Zwischen 1870 und 1918 spannt sich das Panorama des Bandes: Nicht die politischen Differenzen, die nach dem Krieg von 1870/71 fortbestanden, stehen im Zentrum der Darstellung, sondern die Verbindungen und der Austausch zwischen Frankreich und dem Deutschen Kaiserreich. Denn beide Länder waren am Ende des 19. Jahrhunderts mit vergleichbaren Herausforderungen der Moderne konfrontiert, auf die sie zum Teil ähnlich, zum Teil verschieden reagierten. Der Erste Weltkrieg rückte die nationalen Antagonismen erneut in den Vordergrund. Die Gesellschaften durchliefen zwar gemeinsame Erfahrungen, das Erlebte wurde jedoch unterschiedlich interpretiert. Dabei gewann der deutsch-französische Konflikt links wie rechts des Rheins wieder an Bedeutung. Schwerpunkte des Bandes sind neben den beiden Kriegen die Besonderheit Elsass-Lothringens als Grenzraum, die Erfahrung mit den Kolonialimperien und der aufkommende Antisemitismus in beiden Ländern.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.05.2020
Hedwig Richter lernt mit dem Buch der Historikerinnen Mareike König und Elise Julien, dass Nationalgeschichten und ihr Vergleich untereinander wichtig bleibt, um die Gegenwart zu verstehen. Die deutsch-französische Geschichte zwischen 1870 und 1918 erzählen die beiden Autorinnen laut Richter mit "überraschenden Perspektiven" als "beeindruckenden Überblick". Die Rezensentin folgt der chronologischen Darstellung, um sodann in die Schwerpunkte Elsass-Lothringen, Antisemitismus und Kolonialismus und Krieg einzutauchen. Wie die Autorinnen über den aktuellen Forschungsstand und französische und deutsche historiografische Besonderheiten informieren und nüchtern eine Fülle an Wissen und Analysen anbieten, findet Richter außergewöhnlich. Ein an Einsichten (etwa über die Unzulänglichkeit nationaler Historiografie) reiches Buch, meint Richter.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.11.2019
Dem Kritiker Clemens Klünemann zufolge haben die beiden Historikerinnen Mareike König und Elise Julien ihren Anspruch, das Klischee von der "Erbfeindschaft" zwischen Deutschland und Frankreich durch eine differenzierte Analyse von gegenseitiger Einflussnahme, Gemeinsamkeiten und Unterschieden abzulösen, auch in ihrem siebten Band zum deutsch-französischen Verhältnis hervorragend verwirklicht. Indem sie zeigen, dass zwischen 1870 und 1918 nicht nur zwei deutsch-französische Kriege, sondern auch diverse fruchtbare Interaktionen und parallele Entwicklungen stattfanden, schreiben sie "gegen den Determinismus in der Geschichte - und in der Geschichtsschreibung" an, lobt der beeindruckte Rezensent.
Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Robert Menasse: Die Lebensentscheidung Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine "Lebensentscheidung" und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89.… Colin Walsh: Kala Aus dem Englischen von Andrea O'Brien. In der Küstenstadt Kinlough an der Westküste Irlands treffen drei alte Freunde nach Jahren wieder aufeinander. Im Sommer 2003 gehörten… Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes…