Magazinrundschau - Archiv

Pitchfork

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Magazinrundschau vom 09.09.2014 - Pitchfork

"Retromania"-Autor Simon Reynolds wird in einem Artikel über die goldenen Zeiten des britischen Print-Musikjournalismus der 70er und 80er Jahre selber ganz nostalgisch und hebt zu einem kaum verhohlenen Loblied der Verknappung und perspektivischen Verengung an: "Die britischen Musikblätter hatten etwas strukturierendes, was es ihnen gestattete, partikulare Intensitäten und Energieflüsse zu bilden. Dies hatte zu tun mit der Beziehung zwischen dem Lesepublikum und den Autoren, einer gewissen Organisation von Ort und Distanz, Zentrum und Peripherie. Vor allem aber die wöchentliche Erscheinungsweise selbst bedingte dies. Würde man von mir verlangen, diese miteinander verbundenen Aspekte des Print-und-Papier-Journalismus in einer Handvoll Wörter zu bündeln, wären sie Synchronizität, Konzentration, verhältnismäßige Langlebigkeit, institutionelle Aura und Autorität."

Außerdem erklärt Damon Krukowski, warum er seine Musik im Sommer am liebsten in Mono hört.

Magazinrundschau vom 04.08.2014 - Pitchfork

Vinyl erlebte zuletzt eine geradezu sagenhafte Renaissance - und ein Ende des Booms ist noch nicht abzusehen, erfährt man in Joel Oliphints ausführlicher Hintergrundreportage auch anhand konkreter Zahlen, denen zufolge sich der Vinylabsatz in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdreifacht hat. Doch die Wiederentdeckung von LPs und EPs insbesondere als haptische Statussymbole in Form aufwändiger Sondereditionen bringt auch frustrierende Aspekte mit sich: "Trotz kontinuierlicher steigender Nachfrage bleibt die Anzahl amerikanischer Presswerke in etwa gleich. Keiner eröffnet neue Presswerke, da die Kosten dafür nach allen Berechnungen verboten hoch wären. Der Industrie bleiben also nur etwa ein Dutzend Presswerke, die derzeit in den Staaten arbeiten. ... "Früher konnte man mit der Fertigstellung einer Platte in vier Wochen rechnen", sagt John Beeler von der Plattenfirma Asthmatic Kitty (...) "Aber heute sage ich meinen Künstlern, dass zwischen dem Zeitpunkt, an dem wir die Aufnahmen einschicken, bis zum Zeitpunkt, an dem wir die Platte in Händen halten, mindestens drei Monate liegen." Wohin man auch blickt, ungewöhnlich lange Fertigungszeiten, die einst als Anomalie galten, entsprechen heute der Norm. ... Was den Stand der Dinge in der unwahrscheinlichen Wiederbelebung der Vinylindustrie betrifft, ist also jeder glücklich. Und jeder frustriert."

Außerdem spürt Andy Beta den heißesten neuen Sounds aus Ibizas geheimeren Clubs nach.
Stichwörter: Vinyl

Magazinrundschau vom 29.10.2013 - Pitchfork

Zehn Jahre nachdem Elliott Smith unter unklaren Umständen ums Leben kam, lässt sich Jayson Greene den Werdegang des Musikers von Freunden und Weggefährten nacherzählen. Als Smith 1998 für seinen Song "Miss Misery" in Gus van Sants Film "Good Will Hunting" für einen Oscar nominiert wurde, galt er noch als Geheimtipp und wurde hauptsächlich von Musikerkollegen verehrt.
"MARGARET MITTLEMAN [Managerin]: Die Oscar-Organisatoren wollten, dass er auf der Treppe sitzend performte. Sie wollten wirklich, dass er dieser Typ ist, der rauskommt und sich auf die Treppe setzt. Also ging ich zitternd zu Oscar-Produzent Gil Cates und sagte: 'Tut mir leid, aber das wird nicht passieren. Er wird es nicht tun.' Elliott sagte gar nichts, ich musste mich um alles kümmern, es war sehr stressig.
LARRY CRANE [Produzent]: Die Oscar-Leute kamen zu Margaret und sagten, dass er nur eine Strophe und einen Refrain spielen soll, und Elliott sagte, 'Dann mache ich es gar nicht'. So einfach war das. Also sagten sie, dass sie jemand anderen sei Lied spielen lassen würden: 'Hier ist Billy Joel!' Oder Matt Damon mit Zylinder."

Am Ende durfte Smith den Song doch selbst, im Stehen und in voller Länge spielen. Gewonnen hat allerdings Celine Dion.


Stichwörter: Damon, Matt, Sant, Gus van, Celine

Magazinrundschau vom 18.06.2013 - Pitchfork

Lindsay Zoladz hat Puck und Headlight, zwei anonyme Mitglieder von Pussy Riot, bei deren Besuch in den Staaten begleitet. In vielerlei Hinsicht verhalten sich die beiden äußerst zurückhaltend: "Am Montagabend finden sie sich in der Lower East Side in dem linksradikalen Buchladen Bluestockings für ein unangekündigtes Publikumsgespräch ein. 'Wir freuen uns riesig und sind ein bisschen nervös', verkündet der Moderator den etwa 50 anwesenden Leuten. (...) Bevor die Mädchen zu Wort kommen, lässt uns der Moderator die Hände zum Eid erheben, dass wir von dieser Veranstaltung keine Aufzeichnungen anfertigen oder Fotos schießen und dass wir darüber mindestens zwei Tage lang nicht tweeten werden. Der Grund für all diese nervöse Geheimniskrämerei ergibt sich rasch. Puck erzählt, dass der russische Gesetzgeber im letzten Monat eine Reihe von Gesetzen erlassen hat, die informell als 'Pussy Riot Gesetze' bezeichnet werden - im wesentlichen, da sie jegliches typische Verhalten der Gruppe präventiv für illegal erklären. In Russland stellt es jetzt ein Verbrechen dar, eine Maske über dem Gesicht zu tragen (...) oder ein Mitglied der Russisch-Orthodoxen Kirche zu brüskieren. Doch am verstörendsten ist es wohl, dass es russischen Bürgern jetzt untersagt ist, sich gegenüber der ausländischen Presse schlecht über die Regierung zu äußern. ... 'In Russland haben sie deutlich größere Angst vor dem Wort riot', sagt Puck und lacht, 'die USA unterdessen scheinen sich mehr vor dem anderen Wort zu fürchten.'"

Magazinrundschau vom 20.11.2012 - Pitchfork

Ziemlich frustriert ist Musiker Damon Krukowski (von Galaxie 500 und Damon & Naomi) von den Kleckerbeträgen, die Streaming-Dienste wie Pandora und Spotify für Tausende erfolgter Streams auszahlen. Doch von den Stimmen, die zu diesem Thema etwa in Deutschland meist zu hören sind, hebt sich der Künstler, der das Musikgeschäft seit den Achtzigern von innen kennt, deutlich ab. Als fundamentalsten Wandel darin begreift er die Tatsache, dass die Vermittler von Musik überhaupt nicht mehr im Sinn haben, von vermittelter Musik zu leben: "Pandora und Spotify verdienen mit ihren Angeboten selbst kein Geld. ... Warum sind sie überhaupt im Geschäft? Die Antwort lautet: Kapital, über das Pandora und Spotify verfügen und das sie akquirieren. Sie sind keine Plattenfirmen - sie bringen keine Platten oder überhaupt etwas anderes hervor, anscheinend ja noch nicht einmal Einnahmen. Sie existieren, um spekulatives Kapital anzuziehen. Und für diejenigen, die über dieses Kapital verfügen können, erwirtschaften sie Millionen -- 2012 verkauften die Geschäftsführer von Pandora persönliche Firmenanteile im Wert von 63 Millionen Dollar." Verdammt Krukowski deshalb das Internet? Im Gegenteil, hier und hier bietet er auf Bandcamp die Aufnahmen seiner Bands zum kostenfreien Stream sowie zum käuflichen Erwerb an.
Stichwörter: Geld, Spotify, Streaming, Plattenfirmen