Der Nister

Von meinen Besitztümern

Jiddische Erzählungen
Cover: Von meinen Besitztümern
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2023
ISBN 9783884236970
Gebunden, 260 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Jiddischen übersetzt und mit einem Nachwort von Daniela Mantovan. 1929 veröffentlichte der jiddisch-sowjetische Schriftsteller Der Nister seine letzte Sammlung symbolistischer Erzählungen, Fun mayne Giter (Von meinen Besitztümern), die zwischen 1923 und 1929 geschrieben wurden, in einer der kritischsten und instabilsten Perioden sowohl in Westeuropa als auch in der neu gegründeten Sowjetunion. Kurz danach wurde er wegen seines idiosynkratischen, symbolistischen Stils von sowjetischen Literaturkritikern scharf angegriffen, und ihm wurde für ein Jahrzehnt jede Veröffentlichungsmöglichkeit verwehrt. Das Aufeinanderprallen seiner elitären, beinahe religiösen Auffassung von Literatur mit der alltäglichen, rauen Realität des Literaturmarktes in der jungen Sowjetunion, zeichnet das Schaffen Des Nisters in den 1920iger Jahren aus. Im Mittelpunkt seiner damals heftig kritisierten Erzählung "Unterm Zaun" setzt er sich u.a. mit diesem Thema auseinander. Nisters Erzählung "Von meinen Besitztümern" wiederum ist die Auseinandersetzung mit einer gewalttätigen, unausweichbaren Macht, die das Individuum bedroht und ihm seine nackte Existenz abspricht, und somit eine erschütternde und nicht allzu verschlüsselte Anklage gegen den sowjetischen Staat. Doch finden sich auch unerwartete Themen in dieser Sammlung von Erzählungen, wie z.B. die leichtfüßige, märchenhafte Stimmung in der "Geschichte vom Grünen Mann", die die Sensibilität des Autors für die Natur und ihre Kreaturen offenbart. Eine andere Erzählung ist eine  Groteske, in der der Autor mit einer Prise scharfen Humors Vorurteile gegenüber Minderheiten entkräftet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.06.2024

Anlässlich eines nach knapp hundert Jahren nun auf Deutsch erscheinenden Erzählbandes rekapituliert Rezensentin Judith Leister noch einmal das Leben des großen sowjetjiddischen Dichters Der Nister, geboren 1884 als Pinches Kahanowitsch, dessen visionärer Schreibstil ihm nicht nur Freunde gemacht hat. Das liest Leister in Geschichten, die sie in ihrer Hermetik an Kafka erinnern und beispielsweise von "Mooswesen" handeln, die eine Prinzessin vor der Verfolgung eines anderen Herrschers beschützen sollen. Russland tritt in einer Geschichte als "gieriger Bär" auf, mit dem sozialistischen Realismus konnte sich Nister, dessen Familie zum Teil bei der Leningrader Belagerung und im Holocaust starb, nie anfreunden. Zeit, die Vorschläge des 1950 im Gulag gestorbenen Autors für eine "intellektuelle jiddische Kultur" wieder wirken zu lassen, meint die überzeugte Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.04.2024

Als den "Kafka der jiddischen Literatur" bezeichnet Rezensentin Susanne Klingenstein Pinkhes Kahanovitsch aka Der Nister, einen Schriftsteller, von dem nun eine Erzählsammlung in deutscher Übersetzung vorliegt. Diese Texte zu übersetzen, ist keineswegs einfach, legt Klingenstein anhand einiger Beispiele dar, weil sie voller Metaphern und hintergründigem Humor sind, von E. T. A. Hoffmann ebenso beeinflusst wie von der Kabbala. Daniela Mantovan, die Übersetzerin, die hier mit Studenten in Heidelberg zusammenarbeitete, hat die Aufgabe sehr gut gelöst, findet die Rezensentin, die sich im Weiteren darauf beschränkt, Nisters Lebensweg nachzuzeichnen.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.03.2024

Interessiert bespricht Rezensent Christoph Haacker diesen Band, der sechs Erzählungen des jüdischen Autors Pinchas Kahanovitsch veröffentlicht, allesamt - flüssig, aber möglicherweise etwas zu glatt - von Daniela Mantovan übersetzt. Der Nister, wie Kahanovitschs Pseudonym lautete, zählte sich selbst zu den Symbolisten, in den Geschichten, die ursprünglich 1929 publiziert wurden, fressen Bären Hände, ein Mann findet einen Lehmklumpen in seinem Gesicht, E. T. A. Hoffmann steht Pate, manchmal vermehren sich die Erzählperspektiven aber auch fast im Stil der Postmoderne, lernen wir. Untergründig schwingen jüdische Themen mit, aber auch die "albtraumhafte Bedrohung" durch den Stalinismus mit, erklärt der Kritiker. Das bemerkten auch die Leser: eine Hetzkampagne setzte ein, Kahanovitsch wurde 1948 verhaftet und starb zwei Jahre.
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