Eine putzige Diddl-Maus mit rosa Hauspuschen (Süddeutsche Zeitung) oder ein Teufel, der sich zu Prozessbeginn schick gemacht hatte (Bild-Zeitung) - in der Berichterstattung über Beate Zschäpe gibt es wenig Erkenntnis über ihre Rolle im NSU. Das einzige, was gesichert scheint, ist: Zschäpe ist eine Frau, und das ist relevant. In diesem Buch werden erstens anhand eines repräsentativen Ausschnitts der Zeitungsberichterstattung die Darstellungsweisen von Zschäpe - insbesondere in Hinblick auf Geschlecht - genau betrachtet. Zweitens wird der Frage nachgegangen, wie diese spezifische Form der Berichterstattung historisch und politisch zu verstehen ist. Dazu werden Verbindungslinien zu dem Umgang mit Schuld und TäterInnenschaft in Anschluss an den Nationalsozialismus gezogen und der Blick auf die Dominanzgesellschaft gerichtet. Diese erhält durch die vergeschlechtlichte Berichterstattung über Zschäpe die Möglichkeit, sich nicht mit eigenen (rassistischen) Strukturen beschäftigen zu müssen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.10.2015
Rezensent Andreas Förster hat längst den Überblick verloren über die Presse zu Beate Zschäpe. Gut, wenn sich ein Buch der Soziologin Charlie Kaufhold dem Bild Tschäpes in "Bild", "taz", "SZ" und "Spiegel online" widmet, findet er. Dass der Text die Essenz von Kaufholds Abschlussarbeit im Studiengang Gender Studies darstellt, scheint Förster besonders interessant zu finden. Die Autorin unterscheidet darin eine bagatellisierende von einer dämonisierenden Feminisierung Tschäpes durch die Presse zum Zeitpunkt des Auffliegens des NSU bzw. zu Beginn des Münchner Prozesses. Kaufholds Fazit, demzufolge Tschäpe über ihr Äußeres definiert wird, um eine Abweichung von der Norm festzustellen und damit Schuldabwehr zu betreiben, scheint Förster bemerkenswert.
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