Nächste Woche wird das Humboldt-Forum eröffnet. Nach einem ersten Rundgang durch die Schlossrekonstruktion - vorbei an Dixi-Klos, Pfützen in der Lobby und einem irritierenden Mix von Neu-Neu und Neu-Alt, - kann sich Jörg Häntzschel eigentlich nur
für den Keller begeistern: "Nichts Antikes, sondern ein Alumesser aus der DDR, ein Heizaggregat aus der Zeit von Kaiser Wilhelm II. Immerhin aber auch das aus dem 15. Jahrhundert stammende '
Pelikan-Relief' aus dem Kunstgewerbemuseum. Und die Löcher, die hier 1950 für die Sprengladungen gebohrt wurden, die alles darüber in Schutt verwandelten. Der Keller ist nur ein Nebenschauplatz des Humboldt-Forums. Doch nicht zufällig ist er der einzige Teil des Gebäudes, der fertig ist, der funktioniert, der überzeugt. Es ist der einzige, der seinen Ort und seine Zeit weiß, der einzige, der nicht
Stein gewordene Verkrampfung ist."
Ebenfalls in der
SZ weiß Peter Richter, dass erste Initiativen schon den
Abriss des Ungetüms fordern: "'Schlosssprengung 2025' will ein Plebiszit anstrengen, um die Replik der Hohenzollern-Residenz zum 75. Jahrestag der ersten Sprengung in der DDR erneut in die Luft zu jagen, nur diesmal demokratisch legitimiert." Im
Tagesspiegel berichtet Paul Starzmann, dass die Eröffnung des Humboldt-Forums auch dadurch getrübt werden könnte, dass Nigeria nun offziell die Rückgabe der
Benin-Bronzen gefordert habe: "Ab kommendem Jahr sollen die rostbraunen Skulpturen und Büsten aus Westafrika als Herzstück des Humboldt-Forums im neuen Berliner Stadtschloss ausgestellt werden."
Statt die
Paulskirche zu einem edel-leblosen Reräsentationsbau aufzumotzen, sollte sie lieber in einen echten "
Volxtempel" umgewandelt werden,
schlägt Jan Feddersen in der
taz vor: "Worauf es ankäme: eine gründliche Ausrümpelung der Paulskirche selbst,
mentalitär vor allem. Gebäuderenovierung inklusive. Öffnungszeiten: so gut wie rund um die Uhr. Wie moderne öffentliche Bibliotheken. Ein Raum zum Chillen und Besinnen und
bei Lust und Laune Klügerwerden. Ein Haus der Demokratie, in dem nicht Lehrer:innen den Ton angeben, sondern die Jugendlichen selbst. Alle Schüler:innen mögen Lust haben, dort Debatten zu führen. Es muss dort alles bestritten werden - nur Nazi ist verboten."