Magazinrundschau - Archiv

Polityka

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Magazinrundschau vom 11.10.2005 - Polityka

Die Schriftstellerin Dorota Maslowska beschreibt ihre Eindrücke von einer Autorenreise nach Moskau. Sie ist überwältigt von der Größe der Stadt, der Menschenmengen und ... der Ähnlichkeit mit Polen! "Das hier ist nicht der Westen, wo die Leute nicht an Krankheit und Tod glauben. Hier regiert die unerträgliche Schwierigkeit des Seins, mit einem blutigen Nachgeschmack. Früher dachte ich von den Polen das Gleiche. Ich führte diese seelischen Schmerzen auf ökonomische Unannehmlichkeiten, auf die hässliche Architektur zurück und dachte: In Deutschland oder Frankreich gibt es das nicht. Jetzt komme ich nach Russland und sehe das volle Leidensprogramm. Also stammen wir wohl von einer Mutter ab, das dramatische Wesen ist uns angeboren." (Mehr über Maslowska hier.)

Außerdem: die letzte Leprakrankenkolonie Europas befindet sich in dem rumänischen Dorf Tichilesti. Wladyslaw Borowiec und Piotr Wrobel waren da, und berichten in Wort und Bild aus einem Ort, der noch vor 15 Jahren auf keiner Landkarte verzeichnet werden durfte.
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Magazinrundschau vom 27.09.2005 - Polityka

Einen Tag vor den Wahlen am Sonntag verkündeten Wieslaw Wladyka und Jacek Zakowskidas das Ende der Dritten Republik. "Die Dritte Republik ist faktisch am Ende, vor allem nachdem das strategische Ziel des EU-Beitritts erreicht wurde. Die Personifizierungen dieses Systems, Präsident Kwasniewski und Adam Michnik, Chefredakteur der Gazeta Wyborcza treten ab. Vielleicht verheißt das auch etwas Gutes: die regierende Rechte wird sich nicht mehr nur mit den Postkommunisten befassen können, sondern sich um sich selbst und das Land kümmern müssen."

Zdzislaw Pietrasik schreibt über das letzte Woche zu Ende gegangene Polnische Filmfestival in Gdingen. "Eine Stärke des polnischen Kinos ist seine Vielfalt. Einerseits wurden engagierte, tagesaktuelle Filme gezeigt, andererseits stille psychologische Porträts. Und: mit dem neuen Kinematografiegesetz und den neuen Mittel, die vor allem jungen Filmemachern zugute kommen sollen, wächst die Hoffnung, dass das Festival im nächsten Jahr noch besser wird."

Nur im Print zu lesen: Adam Krzeminski stellt eine 'Polonisierung' des politischen Systems in Deutschland fest: "Die großen Parteien werden immer kleiner und verlieren an Profil, die Neue Linke hat nur das Etikett getauscht, und es ist allenthalben von einer 'neuen Intransparenz' die Rede." Man kann nicht wirklich feststellen, was die deutschen Wähler mit ihrem Votum sagen wollten, kommentiert Krzeminski, "aber viel Zeit bleibt der Bundesrepublik nicht, um sich neu zu erfinden. Dafür ist das Land zu wichtig für Europa".

Magazinrundschau vom 06.09.2005 - Polityka

"Was bleibt uns, 25 Jahre danach, von der 'Solidarnosc'?", fragt im Anschluss an die Jubiläumsfeiern der Publizist Jacek Zakowski. "Als ich 22 war fühlte ich mich als Rädchen in einer Maschine, die die Welt verändert. Wir waren nicht nur eine Hoffnung der Polen, sondern auch Europas und vielleicht sogar der Welt. Was für ein fantastisches Gefühl." Und heute, so scheint es Zakowski, will die Generation JPII nichts mehr von der Generation Solidarsnosc wissen. Sie lehnt die von ihre gegründete Dritte Republik ab und ihre historischen Kompromisse mit den Kommunisten. "Sie haben unsere Revolution verpasst, jetzt müssen sie ihre eigene machen", nimmt es Zakowski gelassen und erkennt darin sogar Anzeichen dafür, "der Geist des sozialen Widerstands in Polen wieder aufflammt. Gott sei Dank. Und dem schönen Mythos des 'Solidarnosc' sei Dank."

Der neue Roman von Michel Houellebecq ist da (auf Polnisch allerdings erst 2006), und "Die Möglichkeit einer Insel" wird die Erwartungen seiner Leser nicht enttäuschen - schreibt Aleksander Kaczorowski sibyllinisch: "Er macht den Eindruck, als ob er in den Bibliotheksregalen irgendwo zwischen Heidegger und Jaspers stehen wollte, aber in Wirklichkeit betreibt er Pornographie der besseren Sorte. Dabei spielt der Sex bei ihm eine ähnliche Rolle wie bei Kundera: er sagt damit etwas Originelles über die zeitgenössischen Europäer in so einer Form, dass so viele wie möglich nach dem Buch greifen".

Außerdem wird ein Internetprojekt vorgestellt, die Multimedialisierung des bisher vierzig Bände umfassenden "Polnischen Biographischen Wörterbuchs" (mit dem übrigens 1935 begonnen wurde, inzwischen wurde der Buchstabe "s" erreicht, 2030 soll es fertig sein). "Neben dem Eintrag aus dem PBW sollte es eine Sammlung von Links zu Beständen von Bibliotheken, Filmen, Radioprogrammen und Museen geben. Die Benutzer sollen die Möglichkeit haben, eigene Einträge vorzunehmen, Diskussionen zu führen, an einem Quiz teilzunehmen oder Aufgaben zu lösen."

Magazinrundschau vom 23.08.2005 - Polityka

Papst Benedikt XVI. wird auf jeden Fall der Star des Weltjugendtages in Köln werden, schreibt Anna Tyszecka. Nur - wie kommt er eigentlich in seiner Heimat an als Kirchenoberhaupt? "Für die Polen war ein Landsmann als Papst ein Grund zum Stolz, Balsam für die Seele. In Deutschland, dem Land der Reformation, der rebellischen Theologen und der leeren Kirchen, ist das Verhältnis zum Papsttum ambivalent. Was die Polen freut - die Fortführung der konservativen Glaubenslehre von Johannes Paul II. - stößt in Deutschland auf Widerstand, auch innerhalb der Kirche." Vielleicht deshalb hatte Lech Walesa letztens die Idee, Benedikt XVI. die polnische Staatsbürgerschaft zu verleihen.

Weitere Artikel: Ungeachtet der aktuellen Spannungen im polnisch-russischen Verhältnis dreht ein russischer Fernsehsender in einem polnischen Schloss in Grodziec gerade eine weitere Reality Show, berichtet Igor T. Miecik. "Imperium" heißt die Show. "Im russischen Fernsehen gibt es keine wirkliche Information, dafür aber Spiele, wie sie es nicht mal in den USA gibt. Eine Show von byzantinischer Fülle und Größe - man kann den ganzen Tag nur mit diesen Sendungen verbringen." Und: "Nowa Huta wird trendy". Der proletarische Vorort von Krakau, ein Denkmal der sozialistischen Architektur, wirbt sogar mit einer eigenen Kampagne. "Dass Nowa Huta für Westler interessant ist, zeigen viele Internetseiten. Für einige Besucher sind solche Orte wie Nowa Huta oder der Kulturpalast der einzige Beweis für die Existenz des Kommunismus in Polen. Man sollte sie erhalten, pflegen und besser promoten", finden die drei Autoren des Artikels.

Magazinrundschau vom 09.08.2005 - Polityka

Adam Krzeminski erinnert an den 60. Jahrestag der Potsdamer Konferenz - im Gegensatz zum 8./9. Mai wollte diesen Tag kein Land groß begehen. Eigentlich kein Wunder: "Ja, Potsdam war ein 'Tag der Vergeltung' und einer von den Richtern war ein Verbrecher vergleichbar mit Hitler. Und ja, die Alliierten haben drastischen Lösungen zugestimmt, wie dem massenhaften 'Transfer' der deutschen Bevölkerung aus Mittel- Osteuropa, der keiner Norm von zwischenstaatlichen Problemlösungsansätzen entsprach. Aber es waren auch außergewöhnliche Umstände, die dazu geführt haben - man kann nicht zwei Kontinenten den Krieg erklären, ihn mit verbrecherischsten Methoden führen und dann nach Hause gehen wie nach einem verlorenen Spiel. Was hätten die Allierten sonst tun sollen - Deutschland zerstückeln, es in einen Kartoffelacker verwandeln, ihm weitere zehn Milliarden Dollar Reparationen aufdrücken?" Dennoch, unterstreicht Krzeminski, muss das Potsdamer Modell zu einer historischen Ausnahmeerscheinung erklärt werden - als Vorbild könne es nicht dienen.

"Die Alternative zu einem liberalen Imperium unter der Führung einer Supermacht, wäre nicht eine utopische Multipolarität oder ein neues UNO-ähnliches System, sondern eine albtraumhafte Anarchie wie im Mittelalter. Das sind die Lehren von 1000 Jahren Geschichte" konstatiert im Interview der Historiker und Politologe Niall Ferguson. Statt sich aus ihrer Rolle als Supermacht rauszureden, sollten die USA selbstbewusster für mehr Ordnung in der Welt sorgen, sonst werde die Menschheit in unvorstellbarem Chaos versinken. Ferguson, für den schon das britische Empire des 19. Jahrhunderts ein Glücksfall für die meisten Völker der Welt war, macht sich nur etwas Sorgen über den wachsenden Schuldenberg der USA. Da die Anleihen aber meistens von den ärmeren asiatischen Staaten, quasi als Imperialsteuer, gekauft werden, scheint sich auch hier eine perfekte Balance aufgetan zu haben.

Magazinrundschau vom 02.08.2005 - Polityka

In der polnischen Wochenzeitung spricht Jacek Zakowski mit Jeremy Rifkin über die steigenden Ölpreise: "Das Ende unserer Welt ist schon heute sehr nah: billiges Reisen, jeder hat seinen Privat-PKW, günstiges Heizen. Immer öfter werden wir feststellen müssen, dass wir uns das nicht leisten können. Das geschieht graduell, und wir wissen nicht, wann eine qualitative Veränderung eintreten wird. Aber es ist unabwendbar. Wir können entweder seelenruhig warten, bis das Öl ausgeht oder auch, dass es den Ärmeren nicht mehr zugänglich ist, oder uns ernsthaft mobilisieren und nach neuen Energiequellen suchen. Es ist Zeit für eine Revolution - wir können es tun und haben die Mittel." Da der Ölpreis laut Rifkin bald 100 Dollar erreichen wird, sollten wir auf Energiegewinnung aus Wasserstoffzellen setzen - er kündigt die "Ära des Wasserstoffs" an.

"Eine schöne Vision - aber doch nur Utopie", kommentiert der Schriftsteller Edwin Bendyk Rifkins Prophezeiungen. Leider sei die Theorie wissenschaftlich nicht ganz stichfest. "Wasserstoff kann nur auf dem Weg der Elektrolyse gewonnen werden, wozu Unmengen von Energie gebraucht werden. Was Rifkin nicht sagt ist, dass diese Energie nicht aus grünen Quellen gedeckt werden kann. Selbst in Frankreich, dem Land wo achtzig Prozent des Stroms von Atomkraftwerke erzeugt werden, hat man errechnet, dass die Umstellung aller Autos auf Wasserstoffbetrieb den Bau der doppelten Menge an AKW's erfordern würde." Trotzdem sollte man Rifkin aufmerksam lesen - wie in jeder Utopie sei das Potenzial seiner These wichtiger als ihr praktischer Gehalt.

Magazinrundschau vom 26.07.2005 - Polityka

Die Debatte über den Umgang mit muslimischen Einwanderern schlägt hohe Wellen in Polen - dem europäischen Land mit dem kleinsten Anteil von Muslimen an der Gesamtbevölkerung (ca. 0,01 Prozent). Die Polityka widmet dem Thema jedenfalls ein großes Dossier: Marek Ostrowski reflektiert die aktuellen Debatten über die "inneren Feinde" der europäischen Gesellschaften und die Attacken von Oriana Fallaci: "'Sollen sie doch nach Hause gehn', schreibt sie - das heißt wohin? Die Araber und Muslime sind ein Teil der europäischen Gesellschaft, und sie irgendwo hin zu 'verschieben' wäre so, als ob man sich ein Bein oder einen Arm amputieren würde. Die Muslime aus Europa 'rauszuwerfen' könnte im übertragenen Sinne bedeuten, dass man in Deutschland, England oder Frankreich versuchen wird, sie aus der Gesellschaft rauszuwerfen - soziale und mentale Barrieren aufzustellen, wie es die Israelis bei den Palästinensern tun. Der Antiislamismus kann eine moderne Version des Antisemitismus werden". Die härtere Gangart gegenüber Terroristen, wie sie überall gefordert wird, kann aber für die europäischen Muslime auch gute Seiten haben - sie helfen, sie vom Generalverdacht zu befreien, glaubt Ostrowski

Adam Krzeminski, Deutschland-Korrespondent der Polityka, hat sich auf den europäischen Bestsellerlisten umgeschaut, und liefert eine interessante Analyse des Buchmarkts: "Wir lesen Krimis, interessieren uns für das Sexualleben von Frauen in jedem Alter, amüsieren uns zu Tode und kommunizieren nicht mehr über die Literatur. Eine halbe Milliarde Europäer weiß nicht, wie sie miteinander reden soll, wir sind noch zu sehr in den eigenen Sprachkreisen eingeschlossen". Es scheint momentan nur zwei Schriftsteller zu geben, die das europäische Leserpublikum in allen Ländern ansprechen: Dan Brown und J. K. Rowling.

Magazinrundschau vom 24.05.2005 - Polityka

Adam Krzeminski analysiert die Rebellion der jungen Generation in deutschen Filmen der letzten Jahre und stellt fest, dass sich die Deutschen weiterhin wie in einem Drama von Schiller verhalten: "Das Drama der erfolglosen Rebellion gegen den Dämon dauert an, das Drama der edlen Räuber, die sich letztendlich als gemeine Mörder entpuppen". "Napola", "Die fetten Jahre sind vorbei", "Sophie Scholl - die letzten Tage", "Rosenstraße" und in gewisser Weise auch "Gegen die Wand" zeigen diese kopflose Suche nach einer Idee, die die Rebellion rechtfertigen würde - sei es durch Reminiszenzen an '68 oder durch die Auseinandersetzung mit den Großeltern, die zwar Schreckliches begangen haben, dafür aber wenigstens an etwas geglaubt haben. "Und so spielen die schönen Dreißigjährigen mit fremden Spielzeugen, durchstöbern die Familienalben und stellen sich vor, dass man aus reiner Neugierde (wie die Macher von 'Napola') ein bisschen 'Heil Hitler' rufen kann, um dann die Uniform abzulegen und aus dem Dritten Reich wie aus dem Kino rauszugehen. Aber man kann die Geschichte nicht einfach verlassen... Die Flucht in die Vergangenheit ist, genauso wie in Polen, ein Zeichen der Ratlosigkeit gegenüber der Geschichte. Und so werden die klügeren unter den Deutschlandkennern bemerken, dass eine gewisse Renationalisierung und das Selbstmitleid im deutschen Gesellschaftsdiskurs ein Zeichen von Schwäche ist, nicht von Stärke und Hochmut."

Außerdem: Jürgen Habermas plädiert im Interview für mehr europäischen Zusammenhalt jenseits der sozialen Egoismen. Der Schriftsteller Wiktor Jerofejew erklärt uns Russland: "Das heutige Russland ist wie ein Hippodrom, auf dem zwei Pferde laufen. Das eine ist das imperialistische Russland, das andere ist das Russland, das nicht an Putin, sondern an Geld, gute Autos, bequeme Häuser und Familienglück denkt. Dieses junge Russland wird aber von Putin nicht umgebracht - ich weiß selbst nicht warum, aber er tut es nicht." Und zu den polnisch-russischen Kontroversen schreibt Jerofejew: "Für euch Polen ist Geschichte etwas Konkretes, für uns ist sie ein Abstraktum. Die Geschichte ändert sich doch tagtäglich auf Geheiß der Politik: heute mag man Lenin nicht, dafür aber Stalin. Vor fünfzig Jahren, zu Zeiten Chruschtschows, war es umgekehrt. Wenn Lenin für Katyn verantwortlich wäre, würde man vielleicht abwinken und sagen: OK, es war ein Verbrechen. Aber bei Stalin ist es etwas anderes - wer Stalin beschuldigt, der greift Russland an. Deshalb wird es keine Entschuldigung geben."

Magazinrundschau vom 17.05.2005 - Polityka

Nach der Lektüre von Juri Andruchowytschs neuem Roman "Zwölf Ringe" ist Aleksander Kaczorowski sicher: Der Mann wird der erste ukrainische Nobelpreisträger! "Andruchowytsch ist bislang nur einer Leserelite bekannt. Ihn aber nicht zu kennen, gehört sich nicht. Sein Platz ist neben Gabriel Garcia Marquez und Bohumil Hrabal - Schriftstellern, die man lesen sollte, denn wer das nicht tut, fügt sich selbst Schaden zu", erklärt kategorisch der Kritiker.

Eine interessante Reportage ist der gespenstischen Ruine des nie fertig gestellten Atomkraftwerks in Zarnowiec gewidmet. Seit 1982 baute man an diesem ambitionierten sozialistischen Projekt, 1989 wurde ein Baustopp verhängt. Die Anlage verfiel, und von den riesigen Industrie- und Wohnanlagen blieb nur ein Wohnblock mit einem letzten ehemaligen Angestellten als Bewohner. Ironie der Geschichte ist, dass "Polen in 15 Jahren die Emissionsgrenzen in der EU überschreiten wird, und somit der Bau eines Atomkraftwerks unumgänglich scheint. Das Recht erlaubt zwar aus Sicherheitsgründen nicht, die eingestellten Bauarbeiten wieder aufzunehmen. Aber das neue Kraftwerk kann neben den alten Fundamenten errichtet werden. Die Nachricht von dem Regierungsbeschluss, ein neues atomares Kraftwerk zu bauen, erreichte Zarnowiec in dem Moment als die letzten Bewohner der Arbeiterhäuser ausgezogen waren".

Magazinrundschau vom 03.05.2005 - Polityka

Auch in der Polityka untersucht Aleksander Kaczorowski, wie sich Polen seit dem EU-Beitritt verändert hat. Vor allem die Außenwahrnehmung hat sich verändert, unterstreicht der Autor: "In den letzten zwei Jahren ist kein wichtiges Ereignis und keine kontroverse Diskussion in Europa ohne polnische Beteiligung abgelaufen: der Irakkrieg, der Streit um die Verfassung und die Verlegung von Arbeitsplätzen, die Orange Revolution in der Ukraine und der Tod Johannes Paul II". Sogar der berüchtigte Pferdewagen, der als Illustration von Polenreportagen immer verwendet wurde, sei verschwunden! "Nach diesen 12 Monaten in der EU steht eines fest: das Bild Polens in den alten Mitgliedsstaaten hat sich wesentlich verbessert und in einigen hat man sich sogar zum ersten Mal ein richtiges Bild gemacht. Vielleicht exportieren wir nicht so viel wie die Tschechen, und ziehen nicht so viele Investitionen an wie die Slowaken, aber dafür schreibt man über uns das Meiste. Und, was noch wichtiger ist, man schreibt positiv über uns."

Wo ist bloß die Arbeit, fragt zum "Tag der Arbeit" der Schriftsteller Edwin Bendyk. "Gott vertrieb Adam und Eva aus dem Paradies und verdammte sie zur Arbeit. In Volkspolen wurde man für den Müßiggang bestraft. Heute ist Arbeit für viele Menschen ein unerreichbarer Luxus. Diese Art von Arbeit, an die wir uns gewöhnt haben, gehört immer mehr der Vergangenheit an. Und das ist erst ein Problem!"