Ex-Kultursenatorin
Sarah Wedl-
Wilson hat im Berliner Untersuchungsausschuss
alle Antworten verweigert, anders als sie es nach ihrem Rücktritt angekündigt hatte, wie Patrick Bahners in der
FAZ erinnert: "Sie sagte jetzt zwar, dass sie die Bewilligungen '
retrospektiv'
kritisch sehe, aber ihre Form von Rückschau dient gerade dazu, das Eingeständnis eines Fehlers zu vermeiden. Mit der Warnung der Verwaltung konfrontiert, dass eine inhaltliche Prüfung der Anträge nicht möglich sei, habe sie für sich nur 'zwei Optionen' gesehen: Entweder erfülle sie den Willen des Abgeordnetenhauses - oder das Land werde im Kampf gegen Antisemitismus ein weiteres Jahr verlieren. In dieser 'schwierigen Situation' habe sie für die Förderung entschieden, 'weil ich die Projekte für
förderungswürdig hielt'. In dem von ihr beschriebenen Dilemma kommt das
Recht als Rahmen des staatlichen Handelns nicht vor. Es fehlt die Feststellung, dass selbst bei Zeitnot der Staat nur tun kann, was ihm rechtlich gestattet ist, und dass die Verfahren zur Sicherung rechtssicheren Handelns nicht durch die persönliche Einschätzung von Amtsträgern ersetzt werden können."
Der von Wedl-Wilson entlassene Staatssekretär
Oliver Friederici beantwortete zumindest einige Fragen. Erik Peter
notiert für die
taz, so gibt Friederici etwa an, ihm "zufolge haben die Verwaltungsmitarbeiter:innen und er selbst auf '
rechtsstaatliche Prinzipien' bestanden. Auch bei dem wichtigen politischen Ziel der Antisemitismusbekämpfung 'heiligt der Zweck nicht die Mittel'. Er habe die Projekte '
bewusst nicht gezeichnet' und dabei die Position der Verwaltung vertreten. Gegenüber Chialo habe er auf der Notwendigkeit der inhaltlichen Prüfung der Projekte bestanden - daraufhin war ihm im April vergangenen Jahres die Zuständigkeit für den Vorgang entzogen worden."
Einen Vorgeschmack davon, was der Kultur droht, wenn die
AfD an die Macht kommen würde, kann Peter Laudenbach für die
SZ schonmal in den
Programmen zu den Landtagswahlen im Herbst bekommen. Hans-Thomas Tillschneider, der stellvertretende Vorsitzende der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, verlangte zum Beispiel in einer Rede "von den Künstlern 'ein grundsätzliches Bekenntnis zur
deutschen Nationalkultur'", lesen wir. Im Programm der AfD Mecklenburg-Vorpommern kommt "die kaum verhüllte Drohung sachlich daher: 'Ideologisch motivierte Projekte stellen wir auf den Prüfstand.' Gemeint ist offenbar: Was uns nicht passt, wird unter Ideologieverdacht gestellt. Das ist der älteste Taschenspielertrick aller Ideologen und Demagogen. Man ruft einfach 'ideologisch motiviert', das erspart jede Sachauseinandersetzung und erfüllt den Zweck der Diskreditierung:
alles Ideologen, nur wir nicht. Praktischerweise kann auf diese Weise so ziemlich alles unter Ideologieverdacht und damit, geht es nach der AfD, auf den "Prüfstand" gestellt werden - Projekte zur Erinnerung an die NS-Verbrechen genauso wie ein Theaterstück zur Menschenwürde von Migranten oder eine Ausstellung queerer Künstler."
In München und Leipzig sollen Außenstellen der Holocaustgedenkstätte
Yad Vashem entstehen, eine Entscheidung, die
Meron Mendel bei
SpOn grundsätzlich begrüßt, gleichzeitig müssten aber auch "unbequeme Fragen" angegangen werden. "In Deutschland ist die falsche Vorstellung verbreitet, Yad Vashem sei eine
neutrale, unabhängige Einrichtung. Laut dem israelischen 'Yad-Vashem-Gesetz' ist die Gedenkstätte jedoch direkt der Regierung unterstellt und hat den Auftrag, das
offizielle staatliche Narrativ über die Geschichte zu vermitteln." In der Vergangenheit mischte sich die israelische Regierung immer wieder in die deutsche Kulturpolitik ein, erinnert Mendel, "schon 2018 drängte Netanyahu die Bundesregierung zur Kürzung der Fördermittel für das Jüdische Museum Berlin und andere aus Sicht seiner Regierung missliebige Einrichtungen." Es liege "in der Verantwortung der Initiatoren, zu garantieren, dass diese Orte nicht
politisch instrumentalisiert werden. So könnte man den Auftrag der Außenstellen auf die Vermittlung der NS-Vergangenheit klar begrenzen, um Einflussversuche auf tagespolitische Themen zu verhindern. Eine andere Möglichkeit wäre die Einbettung der Außenstellen in bereits bestehende und erfahrene Einrichtungen mit dem Schwerpunkt Holocaustvermittlung, wie das NS-Dokumentationszentrum in München."