FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld, der
Tom Buhrows Rede über wünschenswerte Reformen bei den Öffentlich-Rechtlichen zuerst brachte, ist sehr aufgeregt über die "
Bombe" und zitiert eher maue Reaktionen aus den Staatskanzleien der Länder. Auch der
ZDF-Intendant
Norbert Himmel hat bei einem Pressegespräch reagiert, das Hanfeld zusammenfasst. "Einer
möglichen Fusion erteilte er eine diplomatische Absage: 'Wir sind mit unseren drei linearen Kanälen vergleichsweise
schlank aufgestellt. Ich finde es wichtig, dass wir auch im publizistischen Wettbewerb sind', sagte Himmler."
Buhrow mag vor Kühnheit gezittert haben, als er die Rede hielt,
Perlentaucher Thierry Chervel mag nicht recht dran glauben. Die Sender sind politisch viel zu stark abgesichert und blockiert, als dass man Grundsätzliches an ihnen ändern könnte,
fürchtet er in einem Twitter-Thread. Charakteristisch sei darum eher, was Buhrow
inhaltlich ins Spiel bringt: "Er schlägt vor, die
Rundfunkorchester zu schleifen, bis nur noch ein paar Spitzenensembles übrig bleiben. Kultur will er zentralisieren. Worüber er überhaupt nicht redet, sind die
Sportrechte. Allein für die Fußball-WM im Sklavenhalter-Staat Katar zahlen die Sender meines Wissens
über 200 Millionen Euro. Die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender tragen mit diesen ungeheuren Summen maßgeblich dazu bei, dass solche Ereignisse, über die sie dann vorgeben zu berichten,
überhaupt stattfinden."
Mit seinem Vorschlag hätte "Buhrow nicht nach Hamburg reisen müssen, sondern schon
vor zehn Jahren loslegen können, als er nämlich zum Intendanten des
WDR gewählt wurde", schreibt Willi Winkler in der
SZ: "Zugegeben, es gab Wichtigeres - das
Kulturprogramm einzudampfen, mit Bild auf Omas Motorrad durch den Hühnerstall zu kurven und ein Jahresgehalt von
400.000 Euro zu rechtfertigen, aber schließlich wurde auch Rom nicht an einem Tag zerstört."
Spricht Buhrow, sonst eher für "wolkige" Texte bekannt, hier vielleicht als Privatmann,
fragt sich Dirk Peitz (
ZeitOnline) und vermutet, dass es sich nur um eine "
selbst entlastende Geste" handeln könnte: "Buhrows Rede selbst war am Ende ein
Best-
of der Klagen über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, da verbanden sich Form und Inhalt ganz gut, wenn auch nicht unbedingt mit dem bisherigen Intendantenhandeln des Vortragenden. Man kann diese Rede aber durchaus als spätes öffentlich-rechtliches
Eingeständnis des Scheiterns der bisherigen Logik betrachten, mit der der ÖRR in Deutschland einfach immer weiter gewachsen ist: mehr Sender für mehr Spezialinteressen an mehr medialen Ausspielorten. Systeme neigen bekanntlich nicht dazu, sich selbst abzuschaffen oder nur zu verkleinern. Aber womöglich war Buhrows Rede ja wirklich ein uneigennütziges und ehrliches Bekenntnis von jemandem, der nach einem Volontariat beim
Bonner General-Anzeiger seit 1985 seine gesamte berufliche Laufbahn beim ÖRR verbracht hat."