Hm, hatte Jörg Häntzschel nicht gestern in der
SZ geschrieben, dass das
Museum of West African Art (MoWAA) in Benin City in Nigeria heute eröffnet werden soll (unser
Resümee)? Hier sollten unter anderem die
Benin-Bronzen ausgestellt werden, die nach dem brutalen Raub durch britische Kolonialtruppen nach Berlin geraten waren. Häntzschel berichtete, dass das dann nicht so lief, weil der Nachfahre des Köngs von Benin, der Oba von Benin,
Ewuare II., die Skulpturen zu könglichem Eigentum erklärte und und seine Absicht kundtat, selbst ein Museum bauen zu wollen - die Dynastie des Oba hatte die kostbaren Artefakte aus Einnahmen fertigen lassen, die aus dem Sklavenhandel stammten. Seitdem versteht sich das MoWAA nur noch als ein Ort der Kommunikation afrikanischer Kultur.
In der
taz stellen sich die Dinge heute noch etwas anders dar. Hilka Dirks
berichtet - offenbar von vor Ort -, dass das Museum
bereits am Samstag eröffnet worden sei, zumindest für geladene Gäste und viele Diplomaten, und es dabei
zu Tumulten kam. "Als die Direktorin des MoWAA-Instituts, Ore Disu, gerade ihre Eröffnungsrede halten wollte, wurde die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen abgebrochen. Protestierende waren auf das Gelände eingedrungen. Eine kleine Gruppe aggressiv auftretender Männer
demolierte den Außenbereich... Laut Museum handelte es sich bei den Protestierenden um Anhänger des Oba von Benin, Ewuare II. Der betrachte das MoWAA als
Affront gegen die königliche Familie." Es gibt weiter Streit um das Museum, der von Ewuare II. ausgeht, so Dirks: "Nun forderte der Oba vor wenigen Tagen die Anerkennung des MoWAA als '
Benin Royal Museum'. Das Haus sei ursprünglich unter seiner Autorität entstanden; die Umbenennung zu MoWAA untergrabe die rechtmäßige Rolle des Königreichs als Hüter seiner Kulturschätze." Und die Sache ist - die Forderung findet Widerhall: "In Nigeria ist das kulturelle Erbe untrennbar mit der Monarchie verbunden - der Palast des Oba gilt als spiritueller Hort der Kultur. Viele Einwohner unterstützen den Oba und argumentieren, dass zurückgegebene Artefakte
unter königlicher Aufsicht bewahrt werden müssen."
Damit ist die Verwirrung allerdings nicht geklärt. Das MoWAA
veröffentlicht auf seiner Website ein Statement, in dem es von sich weist, als "Königliches Museum" gelten zu wollen: "MOWAA hat sich nie als das Königliche Museum von Benin ausgegeben oder präsentiert, um sich Finanzmittel zu sichern." Der Museum versichert außerdem: "MOWAA erklärt seine höchste Wertschätzung für
Seine Königliche Majestät,
Omo N'Oba N'Edo,
Uku Akpolokpolo,
Oba Ewuare II (
CFR),
Oba von Benin, und bringt weiterhin tiefen Respekt für den Thron von Benin zum Ausdruck, wobei alle Anstrengungen unternommen werden, um Verständnis und guten Willen zu fördern." Ferner wird untertänigst klargestellt: "MOWAA besitzt keine Benin-Bronzen und hat auch
nie Anspruch darauf erhoben. Seit unserer Gründung im Jahr 2020 hat das Museum stets bekräftigt, dass es keine Ansprüche auf diese Artefakte hat."
Zwar hatte sich der Zentralstaat von Nigeria irgendwie mit dem Oba geeinigt,
erzählt zugleich Ijoma Mangold in
Zeit online, der Oba sei jetzt "symbolischer" Besitzer, dürfe die Bronzen aber zum Beispiel
nicht verkaufen, aber der Ärger scheint anzuhalten. "Vielleicht ist es außerdem auch ein
Stadt-Land-Konflikt, wo sich die lokale königstreue Bevölkerung gegen ein Projekt der internationalen Kunst-Community wehrt, die ihnen ein architektonisch glanzvolles Museum vor die Nase gesetzt hat, während das Museum des Obas wenig mehr als eine anrührend
liebevolle Bretterbude ist, die wahrlich den Sicherheitsstandards eines modernen Museums nicht gerecht wird. Zwischenzeitlich hatte der Oba tatsächlich auch
Ansprüche auf das MOWAA erhoben, das einer unabhängigen Stiftung gehört."
Hier außerdem eine besorgt klingende
Pressemitteilung des nigerianischen Kulturministeriums. "An die MOWAA-Gemeinschaft und die kulturellen Akteure
auf der ganzen Welt: Die Regierung hält unverändert an ihrer Verpflichtung fest, die Orte zu schützen, an denen unser kulturelles Erbe bewahrt und gewürdigt wird. Wir werden die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um diese Einrichtungen zu schützen und die Rechtsstaatlichkeit aufrechtzuerhalten."
======== "In diesem Jahr ist der
Berliner Kulturetat bei einem Gesamtvolumen von rund einer Milliarde Euro
um 133 Millionen Euro gesunken", konstatiert Peter Laudenbach in der
SZ. Im Jahre 2026 und 2027 sollen weitere 130 Millionen gespart werden. Die Kulturinstitutionen sparen jetzt erst mal an den Freien, lernt Laudenbach. Und viel protestiert wird auch nicht, wofür es gute Gründe gibt: "Zumindest die klügeren Köpfe im Kulturbetrieb wissen, dass es
nach hinten losgehen könnte, wenn sie ihre Subventionsprivilegien allzu forsch verteidigen. Dazu gehört zum Beispiel die Merkwürdigkeit, dass die
Gehälter der Intendantinnen und Intendanten anders als bei anderen Spitzenfunktionären im öffentlichen Dienst als
Staatsgeheimnis behandelt werden. Weshalb eigentlich? Wenn dann doch mal ein Salär bekannt wird, kann man staunen - zum Beispiel darüber, dass der sehr erfolgreiche Intendant des Revuetheaters Friedrichstadtpalast schon mal auf im Jahreseinkommen
von über 500 000 Euro kommt. Aber auch die Lektüre des Kulturetats fördert Erstaunliches zutage - zum Beispiel, dass das Kreuzberger Ballhaus Naunynstraße im vergangenen Jahr exakt 5578 Zuschauer hatte und dafür stolze 1,9 Millionen Euro Zuwendungen erhalten hat. Die
Subvention pro Eintrittskarte will man sich da lieber nicht so genau ausrechnen."