Alan Hollinghurst

Die Sparsholt-Affäre

Roman
Cover: Die Sparsholt-Affäre
Karl Blessing Verlag, München 2019
ISBN 9783896676269
Gebunden, 544 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thomas Stegers. Im Oktober 1940 kommt der junge David Sparsholt nach Oxford. Der gut aussehende Athlet und Ruderer ist sich anfangs nicht der einnehmenden Wirkung bewusst, die er auf andere hat - besonders auf den einsamen und romantisch veranlagten Evert Dax, Sohn eines gefeierten Romanciers, der selbst literarische Ambitionen verfolgt. Während der Blitzkrieg London erschüttert, wird Oxford zu einem seltsamen Rückzugsort, an dem die Verdunkelung geheime Liebesbeziehungen verbirgt. Hier nimmt die Sparsholt-Affäre ihren Anfang, von der auch siebzig Jahre später noch ganz Großbritannien sprechen wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.05.2019

Rezensent Michael Schmitt entdeckt einen typischen Hollinghurst in dessen neuem Roman "Die Sparsholt-Affäre". Die Geschichte der Befreiung der Homosexualität in den vergangenen achtzig Jahren besticht laut Kritiker durch elegante Sprache, treffende Milieuschilderungen, die Beschreibung unterdrückten Begehrens und unverstellter Sexszenen und natürlich - Alan Hollinghursts "Markenzeichen - die gekonnte Mischung aus "Auflösung und Erneuerung". Und so lässt sich Schmitt bereitwillig von Hollinghursts Helden in die Oxforder Upperclass einführen und verfällt der Sogkraft des Romans auch dann noch, wenn Hollinghurst allzu sehr zur "Kunstfertigkeit" neigt. Nicht zuletzt lobt der Rezensent die Übersetzung durch Thomas Stegers.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.05.2019

Rezensentin Evi Simeoni hätte gern noch weiter gelesen über die rätselhafte Hauptfigur von Alan Hollinghurst. Den im Jahr 1940 in Oxford beginnenden und bis ins Jahr 2012 reichenden Roman verschlingt sie allerdings nicht nur wegen des mit griechischen Proportionen gesegneten Protagonisten. Virtuos scheint ihr, wie der Autor die Figur wie hinter einem Schleier verbirgt, den Leser arbeiten lässt, episodisch, mit gekonntem Timing von Kunst, schwuler Liebe und Skandalen erzählt. Dass die auftretenden Frauen Karikaturen gleichen, verzeiht Simeoni dem Autor.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 06.04.2019

Richard Kämmerlings hat viel übrig für Alan Hollinghursts Erzählkunst. Wie der Autor in seinem Roman einen Skandal um Geschäfte und Sex in Politik und Gesellschaft im England der sechziger Jahre zum Anlass nimmt, Veränderungen in der britischen Gesellschaft zwischen 1940 und 2012 nachzuzeichnen und die (Erfolgs-)Geschichte männlicher Homosexualität zu schreiben, findet Kämmerlings bemerkenswert. Meisterhaft scheint ihm nicht nur Hollinghursts Umgang mit den mannigfachen Dimensionen des Textes, sein kompositorisches Geschick, auch seine Figurenzeichnung überzeugt ihn durch Plastizität und den Verzicht auf Klischees. Für Kämmerlings ein gelungenes Panorama schwulen Alltagslebens der letzten Jahrzehnte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.03.2019

Rezensent Andreas Isenschmid versteht den Roman von Alan Hollinghurst nicht. Wieso der Autor, laut Rezensent ein virtuoser Chronist schwulen Lebens in Großbritannien, seinen genussvollen Text um eine leere Mitte aufgebaut hat, kann er sich nicht erklären. Die titelgebende, auf Tatsachen beruhende Affäre zwischen einem Air-Force-Piloten, einem Unterhausmitglied und einem Prostituierten kommt im Roman praktisch nicht vor, stellt Isenschmid fest. Außer Andeutungen über die schattenhafte Verbindung der Figuren mit der Affäre erfährt der Rezensent darüber nichts. Durch diese Auslassung bekommt das ansonsten hinreißend geschriebene Buch für Isenschmid eine "ungute Wucht" und etwas "unentschieden Albumblätterhaftes".

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.03.2019

Rezensentin Maike Albath lässt sich Alan Hollinghursts erlesene Sprachkunst gern gefallen. Auch wenn sie einräumen muss, dass die "Sparsholt-Affäre" nicht ganz an Hollinghursts meisterhaften Gesellschaftsroman "Die Schönheitslinie" nicht ganz heranreicht, erkennt Albath doch auch in diesem acht Jahrzehnte umspannenden Roman über die erotischen und gesellschaftlichen Verwicklungen eines Oxforder Ingenieurs und Kriegshelden die Stärken des britischen Erzählers: eine an Henry James geschulte stilistische Eleganz, ein feines Gespür für soziale Herkunft und einen scharfen Blick auf unterschiedliche Milieus. "Außerdem, versichert Albath in ihrer kurzen Kritik, "kann er glänzend über Sex schreiben".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.03.2019

Rezensent Gustav Seibt erlebt einen ganzen Kosmos mit dem neuen Roman von Alan Hollinghurst. Dass der Autor schwule Lebenswelten zeichnen kann, weiß Seibt schon. In diesem Text nun gelingt es Hollinghurst laut Rezensent, elegant und komisch über homosexuelles Begehren, Geilheit und misslungenen Sex zu schreiben, aber auch über Literatur, Malerei und die Frauen. Als Generationenroman erzählt der Text für Seibt unter Zeit-, Stil- und Perspektivsprüngen zudem anspielungsreich vom Altern und von einem Skandal aus Politik und Halbwelt in den 60ern, den der Autor seelisch subtil und spannend erörtert, wie Seibt bewundernd feststellt.

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