Herausgegeben von Dominika Bopp, Sascha Feuchert, Andrea Löw, Jörg Riecke, Markus Roth und Elisabeth Turvold. Eine zentrale Quelle aus dem Kontext der "Chronik des Gettos Lodz / Litzmannstadt". Winter 1943: Das Getto in Lodz/Litzmannstadt besteht seit über dreieinhalb Jahren, die Menschen sind verzweifelt, hungern und müssen für die Deutschen Zwangsarbeit verrichten. Die Absicht der Deutschen, auch die verbliebenen über 80.000 Menschen zu deportieren und zu töten, ist kaum mehr zu übersehen. In dieser Situation fassen die Mitarbeiter im "Archiv des Judenältesten" einen ungeheuren Plan: Sie wollen in einer Enzyklopädie ihre Erfahrungen weitergeben. Es ist der Versuch einer "lexikalen Kulturgeschichte des Gettos Litzmannstadt" (Oskar Rosenfeld), die Personen, Institutionen, vor allem aber die besondere Sprache dieser Zwangsgemeinschaft verzeichnen will. Die vorliegende erste Edition dieser wichtigen Quelle überhaupt präsentiert alle überlieferten Einträge in Originalsprache und deutscher Übersetzung. Die Texte sind ausführlich kommentiert und kontextualisiert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.01.2021
Der hier rezensierende Jens-Jürgen Ventzki, der als Sohn des NS-Ghetto-Verwalters in Lodz geboren wurde, beschreibt die durchaus komplizierte Geschichte dieser Aufzeichnungen - und lobt, dass sie im hinteren Teil des Buches ausführlich dargestellt wird. Ebenso gefällt ihm, dass die Herausgeber auch Fotografien aus dem Ghetto einbezogen haben, die, wie er findet, einen emotionalen Bezug erlauben. Ansonsten unterstreicht er vor allem, unter welch schwierigen Bedingungen dieses Wörterbuch der Ghettosprache, die auch der klandestinen Verständigung der Gefangenen diente, von todgeweihten Häftlingen erstellt wurde, und betont ihren Wert als "Zeitdokument".
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