Müller ist vierundvierzig, ohne Selbstvertrauen, neurotisch und voller Ängste. Sein Job, seine Affäre, seine Wohnung, einfach alles in seinem Leben ist halbherzig und glanzlos. Die Nachricht vom Tod seines älteren Bruders Thomas, der seit vielen Jahren in Kolumbien und ohne Kontakt zu Müller lebte, trifft ihn überraschend hart. Er löst sich aus seinem trägen Alltag, nimmt seinen Jahresurlaub und steigt in den Flieger nach Cartagena. In der karibischen Hafenstadt erwarten ihn Thomas' attraktive Freundin Laura, ein halbes Jugendstilhaus, ein kleines Vermögen und die große Frage, wer sein Bruder eigentlich war. Nach und nach gleitet er in das Leben, das Thomas zurückgelassen hat. Gibt es für Müller in Kolumbien eine Chance auf mehr Herz und Glanz?"Der Landvermesser" ist ein atmosphärischer Roman über Entfremdung und Identität, Entfernung und Nähe und eine brillante Beschreibung zweier Landschaften, die Kolumbiens und die seiner Hauptfigur.
Rezensentin Angela Gutzeit kann Björn Kuhligks Gedichten einiges abgewinnen, doch sein erster Roman enttäuscht die Erwartungen, die seine Lyrik weckt. Dabei ist die Ausgangssituation durchaus vielversprechend: Ein 44-jähriger Deutscher mit dem sprechenden Namen Müller erfährt, dass sein Bruder in Kolumbien dem Krebs erlegen ist, und nicht nur das: Der gelernte Botaniker war zum Entsetzen des Bruders auch als Koksdealer tätig. Müller, der seit Jahren nichts von seinem Bruder gehört hat, reist nun also nach Kolumbien, und dann… Dann hätte es viele wunderbare Möglichkeiten gegeben, interessante "Zwiespalte" auszuloten, wie den zwischen dem "wohlstandsgesättigten" Müller und der Lebensrealität jener Menschen, mit denen bzw. "für" die Müllers Bruder gearbeitet hat. Stattdessen ist das Einzige, was bis zum Gehtnichtmehr ausgelotet wird, Müllers Psyche - seine endlosen Selbstzweifel und Ängste. Das ist oft mühselig zu lesen, so Gutzeit, was wohl auch an Kuhligks teilweise etwas unbeholfen wirkender Sprache liegt. Wenn schon, denn hätte man schon gerne gelesen, weshalb denn dieser Müller so verdammt angstgetrieben und angespannt ist. Doch auch dieses Bedürfnis befriedigt der Autor nicht. So ist aus dem begabten Lyriker (bisher leider noch) kein "überzeugender Romancier" geworden, so die enttäuschte Rezensentin.
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