Bénédicte Savoy schildert ihre ersten Besuche im Museum, ihren ersten Kontakt mit Kunst und Kultur. Und sie erklärt, wie sie zu dem Thema kam, das sie seit zwanzig Jahren beschäftigt, ohne Kontroversen zu scheuen: Museen, Kunstraub, Provenienzforschung und die häufig nicht offengelegte Geschichte der Sammlungen, die seit Jahrhunderten das europäische Publikum beglücken und inspirieren.
Savoy spricht über Napoleons Raubzüge im Rheinland ebenso wie über das dunkle Erbe der europäischen Kolonialgeschichte. Ihre Wissenschaft ist zwangsläufig politisch: "Der Wissenschaftler oder die Wissenschaftlerin sollte nicht leise murmeln in einer Schreigesellschaft."
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 27.05.2019
Mit großem Gewinn liest Rezensent René Aguigah den autobiografischen Essay "Museen" von Bénédicte Savoy. Wie die Kunsthistorikerin darin anschaulich und "mit unüberbietbarer Konkretion" nachzeichnet, wie der Komplex Provenienz und Restitution zu ihrer Lebensaufgabe wurde, hat den Rezensenten tief beeindruckt. Ausgehend von Kindheitserinnerungen, in denen Savoy mit Fragen nach kolonialistischer Raubkunst und ihrer Restitution konfrontiert wurde, erstmals 1978 bei einem Appell des damaligen Unesco-Generalsekretärs, beschreibt sie als "impressionistisch hingetupfte Erinnerungen" ihren Werdegang zur einflussreichen Stimme für die Restitution, fasst Aguigah zusammen. Dabei wird die Autorin zwar teilweise sehr persönlich, etwa im Kapitel über ihren verstorbenen Mann Johannes Grützke, behält aber stets den Bezug zu ihrem Thema, stellt der Rezensent fest.
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