"Es ist
was faul in den Staatsmuseen",
meint Christiane Peitz im
Tagesspiegel, und das nicht erst seit den Anschlägen auf der Berliner Museumsinsel. "Dutzende beschädigte Kunstwerke, und
kein Aufsichtspersonal hat etwas bemerkt? Ein Zeugenaufruf erst
Wochen nach der Tat vom 3. Oktober?
Keine Personalienerfassung bei an der Kasse erworbenen Tickets, wie in vielen Museen wegen Corona üblich? ... Nein, die Museen sind keine Opfer, sondern mächtige,
eigenverantwortliche Institutionen. Schon der Münzenklau durch ein nicht gesichertes Fenster des Bodemuseums 2017 war beschämend.
Hermann Parzinger, der seinerseits mächtige Chef einer der weltweit bedeutendsten Kulturinstitutionen, stellt die Museen dennoch einmal mehr als Opfer hin. Genau wie bei der Reform." Das zieht nicht mehr, meint Peitz, die eine
radikale Reform der Stiftung Preußischer Kulturbesitz fordert.
Gegen den Genraldirektor der Mussen,
Michael Eissenhauer, haben einige Museumsdirektoren mittlerweile Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht,
berichtet Jörg Häntzschel in der
SZ: "Eine solche Beschwerde kann jeder Bürger gegen einen Angehörigen des Öffentlichen Dienst einreichen. Doch dass die Beschwerde umgehend an die Presse weitergegeben wurde, zeigt, wie sehr in der Stiftung
die Luft brennt."
Eine Gruppe hochmögender Autoren - nämlich der Historiker Herfried Münkler, Hans Walter Hütter vom Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn und Peter Cachola Schmal vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main - ist von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beauftragt worden, den erinnerungspolitischen Rang der Frankfurter
Paulskirche einzuschätzen, die heute noch den
nüchternen Neubeginn des unmittelbaren Nachkriegszeit ausstrahlt. Aber die Professoren hätten's gern bunter: "Seit der Wiedereröffnung sind inzwischen mehr als siebzig Jahre vergangen, und was damals für die Besucher sinnfällig war, ist heute selbst zur Erinnerung geworden, die erst wieder präsent gemacht werden muss. Genau das leistet die Paulskirche in ihrer gegenwärtigen Gestalt nicht. Als Gedenkort hat sie weder
ästhetische Evidenz noch besitzt sie
eine Aura, die den Besucher in die zu erinnernde Vergangenheit mitnimmt. Erinnerungspolitisch ist das
ein Desaster."
Das
Humboldt Forum in Berlin hat noch nicht eröffnet, aber schon die Aufteilung der
Stellflächen zeigt, dass es seinen Auftrag nicht mal im entferntesten gerecht werden wird,
bedauert Arno Widmann in der
FR. Auf gerade mal
1000 Quadratmetern von über 42.000 "beschäftigt sich das Humboldt-Labor 'mit der Wechselwirkung und Krise natürlicher und sozialer Systeme". Also mit dem, was
der Kern eines jeden Humboldt-Projektes sein sollte. Das war die Chance. Sie wurde vertan. ... Das Humboldt-Forum konzentriert sich auf die 'Provinz des Menschen'. Das ist dumm. Die Globalisierung schließt
Natur-
und Menschheitsgeschichte zusammen. 1827 hatte Alexander von Humboldt in Berlin mit seinen
Kosmosvorlesungen den Hörerinnen und Hörern die Augen dafür geöffnet. Hundert Jahre danach wird ein Humboldt-Forum gegründet, und die Museen, die sich mit nichts als den Menschen beschäftigen, kapern das Projekt. Wäre das Humboldt-Forum eines, das diesen Namen verdiente, es würde uns etwas sagen über die 'Stellung des Menschen' im Kosmos."