Linke und Liberale haben sich allerdings auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert beim Versuch, sich den amerikanischen Wähler als attraktive Alternative zum Rechtspopulismus zu präsentieren,
notiert der türkische Politikwissenschaftler
Soli Özel im
Substack-Newsletter der Open Society Foundation und verweist auf den konservativen
Historiker Christopher Lasch, der schon vor Jahrzehnten vor einer zunehmenden kulturellen und klassenbezogenen Polarisierung gewarnt hatte. "Lasch erkannte die wachsende Kluft zwischen den gebildeten Managereliten und dem Großteil der weniger gebildeten Öffentlichkeit. Er schrieb von einer 'aufgeklärten Elite (wie sie sich selbst sieht)' und argumentierte, dass diese 'nicht so sehr danach strebt, ihre Werte der Mehrheit aufzudrängen (einer Mehrheit, die als unverbesserlich rassistisch, sexistisch, provinziell und fremdenfeindlich wahrgenommen wird), geschweige denn, die Mehrheit durch eine rationale öffentliche Debatte zu überzeugen, sondern vielmehr parallele oder '
alternative'
Institutionen zu schaffen, in denen eine
Konfrontation mit den Unaufgeklärten überhaupt nicht mehr notwendig sein wird.'" Für Lasch war Populismus "die wahre Stimme des Volkes". Auch wenn er durchaus miese Seiten hatte. "Lasch hat das erkannt", schreibt Özel und zitiert ihn: "'Es wäre töricht, die charakteristischen Merkmale populistischer Bewegungen in ihrer schlimmsten Form zu leugnen -
Rassismus,
Antisemitismus, Nativismus, Anti-Intellektualismus und all die anderen Übel, die von liberalen Kritikern so oft angeführt werden. Aber es wäre ebenso töricht, zu leugnen, was in dieser Tradition unverzichtbar ist - die Wertschätzung des moralischen Wertes ehrlicher Arbeit, der Respekt vor Kompetenz, der egalitäre Widerstand gegen festgefahrene Privilegien, die Weigerung, sich vom Jargon der Experten beeindrucken zu lassen, das Beharren auf einer klaren Sprache und darauf, die Menschen für ihr Handeln zur Verantwortung zu ziehen.' In Anbetracht der heutigen Realitäten hätte er die
positiven Aspekte des Populismus mit mehr Umsicht anpreisen sollen. Lasch war ein Kritiker von innen", der sich jedoch allmählich "von den sozialen und kulturellen Lehren der Neuen Linken distanzierte. Er war der Ansicht, dass die einst hoffnungsvolle Bewegung der 60er Jahre allmählich die Kultur durch die Klasse ersetzt hatte und dass ihr Sinn für Individualismus den Weg für die
neoliberale Ordnung und ihr egoistisches Ethos geebnet hatte. 'Die meisten von uns sehen das System, aber nicht die Klasse, die es verwaltet und seinen Reichtum monopolisiert', schrieb er. 'Wir wehren uns gegen eine
Klassenanalyse der modernen Gesellschaft als 'Verschwörungstheorie'. So hindern wir uns selbst daran zu verstehen, wie unsere gegenwärtigen Schwierigkeiten entstanden sind, warum sie fortbestehen oder wie sie gelöst werden könnten.'"