9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.10.2022 - Medien

"Wir sind schließlich kein Club von reinen Schöngeistern und kein Eliteverein", erklärt Deniz Yücel den Einsatz des PENs für Julian Assange. Wenn es um die Freilassung von Assange geht, heuchelt der Westen, fährt er im FR-Gespräch mit Bascha Mika fort: "Das Versprechen von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit muss vor dem Hintergrund von Folterlagern wie Abu Ghraib und Guantánamo betrachtet werden. Assange hat über diese Verbrechen berichtet, was die Glaubwürdigkeit des Westens untergraben hat. Und wie dann mit ihm umgegangen wurde, hat die Glaubwürdigkeit noch weiter beschädigt. Klar kann Putin jetzt sagen: Was regt ihr euch über meinen Umgang mit dem Schriftsteller Dmitri Glukhowsky auf, ihr macht es doch genau so! Es ist nicht nur Assange, der für die westliche Heuchelei mit seiner Unfreiheit bezahlt. Auch der Westen zahlt einen Preis. Schon deshalb muss Julian Assange endlich freikommen!"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.10.2022 - Medien

Die iranische Journalistin Niloofar Hamedi hatte durch ein Foto der Eltern Mahsa Aminis an ihrem Krankenbett die jüngsten Aufstände im Iran ausgelöst. Nun befindet sich Hamedi ohne Anklage im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis, berichtet Parisa Hafezi bei Reuters: "Das Committee to Protect Journalists (CPJ) hat die iranischen Behörden aufgefordert, 'alle Journalisten, die wegen ihrer Berichterstattung über den Tod von Mahsa Amini und die darauf folgenden Proteste verhaftet wurden, unverzüglich und bedingungslos freizulassen'. Im vergangenen Monat hieß es, dass mindestens 28 Journalisten von den Sicherheitskräften inhaftiert worden seien, darunter Hamedi. Freunde von Hamedi schildern sie als eine mutige Journalistin, die sich leidenschaftlich für Frauenfragen und -rechte einsetzt. Ihre investigativen Artikel behandeln Themen wie die Selbstverbrennung von Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, und sie interviewte die Familie von Sepideh Rashno, einer iranischen Schriftstellerin und Künstlerin, die im Juli verhaftet wurde, weil sie sich der islamischen Kleiderordnung widersetzt hatte."

Bertelsmann will offenbar mehrere ehrwürdige ehemalige Gruner und Jahr-Titel verkaufen, meldet turi2 unter Bezug aufs Handelsblatt. Neulich war gemeldet werden, dass nach der Gleichschaltung des Zeitschriftenkonzerns Gruner und Jahr nur noch Titel weiter betrieben werden sollen, die "synergetisch" seien: "Das Handelsblatt sieht Stern, Gala und Geo als gesetzt, Magazine wie Schöner Wohnen oder Beef könnten 'auf Sicht' auf dem Basar landen oder eingestellt werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.10.2022 - Medien

Die ARD-Dokumentation "Tod und Spiele - München '72" löste schon bei Erscheinen wegen der ungefilterten Äußerungen von Olympia-Attentätern, die sich ihrer Tat brüsten, Unbehagen aus, hier die Präsentation in der ARD-Mediathek. Nun stellt sich heraus, dass einer der Attentäter auch noch ein Honorar von 2.000 Dollar dafür erhielt. Die ARD macht glaubhaft, dass sie nichts davon wusste und sogar zur Bedingung gemacht hatte, dass die Attentäter nicht honoriert wurden, berichtet Michael Hanfeld in der FAZ, der eine Recherche von Focus aufnimmt. Der Produzent hatte das Honorar im Nachhinein aus unklaren rechtlichen Gründen bezahlt. "Doch was folgt daraus? Außer der gewissermaßen 'technischen' Erklärung? Pech gehabt, und weiter geht's mit dem Dreh? Keine Erklärung den Hinterbliebenen und den jüdischen Verbänden gegenüber? Kein Hinweis in der Mediathek? Die Fragen haben wir der ARD gestellt. Auf die Antwort warten wir noch."

Dass die ARD-Doku "Tod und Spiele" einem palästinensischen Terroristen so viel Raum einräumt, um von seinen Taten zu schwärmen, findet Marcel Gyr in der NZZ nur halb skandalös, denn immerhin dokumentierten die Passagen auch "die verstörende Selbstverständlichkeit, mit der palästinensische Attentäter ihre Greueltaten rechtfertigen". Schlimmer wiege anderes: "Obwohl in Deutschland der Straftatbestand des Mordes nicht verjährt, sind bis dato keinerlei Anstrengungen der Justizbehörden bekannt, des bekennenden Massenmörders al-Safadi habhaft zu werden. ... Die naheliegendste Anlaufstelle wäre zweifellos die verantwortliche Produktionsfirma, die den Kontakt zu al-Safadi hergestellt hat. Doch Gunnar Dedio von Looksfilm sagte am Montag auf Anfrage, bis anhin hätten sich die deutschen Justizbehörden nicht gemeldet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.10.2022 - Medien

Mit GIFs geht es zu Ende, ahnt jetzt auch Kaitlyn Tiffany in Atlantic. Spätestens seit Vice verkündete, animierte Bilddateien seien nur noch für Boomer, gelten sie als cringe. Tiffany findet es trotzdem schade: "Ich glaube, es wird immer eine Handvoll Masochisten geben, die sich abmühen, ein GIF zu erstellen und es irgendwo zu posten - weil sie sich der perfekten animierten Schleife verschrieben haben und weil sie glauben, dass es etwas spirituell Wichtiges ist, sich für ihre Erstellung zu verrenken."
Stichwörter: Vice

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.10.2022 - Medien

Den Zeitungen mangelt es an Papier, die SZ bringt ihre Literaturkritiken vorwiegend online. Schuld sind die hohen Papierpreise, die sich unter anderem durch die hohen Gaspreise erklären, schreibt Jan Diesteldorf in der SZ. Aber es gib t auch andere Faktoren, die damit zu tun haben, dass generell nicht mehr so viel gedruckt wird. Und so "mangelt es inzwischen an geeignetem Altpapier, an alten Zeitungen, Briefen, Katalogen und Broschüren, denn aus Kartons wird keine Zeitung mehr. Diese Lücke müssen nun frische Fasern füllen, was die Herstellung noch einmal verteuert. Das macht Verlagskaufleuten Sorgen - in Unternehmen, die ohnehin kämpfen müssen, um noch profitabel arbeiten zu können." Aber demnächst wird ja immerhin die Zustellung der Zeitungen subventioniert.
Stichwörter: Zeitungskrise, Papierpreise

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.10.2022 - Medien

Auf ein Medienkuriosum macht Ralf Leonhard in der taz aufmerksam. Die Wiener Zeitung, meldet er, wird demnächst nur mehr monatlich erscheinen: "Die Zeitung steht seit 1918 im Alleineigentum der Republik, die sie auch finanziert. Zusätzlich müssen Unternehmen Insolvenzen, Gründungen und Ähnliches im beiliegenden Amtsblatt veröffentlichen und dafür bezahlen. Diese fallen aber demnächst weg, weil eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2019 exklusive Bekanntmachungen als indirekte Subvention verbietet." Trifft so etwas auch auf Deutschland zu - auch hier gibt es in den Zeitungen ja amtliche Bekanntmachungen?

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.10.2022 - Medien

Internet ist für viele Medien in Deutschland noch Neuland. Besonders verdächtig ist ihnen der Link, der ja eigentlich das Wesen des Netzes ausmacht, aber deutsche Medien verlinken nicht gern, beobachtet Markus Reuter bei Netzpolitik. Stattdessen "versuchen viele Publikationen krampfhaft, ihren Leser:innen verlinkbare externe Quellen und damit weitere Informationen vorzuenthalten. Bloß keine Links im Text und erst recht nicht im ersten Drittel. Manche Medien haben sogar Listen von Medien, die Redakteur:innen nicht verlinken dürfen, weil diese Medien in direkter Konkurrenz zum eigenen Medium stehen. Oftmals müssen Journalist:innen intern genau begründen, warum ein Link nach außen notwendig ist. Das eigene Medium als Insel in einem Meer von Feinden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.09.2022 - Medien

Der einstmals so stolze Gruner-und-Jahr-Konzern war von Bertelsmann schon letztens Jahr mit RTL zwangsvereinigt worden. Falls es Beteuerungen gegeben haben sollte, die Zeitschriften des Konzerns zu erhalten, wäre es falsch gewesen, an sie zu glauben. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hat jetzt neue Leitlinien bekanntgegeben, berichtet Steffen Grimberg in der taz: "Im Interview im firmeneigenen Intranet erzählt er was von teurem Papier, rückläufigen Werbebuchungen und dass alles noch schlimmer wird. Deshalb will er jetzt alle Magazine auf den Prüfstand stellen und 'nur solche Titel mit RTL zusammenführen, die wirklich synergetisch sind'. Also solche, die auf Unterhaltung machen. Das übertrifft die schlimmsten Befürchtungen, was das ohnehin gewöhnungsbedürftige Zusammenpferchen von RTL und G+J für die Zeitschriften bedeutet."

Gabor Steingart schlägt in seinem morgendlichen Newsletter das nebenstehende Stern-Cover vor und schreibt: "Die Journalisten von Stern, Brigitte, Gala, Schöner Wohnen, Capital und Geo wollten relevant, nicht synergetisch sein. Sie träumten von einem Verleger - und bekamen einen Portfoliomanager."

Der NDR hat sich einer Prüfung unterzogen, die noch nicht abgeschlossen ist, Intendant  Joachim Knuth konnte aber schon einmal erleichtert bekräftigen, dass sich der Vorwurf politischen Gekungels nicht bestätigt habe. Statt dessen sei nur das Betriebslklima grauenhaft - das soll jetzt ein Kirchenmann als Ombudsmann klären, berichtet Michael Hanfeld in der FAZ, der ein bisschen skeptisch bleibt: "Dass der Vorwurf politischer Färbung ('Filter') inzwischen vom Tisch ist, mag einen freilich erstaunen. Denn gerade die fehlende Distanz zu Landesregierungen ist eine Spezialität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, das schlägt sich bei der Besetzung von Posten nieder und im Programm." Dem Bayerischen Rundfunk geht es laut Rechnungshof auch nicht so gut, berichtet Helmut Hartung ebenfalls in der FAZ. Der Finanzbedarf sei so hoch. "Der Rechnungshof sieht drei kritische Punkte: hohe Personalausgaben, Pensionsverpflichtungen sowie den sogenannten 'BR hoch drei'-Prozess, mit dem der Sender neue digitale Angebote vorantreibt."

Die FAZ macht eine Selbstmarketing-Aktion mit vielen Artikeln über Zukunft und die Frage, wie wir leben wollen. Feuilletonchef Jürgen Kaube warnt allerdings: "Der Kursverfall der Utopie geht insofern auf das Schindluder zurück, das mit den Hoffnungen auf ein gutes, erlöstes Ganzes getrieben wurde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.09.2022 - Medien

Michael Hanfeld gibt in der FAZ, weitgehend basierend auf Recherchen des Business Insider, weitere Episoden aus dem barocken Leben in den öffentlich-Rechtlichen Anstalten zum besten: "Beim Bayerischen Rundfunk geht es um Zusatzeinkünfte des Spitzenpersonals durch Aufsichtsratsmandate bei Tochterfirmen und bei anderen Unternehmen. Insbesondere geht es um den Fall der technischen Direktorin Birgit Spanner-Ulmer. Sie fiel zunächst mit zwei Dienstwagen auf - einem, in dem sie von zwei Fahrern im Wechsel kutschiert wird, und einem zweiten, bei dem sie sich selbst ans Steuer setzt." Ob sie damit nach Salzgitter fährt? Dort saß sie nämlich im Aufsichtsrat der Salzgitter AG und hat "63.250 Euro zu ihrem ordentlichen BR-Gehalt von knapp 266 .000 Euro erhalten".
Stichwörter: Bayerischer Rundfunk

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.09.2022 - Medien

Die Rundfunkkommission der Länder verlangt einen Bericht von Öffentlich-Rechtlichen, meldet unter anderem turi2: "Demnach sollen die Häuser 'deutlich machen, wie sie ihr Verwaltungshandeln und ihre Transparenzvorschriften anpassen und einheitliche hohe Standards bezüglich Compliance schaffen und einhalten', sagt die Rundfunkkommissions-Koordinatorin Heike Raab der dpa."