Magazinrundschau - Archiv

The Wall Street Journal

8 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 24.03.2015 - Wall Street Journal

Fünf Dogmen des Islam müssten revidiert werden, um den Islam wirklich zu reformieren, schreibt Ayaan Hirsi Ali in einem Vorabdruck aus ihrem neuen Buch "Heretic: Why Islam Needs a Reformation Now": die Behauptung von Mohammeds halbgöttlichem Status, die wörtliche Lektüre des Koran, die Behauptung der Überlegenheit des Jenseits über das Diesseits, die Scharia, das Recht individueller Muslime, die Befolgung islamischer Gesetze zu erzwingen, und der Imperativ des Heiligen Kriegs. "Mir ist klar, dass diese Argumente vielen Muslimen unbehaglich sind. Manche werden sich durch meine Mahnungen beleidigt fühlen. Andere werden beharren, dass ich nicht qualifiziert sei, diese komplexen theologischen Fragen zu diskutieren. Aber dies ist kein theologisches Buch. Es ist eine Intervention in der Debatte über die Zukunft des Islams. Das größte Hindernis für den Wandel in der muslimischen Welt ist gerade die Unterdrückung jenes kritischen Denkens, das ich hier versuche." Sie betont außerdem, dass sie keine "Islamophobe" sei und beschreibt, wie schwer der Schritt aus der Religion für sie selbst war: "Künftige Generationen von Muslimen brauchen einen sichereren Weg. Sie sollten die Moderne begrüßen können, ohne sich einzuigeln, oder in kognitiver Dissonanz oder gewaltsamer Ablehnung zu leben."

Magazinrundschau vom 18.11.2014 - Wall Street Journal

Das House of Lords war eine relativ zahnlose Angelegenheit, solange dort in alter Tradition erbliche Adlige vor sich hin dämmerten. Das hat Tony Blair 1999 geändert. Seitdem sitzen dort auf Lebenszeit ernannte und übrigens unbezahlte "Peers", zumeist verdiente Persönlichkeiten aus der Wirtschaft, und können immerhin den Gesetzgebungsprozess durch manche Schikanen erschweren. Justin Scheck und Charles Forelle haben für das Wall Street Journal mal unter anderem in Selbstauskünften der Parlamentarier recherchiert. Wie es der konservative Parteiführer William Hague vorausgesagt hatte, "haben viele Lords heute Beziehungen zu Lobbyorganisationen. Darunter machte ein Lord nach eigenen Angaben Lobbyarbeit für einen Offshore-Fond. 86 weitere Lords beraten Firmen, Handelsgruppen oder andere Organisationen in Regierungsangelegenheiten, oder sie arbeiten für Firmen, die auf Beziehungen zur Politik spezialisiert sind. 113 Lords werden von Finanzfirmen bezahlt. 26 Lords arbeiten für Rohstofffirmen. 20 arbeiten für ausländische Regierungen... Manche dieser Jobgelegenheiten eröffneten sich erst nach dem Eintritt in das Hohe Haus."

Magazinrundschau vom 16.12.2013 - Wall Street Journal

In einer dreiteiligen Reportage berichtet Michael M. Phillips über ein nahezu vergessenes Kapitel der amerikanischen Medizingeschichte, das jetzt aufgetauchte geheime Dokumente belegen: die Lobotomie an 2000 traumatisierten Kriegsveteranen während des Zweiten Weltkriegs und in den 1950er Jahren. Bei dieser Operation werden Nerven gekappt, die vom Stirnlappen zum Zentrum des Gehirns verlaufen. "Während des Zweiten Weltkriegs hatte Lobotomie die von lobpreisenden Ärzten und Medien befeuerte Reputation, sie sei die beste Möglichkeit, das Leben von Menschen zu verbessern, deren Geisteskrankheiten sie ansonsten möglicherweise zu einem Leben in geschlossenen Anstalten verurteilt hätten. Einige Eltern von Veteranen forderten diese Operation geradezu für ihre gestörten Söhne. Viele lernten zu spät, dass Lobotomie ein fragwürdiger Segen war. Die Operation konnte die Gewaltausbrüche und die Ängste des Patienten reduzieren, sie konnte aber auch für immer seine Persönlichkeit und seine Unabhängigkeit zerstören. 'Er funktionierte einfach nicht mehr so wie früher', sagt Donald Rawlings, dessen Onkel Eldon Rawlings, ein Navy Veteran, lobotomisiert worden war und seine letzten Jahre damit verbrachte, einen Mopp durch sein Altersheim zu schieben. 'Sein Hirn war völlig verquirlt.'"
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Magazinrundschau vom 10.07.2012 - Wall Street Journal

Ebooks verändern das Lesen radikal, schreibt Alexandra Alter in einem instruktiven Hintergrundartikel unter dem Titel "Sie werden gelesen": Nie zuvor hatten Verleger so reiche Daten, konnten wissen, welche Bücher bis zum Ende gelesen werden, wo die Leser stocken, welche Passagen sie markieren. Bei Amazon müssen die Leser gar eine Klausel unterzeichnen, die es Amazon erlaubt, sämtliche Daten und markierten Passagen auszuwerten. Datenschützer protestieren. Und Autoren kommerzieller Romane lassen Leser über den Fortgang ihrer Schmonzetten abstimmen. Tawna Fenske (Website) hat ihre Leserinnen beurteilen lassen, wie sie zu den Männern der Protagonistin stehen: "53,3 stimmten für Collin, einen Hugh-Grant-artigen Typen, 16,8 Prozent zogen Pete vor, den hübschen, aber nicht verfügbaren Kollegen, und 29,7 Prozent mochten Daniel, den emotional kühlen Freund der Heldin. Fenske wollte Daniel ursprünglich aus ihre Serie entfernen, indem sie ihn ins Gefängnis steckte. Aber dann waren ihr 29,7 Prozent doch ein zu großer Brocken ihrer Leserschaft."

Magazinrundschau vom 10.01.2012 - Wall Street Journal

Nicholas Carr denkt darüber nach, was es für das Buch bedeutet, wenn der digitale Inhalt nicht mehr starr, sondern veränderbar ist. Eigentlich eine gute Sache, meint er, "Reiseführer werden ihre Leser nicht mehr in Restaurants schicken, die längst geschlossen sind oder in einst charmante Kneipen, die sich in Flohsäcke verwandelt haben". Aber was, wenn Verlage feststellen, dass die Leser eines Romans immer an einer bestimmten Stelle die Lektüre abbrechen. Werden sie den Autor zwingen, an diese Stelle das Wort "Sex" einzufügen?

Magazinrundschau vom 01.09.2009 - Wall Street Journal

Joe Queenan, Satiriker und Autor (mehr hier), überlegt im Wall Street Journal, wie die Zeitgenossen die Werke von Shakespeare oder Sophokles beurteilt hätten, hätte es damals schon Amazonkritiken gegeben. "Sicherlich können manche Rezensenten in der ungehobelten Welt des Internets etwas grob und persönlich werden, aber meistens bringen diese talentierten Amateure eine dringend benötigte Frische ins Rezensionswesen. Am reizvollsten ist ihre absolute Furchtlosigkeit, über hoch profilierte Schriftsteller herzuziehen, wo normale Rezensenten eine gewisse Zögerlichkeit an den Tag legen würden." Queenan fantasiert munter drauf los, vergibt Kopernikus für seine "Revolution der himmlischen Sphären" drei von fünf Sternen und gibt sich als selbstbewusster Kritiker: "Diejenigen, die meine unzähligen Rezensionen bereits kennen, wissen, dass ich Mathematiker, Astronom, Polyglott und Philosoph bin, und daher ausgezeichnet qualifiziert bin, über alles zu sprechen, von Zenons Paradoxien bis hin zum Gordischen Knoten. Eigentlich finde ich, hat mein Kumpel, der Universalgelehrte Kopernikus hier einen ganz soliden Job gemacht...Menschen wie er können eben gut mit Zahlen. Genau wie ich. Sehr, sehr gut... Leser, die mehr von meinen einzigartigen Einsichten kennen lernen möchten, erreichen mich unter Igor@mymommysbasement.com."

Magazinrundschau vom 29.07.2008 - Wall Street Journal

Andrew Higgins erzählt die Geschichte des niederländischen Karikaturisten Gregorius Nekschot (ein Pseudonym), der am 13. Mai in der Morgendämmerung verhaftet wurde und eine Nacht im Gefängnis verbringen musste. Die Polizei beschlagnahmte außerdem seinen Computer und seine Notizbücher. "Laut Aussage eines Vertreters der Staatsanwaltschaft steht Nekschot seit drei Jahren wegen des Verdachts, er verletze mit seinen Karikaturen niederländisches Recht, unter Beobachtung. Diese Cartoon-Affäre ist wie ein Schock über ein Land gekommen, das sich immer als Bastion der Toleranz sah, eine Tradition, die durch die grimmige Erinnerung an die blutigen Konflikte zwishen Katholiken und Protestanten aufrechterhalten wurde. Die Niederländer schützten Juden und andere Flüchtlinge vor der spanischen Inquisition und Calvinisten vor der Verfolgung in Frankreich. Seine Denker halfen, die Aufklärung des 18. Jahrhunderts erblühen zu lassen. Prostitution, Marihuana und Pornografie sind seit Jahrzehnten legal." Besondere Empörung hatte in dem Fall das Bekenntnis des Justizministers Hirsch Ballin, einem strenggläubigen Christen, ausgelöst, wonach "eine bislang geheime Staatsbehörde, genannt die Interministerielle Arbeitsgruppe für Cartoons existiert. Von offizieller Seite hieß es später, dass diese Gruppe keine Befugnis zur Zensur hat und nach der dänischen Karikaturenkrise 2006 eingesetzt worden war, um niederländische Politiker vor möglichen Gefahren zu warnen."

Magazinrundschau vom 01.07.2008 - Wall Street Journal

Kommt nach der yellow press jetzt die yellow science? Wenn er die Diskussionen über die Klimaerwärmung hört, möchte der Unternehmer und Maschinenbauingenieur James Kerian das sofort bejahen. Der Zusammenhang zwischen dem Verbrennen fossiler Brennstoffe und der Erwärmung des Klimas wurde nie bewiesen. Schlimmer: Ein Beweis ist nicht mal mehr gefragt. Warum ist das so? "Die erste und offensichtlichste Verlockung für diese absichtliche Blindheit ist finanzieller Art. Randolph Hearst hat nur einen Teil seines Nettovermögens von 140 Millionen Dollar mit der yellow press gemacht. Die globale Erwärmung andererseits hat diejenigen, die bereit sind, yellow science zu praktizieren, mit geschätzten 50 Milliarden Dollar Forschungsmitteln versorgt."