Magazinrundschau - Archiv

Polityka

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Magazinrundschau vom 05.04.2005 - Polityka

Der Deutschland-Experte Adam Krzeminski fragt, warum sich die Polen mit dem preußischen Erbe so schwer tun, und die "preußische Hypothek" immer noch so belastet ist. "Warum sollte man sich um diesen Nachlass kümmern und an die Menschen denken? Sollen sie doch vergessen werden und das Erbe polonisiert", beschreibt Krzeminski die offizielle Einstellung zu kommunistischen Zeiten. Einerseits lebe in Polen der Mythos vom "Drang nach Osten" fort, jener preußisch-deutschen Expansion, deren Opfer der polnische Staat wurde, andererseits aber bemühen sich Historiker seit den siebziger Jahren um ein ausgewogeneres Bild Preußens, wobei der Aufbau eines modernen Rechtsstaates unterstrichen werde. Letztendlich könne es nur darum gehen, jenes historische Entweder-Oder aufzubrechen: entweder ein starkes Preußen mitten in Europa ohne Polen oder ein Polen ohne Preußen. "Ein Ausweg kann nur im Dialog und der Zusammenarbeit liegen, in der gegenseitigen Unterstützung von Deutschen und Polen, die sich gemeinsam für das Erbe Preußens, das es nicht mehr gibt, verantwortlich fühlen."

Magazinrundschau vom 29.03.2005 - Polityka

"Jede Nation, die am Zweiten Weltkrieg beteiligt war, hat ihren eigenen Krieg erlebt", schreibt in einem lesenswerten Essay der Publizist Adam Krzeminski. "Eine gemeinsame, europäische Erzählung vom Zweiten Weltkrieg ist nicht möglich. Jede Nation hat etwas anderes erlebt, pflegte und dekonstruierte ihre eigenen Kriegsmythen. Zuerst dominierten die Narrationen der Siegermächte, die nicht nur gesiegt und die Friedensbedingungen diktiert haben, sondern auch ihre Interpretation des Krieges anderen Nationen aufgezwungen und mit Hilfe von Massenmedien verbreitet haben." Auch mit Blick auf die - bereits zu Ende gegangene - Ausstellung "Mythen der Nationen" bemerkt Krzeminski, dass die Europäer noch eine Zeit lang ihre divergierenden und teilweise gegensätzlichen Erinnerungen an den Weltkrieg pflegen werden. "Sie werden aber nicht mehr im Verborgenen gepflegt, sondern im Dialog mit den Nachbarn, begleitet von der jeweiligen nationalen Entmystifizierung."

Magazinrundschau vom 13.12.2004 - Polityka

In 100 Tagen vom Realsozialismus zum Kapitalismus! Im polnischen Magazin Polityka beschreibt Jerzy Baczynski, wie zwischen September und Dezember 1989 der bis dato nur Insidern bekannte Ökonomieprofessor Leszek Balcerowicz (Homepage) die Wirtschaft des Landes umkrempelte. Was später als "Schocktherapie" bezeichnet wurde und Vorbildcharakter hatte, begann als Notlösung in einer Situation, als die monatliche Inflation bei mehreren -zig Prozent lag und die Versorgungslage desaströs war. Balcerowicz (heute Chef der Nationalbank) wurde kurz vor seinem Abflug nach Großbritannien, wo er Gastdozent werden sollte, vorgeschlagen, Finanzminister und Vizepremierminister zu werden. Er willigte ein, weil "ihm der Premier Tadeusz Mazowiecki leid tat, wie er so alleine da stand". Statt mit einem "Dritten Weg" zu experimentieren, setzte die "Mannschaft von Balcerowicz" auf das erprobte westliche Wirtschaftssystem, wobei er die Unterstützung aller Parteien, inklusive der noch existierenden Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, sicher hatte. Von seinem Vorgehen wurden alle politischen Akteure überrumpelt. "Premierminsiter Mazowiecki wurde vom Chef des Internationalen Währungsfonds gefragt, ob er den Plan von Balcerowicz unterstütze. Er starrte zuerst sehr lange auf den Boden, sagte aber dann mit fester Stimme: ja!"
Stichwörter: Inflation