen Geschäftspartnern. (...) Mit der Macht in ihren Händen begannen die Tschekisten, Russland nach den Vorgaben der Organisationen zu regieren, die ihre Mentalität geprägt hatten - dem KGB und den Gruppen der organisierten Kriminalität. Sie begannen, strategisch wichtige Firmen (NTV, Yukos usw.) zu übernehmen, indem sie Razzien durchführten, Andersdenkende einschüchterten, unterdrückten, politische Gegner vergifteten und spezielle Operationen gegen Nachbarländer organisierten. (...) Der treffendste Begriff, um solche Methoden der Staatsführung zu beschreiben, ist Machiavellismus. Dabei handelt es sich um eine Staatspolitik, die auf Zynismus, dem Kult der rohen Gewalt, dem Wunsch, andere für die eigenen Zwecke zu benutzen, der Missachtung moralischer Normen und dem Glauben, dass der Zweck jedes Mittel heiligt, beruht."