Magazinrundschau - Archiv

Poets & Writers

4 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 19.04.2011 - Poets & Writers

Die PR-Frau Lauren Cerand ermuntert Schriftsteller, über social media nachzudenken, ohne gleich in eine Web 2.0-Hyperventilation zu vefallen: Nicht jeder Autor braucht einen Youtube-Kanal. Und eins bleibt immer gleich: "Vor einigen Jahren dachte ich, Print sei tot, und die Zukunft liegt in Romanen für Handys. Also fuhr ich nach Japan. Tatsächlich, alle Welt las diese Romane in der U-Bahn, und es gab eine Menge schicke Gadgets auf meiner Reise. Aber was mich am meisten beeindruckte, war, dass die japanische Kultur so viel älter war als meine eigene. Die Moral ist einfach: Bücher ändern sich. Geschichten wird es immer geben."

Magazinrundschau vom 24.08.2010 - Poets & Writers

Amerikanische Bibliotheken bieten ihre Bücher immer öfter in digitalisierter Form zur Ausleihe an, berichtet Adrian Versteegh. So arbeiten jetzt verschiedene Bibliotheken im ganzen Land mit der Open Library des Internet Archive zusammen: "Außer den zwei Millionen Texten, die jetzt schon in der Open Library öffentlich zugänglich sind, werden jetzt noch 70.000 Bücher angeboten, auf denen noch das Copyright liegt. Sie werden vom Ebook-Service OverDrive gehostet. Entleiher können sich die Bücher in elektronischer Form ansehen und sie - vorausgesetzt, ihre örtliche Bibliothek hat die OverDrive-Datenbank abonniert, was über 11.000 Bibliotheken tun - auf den Computer oder ein tragbares Lesegerät herunterladen. In einer Hinsicht spiegelt das digitale System das gemauerte: Gleichzeitige Ausleihen eines einzigen Titels sind auf die Anzahl der tatsächlich vorhandenen Kopien oder Lizenzen beschränkt. Kopierschutz-Software von Adobe stellt sicher, dass ausgeliehene Bücher automatisch 'zurückgegeben' werden, wenn die Ausleihfrist vorbei ist."

Magazinrundschau vom 29.09.2009 - Poets & Writers

In einem epischen Interview erzählt der 1928 in Berlin geborene (und fabelhaft gutaussehende) Georges Borchardt von seinen Erfahrungen als Literaturagent. Im Grunde hat sich in dem Geschäft nicht viel verändert, meint er. Die größte Veränderung gab es, als die Verleger durch Manager abgelöst wurden. "Man macht nicht notwendigerweise Geld mit dem letzten Schrei. Das wirkliche Geld, wenn man auf Dauer setzt, kommt von Büchern wie diesen - von Büchern, die niemand wollte - ob sie nun von William Faulkner oder Elie Wiesel oder Beckett sind. Unglücklicherweise überzeugt dieses Argument heute keinen heutigen Verleger. Wenn Sie bei Random House oder einem der großen Verlage arbeiten, dann können Sie nicht sagen: 'Wir werden mit diesem Buch in den nächsten drei Jahren nicht viel Geld machen, aber in zehn Jahren wird uns jeder darum beneiden.' Der Typ, dem Sie das sagen, hat einen Vertrag, der noch zwei Jahre gilt und im nächsten Jahr neu verhandelt wird. Was bringt es ihm, ein Buch herauszubringen, das erst in zehn Jahren Geld einspielt? Nichts könnte ihn weniger kümmern. Er will ein Buch, das jetzt Geld macht, so dass er seinen Bossen sagen kann: 'Ihr solltet mir einen Fünf-Jahres-Vertrag für das Doppelte meines Gehalts geben.' Das hat sich also verändert und ich glaube, dass es auf das Verlegen Einfluss hat, mehr als all die anderen Krisen, die kommen und gehen."

In China erfreut sich seit einigen Jahren ein neues Genre in der Literatur großer Popularität, verkündet Stephen Morison Jr.: der Bürokratenroman. "Fans behaupten, dass diese Romane sehr unterhaltsam sind und gleichzeitig wertvolle Einblicke in das byzantinische System von Verhaltensweisen und Etikette liefern, das in China der Schlüssel zum Erfolg in Bürojobs ist. Aber der Trend könnte auch einen viel wichtigeren Wandel in der Kultur signalisieren - einen, der über literarische Geschmacksfragen hinausgeht. Wang Yuewen wird weithin das Verdienst zugeschrieben, 1998 mit 'Painting' den ersten erfolgreichen Bürokratenroman geschrieben zu haben. 'Ich habe mit der Zeit gelernt, dass es sehr schwer ist, wegen seines Talents oder harter Arbeit gefördert zu werden', sagte der frühere Bürokrat in einem Interview mit der China Daily. Also wandte er sich der Literatur zu und schrieb Romane, die von seiner persönlichen Erfahrung im Umgang mit der komplizierten Maschinerie der kommunistischen Regierung und der staatskontrollierten Fimen profitieren. Seit dem blüht das Genre."

Außerdem: Alex Dimitrov stellt das Blog "The Invisible Library" vor. Es ist Büchern gewidmet, die in Romanen erwähnt werden, die es aber gar nicht gibt. Zum Beispiel "Die endlose Rose" von Hans Reiter in Bolanos "2666" oder "When the Train Passes" von Elisabeth Ducharme in Vladimir Nabokovs "Bend Sinister". Gerade gab es in London eine Ausstellung zu diesen unsichtbaren Büchern.
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Magazinrundschau vom 21.07.2009 - Poets & Writers

Ziemlich am Ende eines epischen Interview über Verlage, Autoren und Agenten kommt der Verleger Jonathan Galassi von Farrar, Straus and Giroux auch auf den digitalen Buchverkauf zu sprechen. In der Zukunft werden die Verlage mehr und mehr direkt verkaufen, meint er. "Eins der Dinge, die alle Verleger ängstigen, ist die Vorstellung, dass ein Buch für den Kindle 9,99 Dollar wert ist. Wenn sich dieser Preis für Bücher durchsetzt, was bedeutet das? Was, wenn ich Maureen McLanes Buch als Hardcover für 24 Dollar verkaufen will? Das ist ein Problem. Die Musikindustrie hat uns hier eine Lektion gelehrt. Die Menschen waren gewöhnt an die Vorstellung von intellektuellem Eigentum, dass ein Buch, ein Kunstwerk, einen bestimmten Betrag wert ist. Es ist gewissermaßen ein Ausdruck von Respekt. Aber wenn man es in ein Widget [eine Art digitalen Schnickschnack, Anm. PT] verwandelt, wenn jedes Buch dasselbe wert ist, dann ist das schlecht. Hier müssen Autoren, Agenten und Verleger zusammenarbeiten um ihre gegenseitigen Interessen zu schützen. Und nicht den Handel über das Geschäft entscheiden lassen." Galassi lässt aber keinen Zweifel daran, dass das Geschäft mit digitalen Büchern enorme Chancen für die Verlage bietet: "In der digitalen Welt gibt es keine Remittenden. Remittenden sind eine große Bürde für unser Geschäft. Die Verschwendung ist enorm und wenn sie endet, hilft das unserem Geschäft enorm."

Shell Fischer stellt uns Flarf vor, eine Bewegung für experimentelle Poesie. Nie gehört? Absurd. "Bis heute wurden schon sechzehn Flarf-Bücher veröffentlicht. Seit 2006 veranstaltet der Bowery Poetry Club in Manhattan jährlich ein dreitägiges Flarf-Festival, dass Poesie präsentiert ebenso wie 'flarfige' Musik, Theater und Film. Letzten September war eine Gruppe von Flarf-Dichtern eingeladen, im Walker Art Center in Minneapolis zu lesen. Im April veranstaltete das New Yorker Whitney Museum of American Art seine eigene Flarf-Lesung. Und im November wird der in Washington DC ansässige unabhängige Verlag Edge Books eine vierhundertseitige Anthologie veröffentlichen. 'Flarf: Eine Anthologie des Flarf', der die Arbeit von 25 bis 30 Dichtern enthält."