Die Frage, ob Literatur der Rechtswissenschaft oder Rechtswissenschaft der Literatur Erkenntnisse liefert, ist fundamental. Dass sich immer mehr Rechtswissenschaftler mit literarischen Werken beschäftigen, ist noch kein Beleg für eine sinnvolle rechtswissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Dichtung. Die Autorin geht den damit zusammenhängenden Fragen zunächst allgemein nach und exemplifiziert sodann die Problematik des Verhältnisses von juristischem und literarischem Erkenntnisinteresse anhand des Romans »Der Fall Gouffe« von Joachim Maass, der einen historischen Kriminalfall literarisch verarbeitet und zum Teil verfremdet. Mit wechselndem Blick zwischen juristischer Perspektive einerseits und literarischer Vorlage andererseits analysiert die Verfasserin beide Ansätze.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.11.2002
Einen Vergleich von literarischer und juristischer Aufarbeitung von Verbrechen hat Anja Sya am Beispiel des Mordes an einem französischen Gerichtsvollzieher im Jahre 1889 gezogen und Milos Vec ist ihrer Beweisführung gefolgt. Da muss die Autorin, befindet Vec, "zwei irritierend ähnliche Geschichten erzählen und sie dabei dem Leser gegenüber strikt trennen". Grundthese der Autorin ist, dass die Literatur die Realität ebenso darstellt wie beispielsweise die Gerichtsakten. So könne die Literatur beispielsweise durch Überspitzung Kritik an der Realität üben. Beide haben laut dem Rezensenten eine "historische Dimension, die gerade für die vergleichende Analyse wichtig wird". Diese wird nach Meinung von Vec durch die Autorin aber nicht genügend miteinbezogen, so dass einige Belege nicht genannt werden. Diese hätten nach Meinung von Vec die These der Autorin untermauern können, dass "die Literatur tiefere Wahrheiten und Einsichten bietet als die Jurisprudenz und insoweit den reinen Wissenschaften überlegen sei".
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