Aktualisierte und erweiterte Neuauflage. Mit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat der spätestens seit der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014 schwelende Konflikt zwischen beiden Staaten die höchste Eskalationsstufe erreicht. Seit dem 18. Jahrhundert zeigte sich im Verhältnis dieser eng miteinander verbundenen Völker zunehmend eine Asymmetrie. Sie gipfelte darin, dass Russland im 19. Jahrhundert die "Kleinrussen", wie die Ukrainer damals offiziell hießen, nicht als eigenständige Nation mit einer von Russland getrennten Geschichte anerkannte. Diese Sicht hat sich in Russland bis heute erhalten und ist auch im Westen verbreitet. Dagegen erzählt Andreas Kappeler die Geschichte dieser ungleichen Brüder als Wechselspiel von Verflechtungen und Entflechtungen. Nicht zuletzt trägt es zum Verständnis der aktuellen Eskalation bei.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.04.2023
Im Rahmen seiner "kleinen Ukraine-Bibliothek" stellt Kritiker Christian Thomas das zuerst bereits 2017 erschienene Sachbuch des Osteuropahistorikers Andreas Kappeler über die schwierigen Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine vor. Aufgrund des andauernden Krieges hat es eine erweiterte Neuauflage erfahren, informiert er und beginnt sodann, Kappelers roten Faden nachzuerzählen. Die Geschichte verläuft von dem Gründungsmythos der Kiewer Rus über das Zarenreich bis zu Stalins Hungerterror in der Ukraine, lernt Thomas, dabei klärt der Historiker auch über die von Russland verbreiteten Narrative auf, die eine Allmacht über die Ukraine legitimieren wollen. Denen stellt er die miteinander verschränkte, für den Rezensenten absolut lesenswerte Geschichte zweier "Ungleicher Brüder" gegenüber, die für den Rezensenten schon zum Standardwerk dieser Beziehung avanciert ist.
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