Der
Berliner Zeitung liegt ein Brief vor, in dem sich mehrere
NDR-Redakteure des Ressorts Politik und Recherche im Oktober 2021
von kritischen Kollegen distanzieren, die die Missstände um ein verhindertes Interview mit einem Kritiker des Schleswig-Holsteinischen Ministerpräsidenten
Daniel Günther aufdecken wollten,
berichtet Michael Maier, der das nicht ernst nehmen kann: "Inspiriert von
Stefan Böhnke, der gegenüber Kollegen gern mal über seine Zeit bei der Jungen Union schwärmt, verfassten einige Kollegen ein Schreiben, das intern als '
Ergebenheitsadresse' verspottet wird. In dem Brief, der den unter Beschuss geratenen Führungskräften
Julia Stein,
Norbert Lorentzen und
Volker Thörmählen beispringt, heißt es: 'Es stehen offenbar anonyme, schwerwiegende Vorwürfe gegen nicht näher genannte Redaktionsmitglieder im Raum, die unsere Arbeit in Misskredit bringen, ohne dass der Redaktionsausschuss ausführlich mit möglichst vielen Mitgliedern der Redaktion gesprochen hat, um sich ein tatsächliches Bild der Lage zu verschaffen.' Dieser Vorwurf greife ins Leere, sagen Journalisten, die die Fall kennen: Wie nämlich aus dem Bericht, der der
Berliner Zeitung vorliegt, zu erkennen ist, wird ein konkreter Fall mit Namen und Zuordnung geschildert." Für Maier zeigt der Vorfall exemplarisch "ein
strukturelles Defizit bei den öffentlich-rechtlichen Sendern auf: Es gibt
keine '
innere Pressefreiheit'."
Rechtlich ist der
ÖRR ein
Sonderfall, schreibt auch Claudia Tieschky in der
SZ: "Er unterliegt in der EU zum Beispiel
nicht den Wettbewerbsregeln für kommerzielle Unternehmen, ein wichtiges Kriterium für diesen Status ist - Achtung - die '
Binnenkontrolle', also die staatsferne Aufsicht der Sender durch Rundfunkräte und Verwaltungsräte. Man kann es auch so sagen: Voraussetzung für diesen Rundfunk ist ein
immenser Vertrauensvorschuss in die Redlichkeit aller Beteiligten. Man muss daran glauben, dass ehrenamtliche Kontrolleure in Rundfunkräten nicht nur anwesend sind, sondern Engagement und Kritik zeigen. Dass Verwaltungsräte finanzielle Grenzen setzen. Dass eine von der Allgemeinheit finanzierte Führungsspitze besonders sauber ist. Dass ein Gebilde wie die ARD auf schon fast exotische Art kleinteilig sein mag, aber
vertrauenswürdig."
Derweil
berichtet Spon von Vorwürfen gegen
NDR-Landesfunkhausdirektorin
Sabine Rossmann: Sie soll unter anderem PR-Kunden ihrer Tochter
im Programm platziert haben. Neben dem Online Portal
Business Insider kommen die Vorwürfe auch von einem Rechercheteam des
NDR: "Laut
NDR-Rechercheteam habe es am 17. Juli 2017 eine Anfrage der
Hamburger Morgenpost gegeben, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten sich an die Zeitung gewandt und von einem 'herrischen Führungsstil' Rossbachs und einem '
Regime des Schreckens' berichtet. Die Antwort des
NDR demnach: 'Nicht konkretisierte anonyme Vorwürfe kommentieren wir nicht.'"