Aus dem Englischen von Karen Nölle. In diesem Band von Essays, die zugleich Erzählungen sind, gilt Annie Dillards Blick einer Vielzahl verschiedener Begegnungen und Entdeckungen: Egal, ob sie eine totale Sonnenfinsternis im Osten Washingtons erlebt, einen Dschungel Ecuadors besucht, einem wilden Wiesel in die Augen schaut, bei einem Gottesdienstbesuch entbehrungsreiche Polarexpeditonen rekapituliert oder von einem Mann erzählt, der allein mit einem Stein in einer Hütte lebt, um ihm das Sprechen beizubringen, stets fängt Dillard die großen und kleinen Wunder unseres Universums ein: "Wir sind nur einmal hier auf dem Planeten, und es lohnt sich vielleicht, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wo wir sind. Es lohnt sich vielleicht, ein Gefühl für die Randgebiete und Nischen zu entwickeln, in denen das Leben stattfindet." Dillards Weg vom Alltäglichen zu den letzten Dingen ist dabei oft atemberaubend kurz und ihr Geist und Stil so unerschrocken, das Erhabene ebenso zu zelebrieren wie das Lächerliche.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.01.2023
Ganz hingerissen ist Rezensentin Sylvia Staude von dem Essayband der Pulitzer-Preisträgerin Annie Dillard, der nach vierzig Jahren nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt. Dass der Band "Einen Stein zum Sprechen bringen" in der "Naturkunden"-Reihe von Matthes & Seitz erschienen ist, passt thematisch perfekt, wie die Rezensentin ausführt: Mal auf Details versessen, mal auf das große Ganze achtend, geht es von Mangroven bis Wieseln immer um die "Würde des anderen Lebewesens" und der Umwelt. Dillard vermag es, mit ihren eindrücklichen Sprachbildern ein Gefühl der Unmittelbarkeit zu erzeugen und trotz der verschiedenen Schwerpunkte, die sie setzt, nicht abzuschweifen, versichert Staude. Ein wunderbarer und von Wundern erzählender Text, lobt sie.
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