Jetzt ist es raus: Der Vertrag der eigentlich recht erfolgreichen Historikerin
Gundula Bavendamm als Leiterin des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung wurde nicht verlängert, aber auch der Geschäftsführers der Vertriebenen-Gruppe in der Unions-Bundestagsfraktion
Sven Oole wurde nicht wie befürchtet zu ihrem Nachfolger gewählt, berichtet Christian Schröder im
Tagesspiegel: Nach harten Auseinandersetzungen setzte sich mit
Roland Borchers "ein Bewerber einstimmig durch, der die Museumsarbeit im Sinne seiner Vorgängerin Gundula Bavendamm fortsetzen dürfte. Der Historiker, 45 Jahre alt, hat am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin geforscht. Die enge Zusammenarbeit mit Institutionen der einst von der Wehrmacht
überfallenen Nachbarstaaten wie Polen und Tschechien ist für das grenzübergreifende Konzept des Berliner Museums essenziell. Seit 2009 agiert Borchers als stellvertretender Direktor des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit in Oberschöneweide. Er beschreibt seine Arbeit als 'Suche nach Anerkennung' für Opfer, Überlebende und Nachfahren des NS-Terrors."
"Die Klüngellösung wurde also knapp vermieden", kommentiert Andreas Kilb in der
FAZ die Wahl von
Borchers. Kilb schildert noch mal die
Kämpfe im Hintergrund - der Vertriebenenbund und seine Truppen im Bundestag, durchweg CDU, hätten eine andere Lösung gewollt, aber dann gab es offenbar ein
Machtwort des Kanzlers. Kilb bleibt skeptisch: "Nur
unabhängige Historiker sollten eine gesamtstaatliche Präsentation zum Thema Flucht und Vertreibung gestalten dürfen. Es bleibt zu hoffen, dass der neue Stiftungsdirektor Borchers diese Unabhängigkeit besitzt."
Alhena Caicedo, Direktorin des Kolumbianischen Instituts für Anthropologie und Geschichte, ist gerade in Berlin und fordert die Rückgabe der
Steinstatuen von San Agustín. Sie lagern zur Zeit im Depot des Ethnologischen Museums Berlin. "Sie sind hier bestimmt sicher und werden gut aufbewahrt",
sagt sie im Gespräch mit Pauline Cruse von der
taz, "aber
weitergehend untersucht wurden sie in Berlin überhaupt nicht, obwohl wir das in Zusammenarbeit vorgeschlagen hatten. Und die Leute, die sagen, es sei nachhaltiger, dass die Statuen hier sind, sollten vielleicht darüber nachdenken,
welchen Symbolwert sie eigentlich haben. Ist es nicht besser, dass sie dort sind, wo sie ihren symbolischen, spirituellen Wert entfalten können? Es geht nicht nur um das Objekt, sondern darum, für wen es geschaffen wurde." Über die Skulpturen weiß man laut Cruse wenig: "Nach heutigem Kenntnisstand lebten die Erschaffer dieser Steinstatuen zwischen 3.300 v. Chr. und 1.530 n. Chr. in der Region um San Agustín im Südwesten Kolumbiens."
Wolfram Weimer hat sich den Zorn der Feuilletons auch mit seiner Absage für den geplanten, 100 Millionen Euro teuren
Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig zugezogen. Von dieser Absage ist er jetzt wieder zurückgerudert, was
Frank Scholze, Leiter der DNB, mit Erleichterung zur Kenntnis nimmt. Im Interview mit dem
Tagesspiegel erklärt er, warum elektronische Dateien in seinen Augen
keine echte Alternative für physische Bücher sind, und warum sie viel teurer ist, als man sich das vorstellt: "Echte Langzeitarchivierung, so wie wir sie verstehen, beschränkt sich bei weitem nicht darauf, immer wieder Backups von Dateien anzulegen. Man speichert die Werke in sogenannten
Dark Archives, die gar nicht ans Internet angeschlossen sind. Diese Archive sind noch da, selbst wenn unsere sonstige Infrastruktur komplett zerstört würde. Das sogenannte Open Archival Information System (OAIS) ist ein internationales Referenzmodell dafür. Danach müssen Sie
georedundant speichern, also die Dateien mehrfach an verschiedenen Orten sichern." Das sei aufwändig und sehr teuer: "Je weniger Sie analog sammeln, desto mehr müssen Sie investieren, um Ihre digitalen Bestände zu schützen." Aber Scholze gibt auch zu, dass der geplante Erweiterungsbau
der fünfte wäre: "Aktuell gehen wir davon aus, dass er
für dreißig Jahre reichen wird."
Kaum flaut der eine Krach ab, beginnt schon der nächste: Die Jury des Hauptstadtkulturfonds wirft
Wolfram Weimer "politische Einmischung in die Arbeit unabhängiger Fachjurys" vor, berichtet Jörg Häntzschel höchst besorgt in der
SZ. Es geht um ein Projekt der Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin
Miriam Rainer, die einen Workshop zur Übersetzung "wichtiger
palästinensischer Autoren aus dem 20. Jahrhundert" veranstalten wollte. Das wollte der Hauptstadtkulturfonds mit 30.000 Euro unterstützen, doch wurde das Projekt nicht vom Bundeskulturministerium genehmigt. ... Rainer selbst betont, dass es sich um ein literaturhistorisches,
kein aktivistisches Projekt handeln sollte. Die Autoren, die sie in ihrer Bewerbung genannt hatte, Samira Azzam, Ghassan Kanafani und Mahmoud Darwish, sind auch längst gestorben. Doch natürlich waren sie als Palästinenser teils stärker, teils weniger stark in den
Widerstand gegen Israel involviert. Die Jury habe sich mit dieser Frage
verantwortungsvoll auseinandergesetzt, versichert [die Kuratorin des Hauptstadtkulturfonds Leonie] Baumann."
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Museen in der Ukraine sind entweder beschädigt oder geplündert worden, vergangenes Jahr forderte ein
Oberstleutnant der Bundeswehr bei einer nicht öffentlichen Sitzung des Deutschen Museumsbundes für kunst- und kulturhistorische Museen die
Kulturgut bewahrenden Institutionen in Deutschland daher auf, selbstständig
Notfallpläne zu erarbeiten, berichtet Hubertus Butin in der
FAZ. Aber wären deutsche Museen überhaupt vorbereitet? Und wer fühlt sich eigentlich verantwortlich? "In erster Linie sind das
Bundesministerium des Innern und das ihm nachgeordnete Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe für den Kulturgutschutz verantwortlich. Das Bundesamt übernimmt nach eigener Auskunft etwa die generelle Planung von Transporten, wenn Objekte aus Museen in Sicherheit gebracht werden müssen, betont jedoch, dass die spezifische Organisation und Umsetzung konkreter Maßnahmen vor Ort von den Bundesländern und den Museen übernommen werden müssten. Allerdings haben manche Länder wie etwa Niedersachsen, Baden-Württemberg und Sachsen bis heute den Museen
keine Evakuierungsräume genannt, die zur Rettung der wertvollsten Objekte dienen können."