9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.10.2025 - Kulturpolitik

In einem Artikel, der selber ein bisschen nach Verschwörungstheorien duftet, schildert taz-Autor Jannik Grimmbacher eine Kampagne des AfD-nahen Bloggers Alexander Wallasch gegen Kulturminister Wolfram Weimer, die für Grimmbacher eigentlich schwer zu erklären ist, da er Weimer als jemanden beschreibt, der "anknüpfungsfähig rechts der CDU" sein soll. Weimer wird vorgeworfen, dass er in seiner "Weimer Media Group" Reden von Politikern und Prominenten nachdruckte und wie Originalbeiträge aussehen ließ - dagegen hat AfD-Politikerin Alice Weidel geklagt. Grimmbacher vermutet, dass die rechte Szene jetzt Stimmung gegen Weimer macht, weil dieser in einer Rede bei der Buchmesse den KI-Konzernen Ideendiebstahl vorwarf und dafür vom Trump-Vertrauten Richard Grenell angegriffen wurde: "Er bezeichnete Weimers Rede auf 'X' als 'massive Attacke auf die gesamte US-Digitalindustrie, mit dem Ziel, sie in Europa zu zerschlagen'. Gut möglich also, dass die rechte Szene die Zügel nun wieder etwas straffen wollte. Blogger Wallasch stellte seine Veröffentlichung auch direkt in den Kontext der Rede und drehte Weimers Vorwurf um: Dieser sei selbst ein 'Vampir im Kulturminister-Gewand', da er sich die Reden Prominenter ohne Einverständnis ins Blatt hole." Auch der Cicero, einst von Weimer mitbegründet, berichtete in suggestivem Tonfall über die Affäre: "Kann ein möglicher Straftäter Mitglied der Bundesregierung sein?" Mehr auch im Spiegel.

Hier der Rede-Ausschnitt von Weimer:



FAZ-Redakteur Michael Hanfeld verteidigt Weimer: "Weimer hatte sich zuletzt die AfD offensiv vorgenommen und prophezeit, sie werde 2029 bei neun Prozent liegen. Nun schlägt die Rechts-außen-Partei zurück und legt ihm wegen der vermeintlichen Affäre den Rücktritt nahe." Laut The European, das unter anderem über hundert Reden von Alice Weidel publiziert haben soll, haben Politiker keine Urheberrechte an ihren Reden, berichtet Hanfeld, der sich diese Theorie aber nicht ganz zu eigen machen will. Wallasch kontert den Hanfeld-Artikel mit der Information, dass die FAZ Medienpartner des von der Weimer Media Group morgen veranstalteten "Frankfurt Finance & Future Summit" ist - eine Eigenschaft, die die FAZ allerdings mit zahllosen anderen Medien zu teilen scheint. Weimer hat seine Kritik an den KI-Plattformen laut einer Pressemitteilung seines Amtes bei einem "Spitzentreffen zur Zukunft der Kultur- und Kreativwirtschaft" bekräftigt.
Stichwörter: Weimer, Wolfram

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.10.2025 - Kulturpolitik

In der FR freut sich Michael Hesse, dass ein großer Teil der durch den Brand 2004 beschädigten Bücher der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar restauriert werden konnte. "In der Brandnacht begann ein logistisches und konservatorisches Wunder. Über 40 Tonnen Bergungsgut wurden erstversorgt, verpackt, nach Leipzig gebracht, gereinigt und bei −20 Grad eingefroren, um sie gefriertrocknen zu können, erinnert sich Reinhard Laube, Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, im Gespräch mit der FR. Die Rettung war bürgerschaftliche Tat ebenso wie staatliche Aufgabe: Spenden, Hilfskommandos, öffentliche Mittel - ein beispielloser Wiederaufbau. Aus der Katastrophe erwuchs eine systematische Arbeit. Die Aschebücher sind keine wiederhergestellten Schönheiten. Sie tragen ihre Narben offen - Brandflecken, zerplatzte Buchrücken, geschwärzte Seiten. Sie sind Mahnmale einer Verletzung, die sichtbar bleiben soll."
Stichwörter: Anna Amalia Bibliothek

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.09.2025 - Kulturpolitik

In Hannover sollte unter dem Titel "collecting:dreams" ein "queeres postmigrantisches Festival" stattfinden, dessen städtische Förderung von 10.000 Euro wegen angeblich antiisraelischer Stimmen (mehr hier) gestrichen wurde, berichtet Nadine Conti in der taz. Verzichten müssen die Hannoveraner nun auf Veranstaltungen wie "Judged by the Cover - Religiöse Bekleidung, Diversität und Realitäten vs. dominante Diskurse in Medien, Journalismus und Gegenwartsliteratur".
Stichwörter: Gegenwartsliteratur

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.09.2025 - Kulturpolitik

In der taz unterhält sich Andreas Fanizadeh mit Gesche Joost, Präsidentin des Goethe-Instituts, und Generalsekretär Johannes Ebert über die großen Linien der auswäritgen Kulturarbeit. Unter anderem erfährt man, dass das Institut in Russland noch tätig ist. Ebert sagt: "Wir sind in Moskau und Sankt Petersburg, eine Mitarbeiterin arbeitet weiterhin in Nowosibirsk. Ich habe gesagt, wir gehen erst, wenn man uns rauswirft. Wir können im Moment in Moskau und Sankt Petersburg die Bibliotheken offenhalten und haben Publikumsverkehr. Es gibt Sprachunterricht durch Partnerorganisationen und Workshops mit Kulturschaffenden... Aber wir machen uns keine Illusionen, wir sind natürlich unter genauer Beobachtung. Aktuell können wir dazu beitragen, dass der neue Eiserne Vorhang vielleicht zehn Zentimeter über dem Boden bleibt. Nicht viel, aber ich glaube, es ist sehr wichtig."
Stichwörter: Goethe Institut

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.09.2025 - Kulturpolitik

FAZ-Redakteur Andreas Kilb stellt dem neuen Bundeskulturminister Wolfram Weimer (der natürlich eigentlich nur ein Staatssekretär ist) bisher nicht die beste Note aus. Er wirke "wie ein Sportkommentator, der noch nicht gemerkt hat, dass er jetzt selbst auf dem Spielfeld steht". Als Quereinsteiger sei er total von seinem Duzfreund Friedrich Merz abhängig. In manchem übernimmt er einfach Clauda Roths Entwürfe, etwa bei dem Gedenkstättenkonzept. Ein paar charakteristische Abweichungen gibt es aber immerhin: "Deutsche Kolonialverbrechen kommen in dem neuen Entwurf nicht mehr vor, stattdessen wird bürgerschaftliches Engagement bei der Entstehung von Gedenkstätten betont und belohnt. Und die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung ist wie befürchtet aus dem Ressort des Kulturstaatsministers herausgefallen, nur bleibt ihr neuer Dienstherr, das Bundesinnenministerium, in dem die Vertriebenenverbände über eine tonangebende Lobby verfügen, in Weimers Text bezeichnenderweise unerwähnt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.09.2025 - Kulturpolitik

Seit Aserbaidschan die Kontrolle über Bergkarabach übernommen hat, ist das kulturelle Erbe des armenischen Karabachs zu einem "Phantom" geworden, schreibt der Kulturwissenschaftler Mikhail Ilchenko auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ. Das Problem ist: "Das Völkerrecht verfügt über keine wirksamen Instrumente zum Schutz des kulturellen Erbes nicht anerkannter Staaten. Bergkarabach wurde von der Weltgemeinschaft stets als Teils Aserbaidschans betrachtet, weshalb das karabachische Erbe rechtlich als Eigentum Aserbaidschans gilt. Normen, auf die man sich zum Schutz des dortigen armenischen Erbes berufen könnte, existieren faktisch nicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.09.2025 - Kulturpolitik

In der FR erinnert Thoralf Cleven daran, dass der Unternehmer Klaus-Michael Kühne, der Hamburg ein Opernhaus in der Hafencity schenken will, 1975 als Steuerflüchtling in die Schweiz gezogen war. Und dass die Firma nicht nur von "exklusiven Aufträgen" der Nazis profitiert hatte, sondern auch den jüdischen Miteigentümer Adolf Maass 1933 aus der Firma gedrängt hatte. Maass "wurde 1942 nach Theresienstadt und 1944 ins KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet". Auf die Schenkung verzichten will der Grünen-Kulturpolitiker René Gögge deshalb nicht, sagt er zu Cleven: "'Es ist für eine Gesellschaft wichtig, dass Unternehmen wie das von Kühne in gesellschaftsdienliche Zwecke investieren.' Von der Debatte über das brisante Kapitel Vergangenheits-Aufarbeitung könne sich Mäzen Kühne aber nicht freikaufen, sagt Gögge. Dies sei auch Vertragsbestandteil zwischen Stadt und Unternehmen sowie Stiftung."
Stichwörter: Kühne, Klaus-Michael

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.09.2025 - Kulturpolitik

Lars-Olav Beier und Ulrike Knöfel liefern im Spiegel ein ausführliches Porträt des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer. So richtig zu greifen kriegen sie ihn nicht. Sie schildern ihn als Konservativen. Die Tatsache, dass er Linke so gefährlich findet wie Rechte, finden sie selbst gefährlich. Aber Weimer führt auch andere Kämpfe, etwa gegen die Digitalkonzerne, die er gern mit Abgaben belegen würde. Am Tag, als er die Journalisten empfing, sei er konsterniert gewesen: "Trump hatte jenen europäischen Ländern mit 'erheblichen zusätzlichen Zöllen' gedroht, die es wagen, Digitalgiganten wie Google oder Amazon Abgaben aufzuerlegen. Genau das aber hatte Weimer vor, und nun sieht es noch schlechter aus für seinen 'Plattform-Soli' - der eben ein solcher Abzug sein soll für Onlineplattformen, die Medieninhalte nutzen. Aufgeworfen war die Abgabe schon im Koalitionsvertrag, aber er hat den Vorschlag groß herausgebracht. Für den hatte er ausnahmsweise viel Zustimmung erhalten, sogar von den Grünen, aber wirklich gut standen die Chancen nie."
Stichwörter: Weimer, Wolfram

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.09.2025 - Kulturpolitik

In der NZZ ist Paul Jandl entsetzt: Der Zettelkatalog der Berliner Staatsbibliothek soll vernichtet werden - die Stadt vergesse "auf dem Weg in die Zukunft ihre Vergangenheit." "Diese ist auch in die scheinbar unscheinbaren Karteikarten des enormen Wissensspeichers namens Staatsbibliothek eingeschrieben und ist alles andere als ein Fall für die Müllentsorgung. Die heutige Berliner Bibliothek repräsentiert mit ihren Büchersammlungen einen Schnittpunkt zwischen der östlichen und der westlichen Hemisphäre, zwischen dem deutschen Westen und der DDR. Was in den durch die Systeme und die Mauer getrennten Nachbarländern an Büchern erworben und katalogisiert worden war, hat nach der Wende zusammengefunden. Die Spuren der Geschichte davor finden sich auf den Karteikarten. Es gibt darauf Notizen, Anhaltspunkte für die DDR-Zensur und die Herkunft mancher Bücher. Für die Provenienzforschung sind die originalen physischen Belege von grosser Bedeutung."
Stichwörter: Staatsbibliothek Berlin

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.08.2025 - Kulturpolitik

Kürzlich verkündete Wolfram Weimer die Abschaffung des Kulturpasses für deutsche Jugendliche (unser Resümee), weil das Budget dafür fehlt. In Frankreich gibt es ähnliche Probleme, berichtet Mark Zitzmann in der FAZ: "Endlich ist der Pass ein Fass mit leckgeschlagenem Boden. 2023 und 2024 lagen die Ausgaben um rund 15 Prozent über Budget, das sind jeweils 30 Millionen Euro. Angesichts der Kosten - 260 Millionen Euro im vergangenen Jahr - stellt sich die Frage, ob das viele Geld nicht gewinnbringender in die schulische Kunsterziehung investiert wäre. Diese ist schreiend unterdotiert: Sie verfügt über gerade einmal vier Zehntel der genannten Summe. Doch bis zur von vielen geforderten Abschaffung des (individuellen) "Pass culture" mag es noch dauern."