Aus dem Französischen von Beate Thill. Die Erfahrung des Aufeinanderprallens verschiedener Kulturen in der Karibik, die Édouard Glissant in seiner Heimat Martinique gewann und die er mit dem Begriff »Kreolisierung« geprägt hat, hat ihm Anschauungsmaterial und gedankliches Handwerkszeug geliefert für eine Entwicklung, die sich nach seiner Einsicht im Weltmaßstab vollzieht. Er hat mit seiner These recht behalten, die Realität der Welt hat sich ihr gewissermaßen ständig angenähert und dies erklärt auch, warum sein vorliegender letzter Essay »Traktat über die Welt«in Frankreich so große Beachtung fand. Der Leser hat das Gefühl, hier behandelt ein Autor einmal wirklich umfassend das, was in Deutschland unter dem Schlagwort »Globalisierung» angstbesetzt ist, und zeigt dabei Wege auf, es gedanklich zu verarbeiten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2000
Tobias Döring hebt hervor, dass sich Glissant hier dezidiert gegen das Bemühen wendet, andere Kulturen "verstehen" zu sollen, da dies seiner Ansicht nach stets mit Vereinnahmung einher geht. Vielmehr trete er dafür ein, andere Völker auch "unbehelligt" zu lassen und favorisiere eine "Kreolisierung", die in einer Art konstruktiver Wechselwirkung verschiedener Kulturen besteht, und die auch in globaler Hinsicht von zunehmender Bedeutung sei. Diese Thesen findet der Rezensent zwar nicht neu, dennoch zeigt er sich angetan von Glissants "plastischer" Darstellung, insbesondere weil dieses Traktat eine stilistisch außerordentlich facettenreiche Zusammenstellung von "Essays, Lyrik und Prosa" sei. Auch die "kundige" Übersetzung gefällt dem Rezensenten sehr.
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