9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.11.2025 - Kulturpolitik

Die Weimer Media Group des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer veranstaltet einen "Ludwig-Erhard-Gipfel" am Tegernssee und verkauft Wirtschaftsführern, die mit Politikern plaudern wollen, die Nähe dieser Politiker - was bis zu 80.000 Euro kostet. Herausgefunden hat das das etwas anrüchige Portal apollo-news.de, und die Qualitätsmedien sind nun gezwungen, diese Geschichte aufzugreifen. Michael Hanfeld hat für die FAZ mit Weimer gesprochen, der alles von sich weist und erklärt, dass er die Geschäftsführung seiner Firma an seine Frau abgegeben habe. Er sei Opfer einer Kampagne AfD-naher Medien. "Die Bayerische Staatsregierung überprüft derweil, ob der Ludwig-Erhard-Gipfel weiterhin mit öffentlichem Geld unterstützt werden soll", informiert Hanfeld weiter. In einem nebenstehenden Interview fordert Bayerns Kulturminister Markus Blume, dass sich Weimer mehr mit Kulturpolitik befasst, was er zum Beispiel mit höheren Subventionen für Bayreuth manifestieren könnte.

Jörg Häntzschel und Meike Schreiber erzählen in der SZ, wie die Weimer Media Group beim Tegernsee-Summit gesellschaftliche Relevanz herstellt: "Gegen einige Zehntausend Euro dürfen Vorstände und Firmengründer im nahe gelegenen Hotel 'Das Tegernsee' an der 'Executive Night' teilnehmen, wo 'Spitzenpolitiker und Top-Manager in informeller Atmosphäre die drängenden Fragen unserer Zeit' verhandeln, so die WMG. Doch die Gäste dürfen schon mehr erwarten als interessante Gespräche. Das geht aus dem Werbematerial hervor, das die WMG auf Anfrage verschickt und das der SZ vorliegt. Zu den 'Top Assets' für die Premium-Teilnehmer gehört auch 'Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger'."
Stichwörter: Weimer, Wolfram

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.11.2025 - Kulturpolitik

Am Sonntag hatte Laura Helena Wurth in der FAS noch erklärt, es gehe den Westen nichts an, was mit den als Raubgut zurückgegebenen Benin-Bronzen in Nigeria geschieht - auch wenn sie im Palast des Oba versteckt werden, statt öffentlich in dem extra dafür gebauten neuen Kunstmuseum ausgestellt zu werden (unser Resümee). Das sieht Nikolaus Bernau im Tagesspiegel heute ganz anders: Bei dem Konflikt "handelt es sich keineswegs nur um inner-nigerianische Debatten, sondern um die Bedeutung des säkularen, liberalen Staats versus religiös legitimierte Machtansprüche traditioneller Eliten, um den Zentralstaat versus Regionalmacht. Dabei geht es nicht nur um Objekte und die Frage der Bedeutung von Schönheit, sondern um jene 'westlichen' Werte wie Selbstkritik, für die auch viele Nigerianer kämpfen. Europa und seine Institutionen sollten sie angesichts der Kolonialgeschichte nicht allein lassen mit dem Affront der Oba-Anhänger. Bisher aber schweigt man in deutschen Museen und dem Humboldtforum, wohl aus Angst, der 'Einmischung' geziehen zu werden."

Die Hamburger werden nicht wie angekündigt höchstens 147,5 Millionen Euro, sondern mindestens 700 Millionen in die geplante neue Oper des Unternehmers Klaus-Michael Kühne stecken müssen, warnte schon am Samstag in der FAZ Matthias Alexander. Dafür wird der Hamburger Senat auf seinen Anteil am Sondervermögen zurückgreifen müssen, ist er überzeugt: "In den nächsten zehn Jahren fließen aus dem 500-Milliarden-Topf immerhin 2,66 Milliarden Euro direkt nach Hamburg. Ein erklecklicher Teil dieser Summe ist übrigens schon verplant. Mitte Oktober hat die Stadt angekündigt, 595 Millionen Euro zu zahlen, um annähernd die Hälfte des Elbtowers zu übernehmen", der wegen der Pleite von René Benko nur halb fertig wurde. Zu den Gläubigern gehört - Überraschung! - Milliardär Kühne. "Wird der Turm gerettet, profitieren auch die Gläubiger, zumindest ein wenig. Kühne, ganz offenkundig aus der Ferne regierender King of Kotelett in Hamburg, hatte mehrfach in der ihm eigenen fordernden Tonart den Einstieg der Stadt angemahnt. Tschentscher hatte das zunächst im Ton heiliger Entrüstung zurückgewiesen, nur um ein paar Monate später sein mehrfach bekräftigtes Versprechen zu brechen, wonach kein öffentliches Geld in die Ruine fließen werde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.11.2025 - Kulturpolitik

In der FAS resümiert Laura Helena Wurth die Entwicklungen rund um die Eröffnungsfeier des unter anderem von Deutschland mitfinanzierten Museum of West African Art, in dem die zurückgegebenen Benin-Bronzen gezeigt werden sollten (unser Resümee), was dann nicht passierte, weil der Oba von Benin Anspruch auf die Objekte anmeldete. Wurth findet, der Westen sollte sich in seiner Empörung etwas zurücknehmen: "Nun ist das Museum erst mal bis auf Weiteres geschlossen. Der Oba reklamiert das Museum für sich, um es als Benin Royal Museum zu nutzen. Gleichzeitig laufen Verhandlungen zwischen Phillip Ihenachu und der Regierung, es wird mit allen Beteiligten gesprochen, der Dialog als einziges Mittel zur Klärung beschworen. Der Ausgang ist unklar. Vielleicht verschwinden die Bronzen im Besitz des Oba und werden der Öffentlichkeit erst mal nicht zugänglich gemacht. Das wäre schade, ginge den Westen aber nichts mehr an. Nur weil man jahrhundertelang auf Diebesgut saß, gibt einem das kein Recht, danach weiterhin darüber verfügen zu wollen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.11.2025 - Kulturpolitik

Mit dem überarbeiteten Gedenkstättenkonzept von Claudia Roth, das die deutschen Kolonialverbrechen einschloss, hätte der Historiker Jörg Ganzenmüller leben können. Dass Kulturstaatsminister Wolfram Weimer diese jetzt in seinem Konzept weggelassen hat, ist jedoch nicht unbedingt ein Rückschritt, denkt er im Tagesspiegel. Denn "eine breite fachliche und gesellschaftliche Debatte über den jeweiligen Ort von Nationalsozialismus, SED-Diktatur und Kolonialismus in der deutschen Geschichte, ihre jeweiligen historischen Kontexte sowie die zweifellos vorhandenen Bezüge dieser Verbrechenskomplexe" steht seiner Ansicht nach noch aus. Dazu gehöre aber auch, dass die Akteure, die sich für eine Sichtbarmachug der Kolonialverbrechen einsetzen, staatliche Unterstützung bekommen. "Entscheidend ist hier, dass nach einer Verabschiedung der Gedenkstättenkonzeption das Thema nicht unter den Tisch fällt. Hieran wird man Wolfram Weimer messen müssen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.11.2025 - Kulturpolitik

In der SZ schreibt Jörg Häntzschel von einer "scharfen erinnerungspolitischen Kehrtwende", die das Bundeskabinett in Bezug auf das neue Gedenkstättenkonzept verabschiedet hat: "Der Kolonialismus wird darin nicht erwähnt." Wollte die ehemalige Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) noch den Kolonialismus einbeziehen, habe sich Wolfram Weimer (parteilos) nun dagegen entschieden. "Weimer hat das in den vergangenen Wochen damit gerechtfertigt, dass es bislang keine Kolonial-Gedenkstätten gebe. Außerdem hätten die Verbrechen des Kolonialismus nicht auf deutschem Boden stattgefunden und ihre Opfer seien nicht Deutsche gewesen. Ohnehin sei das Konzept nicht als erinnerungspolitisches Grundsatzpapier zu verstehen, sondern lediglich als Handlungsanweisung für die bestehenden Gedenkstätten."

"Im Kern bleibt alles beim Alten", meint Andreas Kilb, der das Gedenkstättenkonzept in der FAZ unter die Lupe nimmt: Das Gedenken an den Holocaust steht an erster, dasjenige an die Verbrechen der DDR an zweiter Stelle, die Unvergleichbarkeit beider ist staatlich garantiert. Zu den Holocaust-Gedenkstätten treten jene, die an die Verfolgung der Sinti und Roma, der Homosexuellen und der Zwangsarbeiter erinnern, zu den DDR-Gedenkorten diejenigen an die sowjetische Besatzungsherrschaft. Vervollständigt werden soll die Erinnerungslandschaft durch das seit Langem geplante Dokumentationszentrum zur deutschen Besatzungsherrschaft in Europa und durch das Polnische Haus, das unter Claudia Roth auf die Agenda kam." Kilb hätte allerdings von Weimer außer einem Plan auch gern Konzepte für die Finanzierung gesehen.

Der Multimilliardär Michael Milken hat in Washington ein Museum bauen lassen, das mit vielen bunten und leuchtenden Installationen über den amerikanischen Traum "vom Tellerwäscher zum Millionär" und über Amerika als Einwanderungsland aufklären soll, schreibt Susanna Petrin in der NZZ. "Was das Traummuseum fast komplett ausblendet, ist die gegenwärtige Realität. Der Abstand zwischen Arm und Reich wächst in den USA seit Jahrzehnten. (...) Während im Museum Migrantinnen und Migranten als wichtiger Teil des Erfolgsmodells USA gefeiert werden, trauen sie sich auf den Straßen Washingtons kaum mehr, ihre Muttersprachen zu sprechen oder sonst wie aufzufallen, weil ICE-Einwanderungskontrolleure auf der Jagd nach illegal Eingewanderten sind."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.11.2025 - Kulturpolitik

Hm, hatte Jörg Häntzschel nicht gestern in der SZ geschrieben, dass das Museum of West African Art (MoWAA) in Benin City in Nigeria heute eröffnet werden soll (unser Resümee)? Hier sollten unter anderem die Benin-Bronzen ausgestellt werden, die nach dem brutalen Raub durch britische Kolonialtruppen nach Berlin geraten waren. Häntzschel berichtete, dass das dann nicht so lief, weil der Nachfahre des Köngs von Benin, der Oba von Benin, Ewuare II., die Skulpturen zu könglichem Eigentum erklärte und und seine Absicht kundtat, selbst ein Museum bauen zu wollen - die Dynastie des Oba hatte die kostbaren Artefakte aus Einnahmen fertigen lassen, die aus dem Sklavenhandel stammten. Seitdem versteht sich das MoWAA nur noch als ein Ort der Kommunikation afrikanischer Kultur.

In der taz stellen sich die Dinge heute noch etwas anders dar. Hilka Dirks berichtet - offenbar von vor Ort -, dass das Museum bereits am Samstag eröffnet worden sei, zumindest für geladene Gäste und viele Diplomaten, und es dabei zu Tumulten kam. "Als die Direktorin des MoWAA-Instituts, Ore Disu, gerade ihre Eröffnungsrede halten wollte, wurde die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen abgebrochen. Protestierende waren auf das Gelände eingedrungen. Eine kleine Gruppe aggressiv auftretender Männer demolierte den Außenbereich... Laut Museum handelte es sich bei den Protestierenden um Anhänger des Oba von Benin, Ewuare II. Der betrachte das MoWAA als Affront gegen die königliche Familie." Es gibt weiter Streit um das Museum, der von Ewuare II. ausgeht, so Dirks: "Nun forderte der Oba vor wenigen Tagen die Anerkennung des MoWAA als 'Benin Royal Museum'. Das Haus sei ursprünglich unter seiner Autorität entstanden; die Umbenennung zu MoWAA untergrabe die rechtmäßige Rolle des Königreichs als Hüter seiner Kulturschätze." Und die Sache ist - die Forderung findet Widerhall: "In Nigeria ist das kulturelle Erbe untrennbar mit der Monarchie verbunden - der Palast des Oba gilt als spiritueller Hort der Kultur. Viele Einwohner unterstützen den Oba und argumentieren, dass zurückgegebene Artefakte unter königlicher Aufsicht bewahrt werden müssen."

Damit ist die Verwirrung allerdings nicht geklärt. Das MoWAA veröffentlicht auf seiner Website ein Statement, in dem es von sich weist, als "Königliches Museum" gelten zu wollen: "MOWAA hat sich nie als das Königliche Museum von Benin ausgegeben oder präsentiert, um sich Finanzmittel zu sichern." Der Museum versichert außerdem: "MOWAA erklärt seine höchste Wertschätzung für Seine Königliche Majestät, Omo N'Oba N'Edo, Uku Akpolokpolo, Oba Ewuare II (CFR), Oba von Benin, und bringt weiterhin tiefen Respekt für den Thron von Benin zum Ausdruck, wobei alle Anstrengungen unternommen werden, um Verständnis und guten Willen zu fördern." Ferner wird untertänigst klargestellt: "MOWAA besitzt keine Benin-Bronzen und hat auch nie Anspruch darauf erhoben. Seit unserer Gründung im Jahr 2020 hat das Museum stets bekräftigt, dass es keine Ansprüche auf diese Artefakte hat."

Zwar hatte sich der Zentralstaat von Nigeria irgendwie mit dem Oba geeinigt, erzählt zugleich Ijoma Mangold in Zeit online, der Oba sei jetzt "symbolischer" Besitzer, dürfe die Bronzen aber zum Beispiel nicht verkaufen, aber der Ärger scheint anzuhalten. "Vielleicht ist es außerdem auch ein Stadt-Land-Konflikt, wo sich die lokale königstreue Bevölkerung gegen ein Projekt der internationalen Kunst-Community wehrt, die ihnen ein architektonisch glanzvolles Museum vor die Nase gesetzt hat, während das Museum des Obas wenig mehr als eine anrührend liebevolle Bretterbude ist, die wahrlich den Sicherheitsstandards eines modernen Museums nicht gerecht wird. Zwischenzeitlich hatte der Oba tatsächlich auch Ansprüche auf das MOWAA erhoben, das einer unabhängigen Stiftung gehört."

Hier außerdem eine besorgt klingende Pressemitteilung des nigerianischen Kulturministeriums. "An die MOWAA-Gemeinschaft und die kulturellen Akteure auf der ganzen Welt: Die Regierung hält unverändert an ihrer Verpflichtung fest, die Orte zu schützen, an denen unser kulturelles Erbe bewahrt und gewürdigt wird. Wir werden die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um diese Einrichtungen zu schützen und die Rechtsstaatlichkeit aufrechtzuerhalten."

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"In diesem Jahr ist der Berliner Kulturetat bei einem Gesamtvolumen von rund einer Milliarde Euro um 133 Millionen Euro gesunken", konstatiert Peter Laudenbach in der SZ. Im Jahre 2026 und 2027 sollen weitere 130 Millionen gespart werden. Die Kulturinstitutionen sparen jetzt erst mal an den Freien, lernt Laudenbach. Und viel protestiert wird auch nicht, wofür es gute Gründe gibt: "Zumindest die klügeren Köpfe im Kulturbetrieb wissen, dass es nach hinten losgehen könnte, wenn sie ihre Subventionsprivilegien allzu forsch verteidigen. Dazu gehört zum Beispiel die Merkwürdigkeit, dass die Gehälter der Intendantinnen und Intendanten anders als bei anderen Spitzenfunktionären im öffentlichen Dienst als Staatsgeheimnis behandelt werden. Weshalb eigentlich? Wenn dann doch mal ein Salär bekannt wird, kann man staunen - zum Beispiel darüber, dass der sehr erfolgreiche Intendant des Revuetheaters Friedrichstadtpalast schon mal auf im Jahreseinkommen von über 500 000 Euro kommt. Aber auch die Lektüre des Kulturetats fördert Erstaunliches zutage - zum Beispiel, dass das Kreuzberger Ballhaus Naunynstraße im vergangenen Jahr exakt 5578 Zuschauer hatte und dafür stolze 1,9 Millionen Euro Zuwendungen erhalten hat. Die Subvention pro Eintrittskarte will man sich da lieber nicht so genau ausrechnen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.11.2025 - Kulturpolitik

Morgen wird der mit 4,9 Millionen Euro aus Deutschland gebaute erste Teil des Museums of West African Art in Benin City in Nigeria eröffnet - doch die Benin-Bronzen, für die das Museum ursprünglich gebaut werden sollte, fehlen. Die reklamiert der Nachfahre des einstigen Königs für sich, "und er hat mit dem 2024 auch dank seiner Unterstützung ins Amt gekommenen Gouverneur einen wichtigen politischen Alliierten", erklärt in der SZ Jörg Häntzschel. Dennoch findet er, dass die Kritiker einer schnellen Rückgabe auf keinen Fall Recht hatten: "Auch ohne Bronzen hat das neue Museum in Benin City schon einiges ausgelöst. ... Die Debatten um das Eigentum des kulturellen Erbes würden sonst nicht geführt. Genau wie die um den Sinn und Zweck des Museums. Dass nicht alles daran angenehm oder einfach ist, kennen wir von unseren eigenen Diskussionen."
Stichwörter: Benin-Bronzen, Nigeria, Raubkunst

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.11.2025 - Kulturpolitik

Bei der Förderung von Projekten gegen Antisemitismus nach dem 7. Oktober durch die Berliner Kulturverwaltung soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Herausgefunden haben das die Berliner Grünen, deren Vorsitzende Bettina Jarasch laut Erik Peter in der taz von einem "beispiellosen System zwischen der Leitung der Kulturverwaltung und der CDU-Fraktion" spricht, "bei dem öffentliche Mittel verschoben und unter rein parteipolitischen Gesichtspunkten verausgabt werden". Zu den so geförderten Projekten gehört offenbar auch die zur Zeit in Berlin laufende Ausstellung über das Nova-Festival in Israel, auf dem Hamas-Terroristen am 7. Oktober mehr als 360 Menschen ermordet hatten. Zuerst berichtete Robert Kiesel gestern im Tagesspiegel, wo es auch eine Liste mit den geförderten Projekten gibt. 

In den Niederlanden häufen sich Absagen zu Veranstaltungen mit israelischen Gästen. Über die Ausladung Eva Illouz' durch die Uni Rotterdam wurde in den letzten Tagen berichtet (unsere Resümees). Nun sagt das Amsterdamer Concertgebouw ein Chanukka-Konzert am 14. Dezember ab, berichtet Michael Thaidigsmann in der Jüdischen Allgemeinen. "'Schweren Herzens' müsse man das Konzert absagen, erklärte die Leitung der Musikhalle in einem am Sonntag auf der Concertgebouw-Webseite veröffentlichten Statement. Der geplante Auftritt von Kantor Shai Abramson stehe 'im Widerspruch zur Mission des Concertgebouw, Menschen mit Musik zu verbinden'. Abramson ist seit 2008 auch Chefkantor der israelischen Streitkräfte und bekleidet den Rang eines Oberstleutnants."

Anders reagierte die Philhamornie de Paris auf das Ansinnen der Gewerkschaft CGT, ein Konzert der Israel Philharmonics zumindest in irgendeiner Weise zu "kontextualisieren". In einem Statement (hier nachzulesen) schreibt die Philharmonie de Paris: "Die Philharmonie hat sowohl israelische als auch palästinensische Künstler empfangen und wird dies auch weiterhin tun. Wir verlangen von den eingeladenen Künstlern und Ensembles niemals, zu aktuellen Konflikten oder sensiblen politischen Themen Stellung zu beziehen, da dies für sie in ihrem Herkunftsland mitunter erhebliche Konsequenzen haben könnte. Künstler können nicht allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit für die Handlungen ihrer Regierungen verantwortlich gemacht werden. Dies würde den von uns vertretenen Grundsätzen der Gewissens- und Meinungsfreiheit widersprechen."
Stichwörter: Israelboykott

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.10.2025 - Kulturpolitik

Claudia Roths "kunterbunt-chaotischen Kulturspielplatz" hat der neue Kulturminister Wolfram Weimer kurzerhand "schwarz lackiert", konstatiert Axel Brüggemann bei backstageclassical. Für die Kunst bleibt da wenig Freiraum: "Tatsächlich ist das vielleicht, was von den ersten Amtsmonaten von Wolfram Weimer bislang übrig geblieben ist. Er ist kein Politiker, der für den Dialog antritt, er ist keiner, der Kultur als schöpferischen Freiraum begreift. Und er denkt gar nicht daran, den Fehler rückgängig zu machen, den Claudia Roth begangen hat: die Kultur zu politisieren. Im Gegenteil, Kultur ist für den neuen Staatsminister am Ende ein rhethorisches Kampffeld. Kultur ist bei Wolfram Weimer ein Ort des konservativen Purismus in Zeiten, in denen die CDU Realpolitik aus Koalitions-Kompromissen machen muss. "

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.10.2025 - Kulturpolitik

Die Stadt Hamburg will sich von ihrem in Zürich Steuern zahlenden Milliardär Michael Kühne ein Opernhaus "schenken" lassen. Aber es gibt viel Widerstand, berichtet Peter Richter in der SZ. Und der liegt nicht nur an Kühne, sondern es treten grundsätzliche Zweifel gegenüber der Kunstform Oper zutage, gegen die sich der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda im Gespräch mit Richter verwahrt: "Die nun einmal besonders komplexe Kunstform Oper stehe vor der Frage, wie sie ihre Relevanz einem breiten Publikum deutlich machen kann. Damit das 'Ganzkörpererlebnis Oper' die Leute überzeugen kann, müssten sie halt erst einmal hin. 'Das Problem ist immer dieses Vorher. Das Gefühl: Ich soll da ja nicht hin. Diese Schwellenangst, die wollen und die können wir einreißen.' Dass das möglich sei, habe die Elbphilharmonie ja bewiesen: 'Wir haben eine Verdreifachung der Ticketverkäufe für klassische Konzerte erreicht, weil die Leute das Gebäude sehen wollen und dann feststellen, wie großartig das Konzerterlebnis ist.'"