Nicht der Mensch spricht, sondern die Sprache. Dieser Befund Heideggers, der die Entmündigung des Menschen durch die Sprache konstatiert, sollte das Denken des 20. Jahrhunderts entscheidend prägen. Doch der Abgesang auf das sprechende Subjekt musste beinahe zwangsläufig den gegenläufigen Wunsch provozieren, dem entthronten Souverän wenigstens einen Teil seiner verlorenen Machtfülle zurückzuerstatten. Überraschenderweise wurden die groß angelegten Rettungsversuche ausgerechnet von Seiten derjenigen Denker unternommen, welche die Kritik am traditionellen Subjektbegriff zuvor am schärfsten betrieben haben. Anhand der Werke von Heidegger, Adorno, Foucault, Lacan und anderer wäre darum nicht nur die Geschichte der Entmündigung des Menschen durch die Sprache nachzuzeichnen, sondern es sollen vor allem auch die kompensatorischen Strategien, die auf eine Restaurierung des sprechenden Subjekts zielen, auf ihre Tragfähigkeit hin befragt werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2004
Gemeinhin werden Theoretiker wie Heidegger, Adorno, Foucault und Lacan dem - im Zeichen des Heideggerschen Diktums "Die Sprache spricht" stehenden - "linguistic turn" zugerechnet und aufgrund der "Subversion des Subjekts", die mit der Eigenmächtigkeit der Sprache einhergeht, als "Antihumanisten" angesehen, erklärt der mit "mim" zeichnende Rezensent. "Durchaus plausibel" findet er jedoch Erik Thomanns These, dass gerade jene Theoretiker auch erheblich an der "Konsolidierung" des Subjekts gearbeitet hätten. Was "mim" allerdings bezweifelt, ist dass die Darstellung dieser Konsolidierung des entmündigten Subjekts als "Kompensation" dem Anliegen dieser Theoretiker gerecht wird.
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