9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.11.2020 - Kulturpolitik

Kulturministerin Monika Grütters bergründet in der FAZ, warum sie sich mehr Gedenkorte wünscht, die an die Geschichte deutscher Demokratiebewegungen erinnern. Besonders die Paulskirche will sie aus ihrem Schattendasein erlösen. Um sie und andere Orte "ins Licht der öffentlichen Wahrnehmung zu rücken, braucht es übergreifend - auch zur Unterstützung des vielfach anzutreffenden großartigen zivilgesellschaftlichen Engagements - eine zukunftsfähige Struktur. Dafür werde ich zum einen in Kürze den Entwurf einer Förderkonzeption vorlegen."

Außerdem: In einem ebenfalls in der FAZ abgedruckten Vortrag macht sich der Historiker und Philosoph Krzysztof Pomian Gedanken über die Zukunft dr Museen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.11.2020 - Kulturpolitik

Komisch dass man aus Berlin noch nichts Entsprechendes gehört hat, aber in der Stadt München kommt die Krise in Gestalt von gravierenden Haushaltskürzungen auf die Politiker (und dann die Bürger) zu: 6,5 Prozent sollen alle Ressorts in München, also auch die Kultur sparen, und das womöglich über mehrere Jahre, berichtet Alex Rühkle in der SZ und gibt zu bedenken, "dass der Großteil des Budgets gebunden ist für den Apparat. Sparen kann man nur an der eigentlichen Kunstproduktion: weniger Premieren und Vorstellungen, schlechtere Gagen, kürzere Probenzeiten, kleineres Ensemble, kleinere Bühnenbildetats, weniger Vermittlungsarbeit, weniger preisreduzierte Karten, stärkere Kommerzorientierung, um höhere Kartenerlöse zu erzielen."
Stichwörter: Coronakrise

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.11.2020 - Kulturpolitik

Kulturstaatsministerin Monika Grütters verteidigt im Gespräch mit Andreas Kilb von der FAZ die Corona-Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung für die Kulturbranche: "Ich habe ein Haus mit vierhundert Mitarbeitern, die seit Wochen auf ihren Urlaub verzichtet und wie im Akkord geschuftet haben. Sie haben mit den jeweiligen Dachverbänden der Kultursparten beraten, wie dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem Bühnenverein, der Initiative Musik, mit den Bundeskulturfonds und vielen mehr. Wir wollten wissen: Wie läuft es in eurer Szene? Wo hakt es? Wie muss ein Hilfsprogramm aussehen? Wer soll antragsberechtigt sein? Wie sind die Kriterien? Wie hoch darf und muss eine Eigenbeteiligung sein? Danach haben wir die Programme, die wir mit diesen Dachverbänden vereinbart hatten, mit dem Rechnungshof und den Ländern abgestimmt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.11.2020 - Kulturpolitik

Der Lienzo Seler. Foto: Ethnologisches Museum SPK SMB


Jörg Häntzschel erkundet für die SZ den Zustand des Humboldt Forums und sieht nichts als Pleiten, Pech und Pannen. Klimaanlage, Lüftung und Heizung funktionieren nicht, wie sie sollen, die Kälteanlage hat Lecks, die Rauchmelder über den Vitrinen sind kaum erreichbar, die Räume zu niedrig und die Durchgänge zu eng: "Die größten Exponate wie die Südseeboote und die berühmte 'Höhle der ringtragenden Tauben' wurden schon 2018 ins Schloss gebracht - durch Öffnungen in den Außenwänden, die anschließend zugemauert wurden. Sie können das Schloss nie mehr verlassen. Nur ging nicht alles, was groß ist, damals auch mit." Dazu gehört das 16 Quadratmeter große "Lienzo Seler", erfahren wir, ein piktografisches Dokument auf Baumwolle, gefertigt im 16. Jahrhundert in Mexiko. "Weil sich die Stiftung mit den Ausstellungsdesignern zerstritt, wurde der Auftrag für die Vitrine erst jetzt ausgeschrieben. Sie soll vier mal fünf Meter groß sein, aber muss durch Durchgänge passen, die nur 2,20 mal 2,40 Meter groß sind. Der Zugang zu Deutschlands Weltmuseum ist wenig größer als das Tor einer Reihenhausgarage."

Außerdem: Verena Lueken hofft in der FAZ, dass die Kulturwelt bei Joe Biden und Kamala Harris wieder aurf offenere Ohren stößt als noch unter ihren Amtsvorgängern.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.11.2020 - Kulturpolitik

Im Tagesspiegel skizziert Frederik Hanssen die Zwei-Klassen-Gesellschaft in Deutschland, die sich in Festangestellte und Freie aufteilt, am Beispiel von Musikern im Klassikbereich und stellt fest: "Mit wenig Fördergeld ließe sich im Bereich der Freien viel bewegen - doch die Sache hat einen Haken: Damit würde offiziell anerkannt, dass es ein Zwei-Klassen-System in der Klassik gibt. Auf der einen Seite die durchsubventionierten Staatsbetriebe, auf der anderen die auf eigenes Risiko wirtschaftenden Orchester. Erstere kosten viel Geld, weil die Mitglieder ordentlich nach Tarifvertrag bezahlt werden. Letztere sind für einen Bruchteil der Kosten zu haben, basieren aber auf dem Prinzip der Selbstausbeutung. Die Politik muss sich mit der Frage beschäftigen, ob die wünschenswerte, verbesserte Absicherung der freiberuflichen Klassik-Profis durch Kürzungen bei den festangestellten Musikerinnen und Musiker querfinanziert werden soll. Denn mehr Geld in den Kulturetats des Bundes, der Städte und Gemeinden wird es in den kommenden Jahren kaum geben."

Andrian Kreye unterhält sich für die SZ mit Elizabeth Alexander, Leiterin der Andrew W. Mellon Foundation, der größten Kulturstiftung der USA, über amerikanische Erinnerungspolitik. Mit ihrem Monuments Project (das im Artikel leider nicht erklärt wird) versucht Alexander gerade, Denkmäler für den Südstaatengeneral Lee zu identifizieren: 53 sind es bisher. "Und es gibt Schulen, die nach ihm benannt wurden. Die meisten in Vierteln, in denen vor allem afroamerikanische Kinder leben. Was für eine Botschaft gibt man solchen Kindern mit, wenn man die Schule nach einem Mann benennt, der fand, dass sie Untermenschen sind? Viele dieser Konföderierten-Denkmäler wurden lange nach dem Bürgerkrieg errichtet, sie zementierten eine Ideologie weißer Überlegenheit, nachdem der Krieg für die Sklaverei verloren war."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.11.2020 - Kulturpolitik

Am 17. Dezember soll das Humboldt Forum eröffnen. Laut einem dem Spiegel zugespielten Mängelbericht gibt es allerdings noch "Unzulänglichkeiten bei der Sicherheit sowie Klimaschwankungen. Insgesamt ist von 2000 Positionen die Rede", weiß Nicola Kuhn im Tagesspiegel: "Mängel gäbe es auf jeder großen Baustelle - 'von der Glühbirne bis zum Heizkörper', so Sprecher Bernhard Wolter. Natürlich habe die Pandemie die Lage erschwert und für Verzögerungen gesorgt. Dass erst jetzt der Bericht für das zweite Quartal vorgelegt wurde, erklärte Bauvorstand Hans-Dieter Hegner damit, dass der Stiftungsrat erst jetzt getagt habe."
Stichwörter: Humboldt Forum, Pandemien

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.11.2020 - Kulturpolitik

In Jörg Häntzschels (SZ) Porträt der Ethnologin Carola Lenz, kommt die künftige Präsidentin des Goethe-Instituts auch darauf zu sprechen, wie sie das Institut neu positionieren will. Von einem 'Dialog auf Augenhöhe' vor allem mit den Ländern außerhalb Europas hält sie nichts, sie findet den Begriff "paternalistisch. Ob es sich tatsächlich um einen Dialog auf Augenhöhe handelt, ist nicht an uns deutschen Kulturmittlern zu entscheiden.'"
Stichwörter: Lenz, Carola, Goethe-Institut

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.11.2020 - Kulturpolitik

In der SZ greift Catrin Lorch den Vorschlag der Bielefelder Kunsthallendirektorin Christina Végh auf, Schulunterricht auch in den coronasicheren Museen oder Theatern abzuhalten. Lorch erinnert das an Franklin D. Roosevelts Programm der "Works Progress Administration" in den Dreißigern, als die USA Arbeitslosen, aber auch Künstlern offizielle Aufträge erteilte. "Allein die Vorstellung, Schulklassen würden monatelang in musealer Ruhe dem Mathematikunterricht folgen, Gesellschaftskunde vor Joseph Beuys erhalten und verteilt im Parkett eines - leicht abgedunkelten - Theatersaals über Geschichte diskutieren - was für ein unerhörter Gewinn. Die solidarische Geste der Kulturinstitutionen würde diesem historisch einzigartigen Moment gerecht werden. Und von der Politik einfordern, dass sie mit der gleichen Souveränität, Großzügigkeit und Kreativität regiert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.11.2020 - Kulturpolitik

In der NZZ hat Michael Stallknecht kein Problem damit, dass die Kulturbranche der Unterhaltung zugeschlagen wird, sondern dass Unterhaltung als etwas angesehen wird, das der Mensch nicht notwendig braucht. "So richtig das Entwickeln von Hygienekonzepten im vergangenen Sommer war, so sehr müssten sie sich nun gegen eine Politik wenden, die im Namen des nackten Lebens das eigentliche Leben zu opfern bereit ist und im Namen der Gesundheit noch die kleinste Flucht aus dem Alltag zum überflüssigen Vergnügen erklärt. 'Dem Tod gegenüber gelassen zu sein, ist eine entscheidende Voraussetzung, um überhaupt zu leben', schreibt Robert Pfaller in 'Wofür es sich zu leben lohnt'."

Im Tagesspiegel berichtet Frederik Hanssen von einer Anhörung Berliner Künstlerinnen und Künstler im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses über die Folgen der Pandemie: "Besonders hadern die Künstlerinnen und Künstler mit dem On und Off des Spielbetriebs. Der zweite Kultur-Lockdown hat sie ins Mark getroffen. Georg Strecker, der Geschäftsführer des Wintergartens, erklärte, dass es selbst dann schwer für ihn und seine Kollegen wird, wenn sich gegen Ende November herausstellen sollte, dass man tatsächlich im Dezember wieder spielen dürfen. Ein Restaurant oder ein Geschäft ließe sich vielleicht auf Zuruf wieder öffnen, Bühnen dagegen benötigten eine gewissen Vorlaufzeit, bevor bei ihnen der Vorhang wieder hochgehen kann. Darum müsse es seitens der Politik ein klares Datum für den nächsten Neustart geben, auf das dann auch Verlass ist, forderte Strecker."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.11.2020 - Kulturpolitik

Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt antwortet in der FAZ auf den Artikel "Ohne Aura" von Herfried Münkler, Hans Walter Hütter und Peter Cachola Schmal, die sich eine hübschere Paulskirche wünschen (unser Resümee). Pehnt verteidigt das Bauwerk in seiner heutigen, kargen Großartigkeit: "Es wird als Ausdruck 'radikaler Bußhaltung' schlechtgemacht, statt als Spiegelbild eines neuen, zweiten Aufbruchs in eine gelebte Demokratie empfunden zu werden. Denn die Paulskirche hat nicht nur eine große Vergangenheit, die des ersten gewählten Parlaments, sondern deren zwei: 1848 und 1948. Der vermutete Abstand zur Nationalversammlung sollte nicht zu einem Abstand zu jener Staats- und Lebensform führen, der das Gehäuse in seiner jetzigen Gestalt dient und wir mit ihm."