Viele wichtige
Berliner Institutionen sind jetzt schon oder demnächst
für viele Jahre geschlossen. Das gilt im Moment für das Pergamon-Museum, demnächst für die Philharmonie und die Scharounsche Staatsbibliothek, und ja, nun auch für das
Schloss Bellevue, aus dem Bundespräsident Steinmeier wegen anstehender Renovierungsarbeiten ausziehen muss, berichtet Peter Carstens in der
FAZ: "Frühestens zur
übernächsten Amtszeit in acht Jahren wird wieder ein Bundespräsident dort Besucher und Staatsgäste empfangen können, heißt es offiziell. Das historische Gebäude könnte also eine Art
Gorch Fock zu Lande werden: Allein die Vorsorgerückstellungen für erwartete Preissteigerungen belaufen sich auf insgesamt 71 Millionen Euro. Das habe man, so teilte das Präsidialamt mit, unter Zuhilfenahme eines '
Baukostensteigerungs-Tools' errechnet. Insgesamt kalkuliert das Präsidialamt mit Planungs- und Sanierungskosten von mehr als
600 Millionen Euro." Steinmeier wird in den letzten Momenten seiner langen Tätigkeit in einem Ersatzbau für 200 Millionen Euro empfangen.
Die Journalisten sind noch immer einigermaßen fassungslos über
Wolfram Weimers Entscheidung, drei
linke Buchhandlungen vom Buchhandlungspreis auzuschließen, wegen "verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse" (
unser Resümee). Ronen Steinke erzählt in der
SZ, was den Buchhandlungen denn eigentlich so vorgeworfen wird: "Die Vorwürfe, die das Bundesamt für Verfassungsschutz so auf Anfrage Weimers zusammengetragen hat, bleiben dann zwar streng unter Verschluss, aber nicht so streng, dass Journalisten nicht auf Nachfrage doch einiges erzählt bekämen: Einem der drei Läden werde eine Rolle im 'Kommunikationsnetzwerk der RAF' nachgesagt, heißt es etwa.
Vor dreißig Jahren, so muss man dazusagen; denn so lange ist die RAF schon aufgelöst... Ein anderer Vorwurf lautet, einer der Buchläden diene
Antifagruppen als Postanschrift, und schließlich: Einer habe auf seiner Fassade 'Deutschland verrecke' stehen."
Jörg Häntzschel sinniert auf der Meinungsseite der
SZ schon fast resümierend darüber, wie es überhaupt zu der für ihn
offensichtlichen Fehlbesetzung Wolfram Weimer kommen konnte: "Einer Erklärung zufolge war der selbst
nicht sehr kulturaffine Merz auf Weimer hereingefallen, weil der gern mit offensichtlich zusammengegoogelten Schiller- und Mann-Zitaten posiert; dem Amt maß Merz ohnehin keine große Bedeutung zu. Einer anderen zufolge hielt er es nach dem Antisemitismus-Skandal auf der Documenta von 2022 für nötig, in der Kultur durchzufegen. Der Politik-
und Kulturlaie Weimer erschien ihm als ideal."
Sebastian Guggolz, Chef des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, hat nach dem Vorfall mit Weimer telefoniert, wie er im
SZ-Interview erzählt. Sonderlich überzeugend fand er Weimers Rechtfertigungen aber nicht: "Die Konsequenz kann nur sein, dass der Kulturstaatsminister den Ausschluss dieser drei Buchhandlungen zurücknimmt und wieder alle 118 von der Jury vorgeschlagenen Buchhandlungen auszeichnet. Das sind Läden, die ein fester Bestandteil der
deutschen Buchhandelskultur sind, mit denen jeder Verlag zusammenarbeitet, die jeder Kollege kennt, die Kunden als Buchhandlungen wahrnehmen wie alle anderen auch. Es ist absurd, dass sie nun verfassungsgefährdend sein sollen." Das "
Haber-Verfahren wurde zur Bekämpfung extremistischer und terroristischer Organisationen entwickelt. Im Kulturbereich hat es nichts zu suchen."
Der Verfassungsrechtler
Christoph Möllers schaut sich auch in der
SZ die juristischen Grundlagen für Weimers Vorgehen an. Wenn die Buchhandlungen klagen wollten, hätten sie wahrscheinlich Erfolg, meint er: "Heute schreibt das Bundesverfassungsschutzgesetz vor, dass die Weitergabe von Informationen des Inlandsgeheimdienstes an andere Behörden in ausdrücklich aufgezählten Fällen und ansonsten nur bei Gefahren für bestimmte hochwertige Rechtsgüter zulässig ist. Die Prämierung von Kulturinstitutionen ist, wenig erstaunlich,
im Gesetz nicht vorgesehen - und man wüsste gern, welche Rechtsgüter gefährdenden Lektüren die Mitteilung des Verfassungsschutzes über die Buchhandlungen rechtfertigen."
Amanda Böhm
freut sich unterdessen in der
taz, dass sich der Bremer Buchladen "
Golden Shop", seit er auf Weimers schwarzer Liste auftauchte, einer herzlichen Solidarisierung erfreut.