Adam Krzeminski analysiert die Rebellion der jungen Generation in
deutschen Filmen der letzten Jahre und stellt fest, dass sich die Deutschen weiterhin wie in einem Drama von
Schiller verhalten: "Das Drama der erfolglosen Rebellion gegen den Dämon dauert an, das Drama der edlen Räuber, die sich letztendlich als
gemeine Mörder entpuppen". "Napola", "Die fetten Jahre sind vorbei", "Sophie Scholl - die letzten Tage", "Rosenstraße" und in gewisser Weise auch "Gegen die Wand" zeigen diese kopflose Suche
nach einer Idee, die die Rebellion rechtfertigen würde - sei es durch Reminiszenzen an '68 oder durch die Auseinandersetzung mit den Großeltern, die zwar Schreckliches begangen haben, dafür aber wenigstens an etwas geglaubt haben. "Und so spielen die
schönen Dreißigjährigen mit fremden Spielzeugen, durchstöbern die Familienalben
und stellen sich vor, dass man aus reiner Neugierde (wie die Macher von 'Napola')
ein bisschen 'Heil Hitler' rufen kann, um dann die Uniform abzulegen und aus dem Dritten Reich wie aus dem Kino rauszugehen. Aber man kann die Geschichte nicht einfach verlassen... Die Flucht in die Vergangenheit ist, genauso wie in Polen, ein Zeichen der
Ratlosigkeit gegenüber der Geschichte. Und so werden die klügeren unter den Deutschlandkennern bemerken, dass eine gewisse Renationalisierung und das
Selbstmitleid im deutschen Gesellschaftsdiskurs ein Zeichen von Schwäche ist, nicht von Stärke und Hochmut."
Außerdem:
Jürgen Habermas plädiert im Interview für mehr europäischen Zusammenhalt jenseits der sozialen Egoismen. Der Schriftsteller
Wiktor Jerofejew erklärt uns Russland: "Das heutige Russland ist wie ein Hippodrom, auf dem zwei Pferde laufen. Das eine ist das
imperialistische Russland, das andere ist das Russland, das nicht an Putin,
sondern an Geld, gute Autos, bequeme Häuser und
Familienglück denkt. Dieses junge Russland wird aber von Putin nicht umgebracht - ich weiß selbst nicht warum, aber er tut es nicht." Und zu den
polnisch-russischen Kontroversen schreibt Jerofejew: "Für euch Polen ist Geschichte etwas Konkretes, für uns ist sie ein
Abstraktum. Die Geschichte ändert sich doch tagtäglich auf Geheiß der Politik: heute mag man Lenin nicht, dafür aber
Stalin. Vor fünfzig Jahren, zu Zeiten Chruschtschows, war es umgekehrt. Wenn Lenin für
Katyn verantwortlich wäre, würde man vielleicht abwinken und sagen: OK, es war ein Verbrechen. Aber bei Stalin ist es etwas anderes - wer Stalin beschuldigt, der greift Russland an. Deshalb wird es
keine Entschuldigung geben."