Aus dem Englischen von Gerlinde Schermer-Rauwolf und Robert A. Weiß. Leben wie unsere Vorfahren: Charles Foster, vielgereister Abenteurer und Philosoph, will ergründen, was es bedeutet, Mensch zu sein. Dazu lässt er sich auf ein außergewöhnliches Experiment ein und erprobt drei Phasen der Menschwerdung. Er beginnt seinen Selbstversuch zusammen mit seinem Sohn in einem Wald in Derbyshire, wo er in die Welt der Jäger und Sammler eintaucht, die untrennbar mit der nicht-menschlichen Welt verknüpft war. Die beiden bauen sich einen Unterschlupf, jagen und schärfen ihre Sinne; machen körperliche, mentale und spirituelle Erfahrungen. Fosters Zeitreise führt ihn dann zu den Anfängen der Sesshaftigkeit: zu den ersten Siedlern, die Tiere zähmten, Pflanzen züchteten und deren Lebensweise zunehmend durch feste Bauten, Mauern, Zäune und eine wachsende Entfremdung von der Natur bestimmt wurde. Und schließlich in die Aufklärung, in der rationales Denken regierte, die Dinge ihre Seele verloren hatten und Mensch und Natur komplett voneinander getrennt existierten. Fosters Naturbeschreibungen, sein detailliertes anthropologisches und historisches Wissen und seine philosophischen Gedankengänge erhellen, regen zum Nachdenken an und werfen existenzielle Fragen auf.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 20.10.2022
Rezensentin Susanne Billig ist ganz hingerissen von diesem Selbstversuch des britischen Naturkundlers Charles Foster: Erst hat er sich mit seinem Sohn als Jäger und Sammler im Wald niedergelassen, dann hat er die Anstrengungen der ersten Siedler nachvollzogen und schließlich mit "Aufklärungstalibans" zu Abend gegessen, was wahrscheinlich das Gefährlichste von allem war. Fosters ganze Sympathie (und die der Rezensentin) gilt den Jägern und Sammlern, die, so zitiert Billig Foster "in ehrfürchtiger und oft ekstatischer Weise" der Natur nahe waren. Ob das wirklich für eine durchschnittliche Lebenserwartung von knapp 25 Jahren entschädigt?
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