n+1 übernimmt Andrej Weselows Porträt des Bergarbeiter und Gewerkschafters
Walentin Urusow, der 2008 wegen angeblichen Drogenbesitzes zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Er hatte in den
Diamantenminen des Alrosa-Konzerns in Jakutien einen
Hungerstreik der Arbeiter organisiert, zum Unwillen des Managements und ihrer Handlanger in den offiziellen Gewerkschaften. Urusow
erzählt: "Es gab so viele Probleme! Sie müssen verstehen, es geht um sehr schwere Arbeit: Wir arbeiteten
Tag und Nacht, an Feiertagen, wir übernahmen die Schicht von jemand anderem, alles, was das Management verlangte. Aber wir wurden nur für acht Stunden am Tag bezahlt. Dann die Arbeitsbedingungen und die Sicherheit. In der Abteilung, in der ich arbeitete, hätte die Ausrüstung schon vor zwanzig Jahren entsorgt werden müssen. Es passieren deshalb viele Unfälle. Publik wurde nur die Spitze des Eisbergs. Ich verlor ein Stück meiner Hand, das zählte gar nicht.
Todesfälle konnten sie natürlich nicht vertuschen, aber Brüche und Verletzungen sind etwas anderes. Es gibt Tausende davon, und niemand kümmert sich darum. Es war
eine Schande: Die Firma war so reich, sie baute sich fünf-Sterne-Hotels und alle möglichen Geschäftszentren, aber bei uns knauserte sie so."