Von der Geburt bis zum Tod: Was weiß die Philosophie über die Stationen unseres Lebens? Was bedeutet es, auf die Welt zu kommen? Wir treffen Unterscheidungen und Bewertungen, noch bevor wir Begriffe bilden, sprechen und urteilen. Wir verlieben uns und begreifen, dass das Leben endlich ist. All das kann man philosophisch untersuchen: Entsteht da ein Subjekt? Warum braucht es einen "Sinn"? Wozu das alles? Kann man ein Leben mit all seinen Erfahrungen und Emotionen überhaupt in Worte fassen? Wenn wir uns aber nur über Ausschnitte unseres Lebens austauschen können, geraten Regeln und Zwecke ins Wanken, weil sie nur einen Teil unserer Existenz betreffen. Damit ist der Weg frei für eine Selbsterkundung, die eine größere innere Freiheit verspricht als die Jagd nach Zielen und die Suche nach Sinn.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2024
Angeregt, aber nicht in allen Punkten zustimmend liest Rezensent Dieter Thoma Michael Hampes Meditation über die Zwecklosigkeit, die für ihn etwas angenehm Mäanderndes, auch in seinem Duktus gegen die Zweckmäßigkeiten moderner Diskurse Gerichtetes hat. Es geht natürlich gegen Aristoteles und sein Telos. Alles muss für Aristoteles Zwecke haben, und auch wir setzen uns permanent Ziele. Dagegen empfiehlt Hampe Innehalten und entwickelt den Begriff der "Aufmerksamkeit", der zumindest in Thomas Rezension gewisse Ähnlichkeiten mit dem Begriff der "Achtsamkeit" nicht verbergen kann. So ganz traut Thoma Hampes Darlegungen dann nicht über den Weg. Zwecklosigkeit gilt für ihn nach der Lektüre als rehabilitiert, "aber sie ist ein Sonderfall und kein Wundermittel", meint der Kritiker. Als Allheilmittel etwa gegen die Todesangst mag er das Buch des Zürcher Philosophieprofessors am Ende nicht empfehlen, wohl aber als Inspiration für das eigene Denken.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 14.03.2024
Wozu? Damit ist die ganz große Frage gemeint, nämlich: Wozu das Ganze? Was ist der Sinn des Lebens, erläutert Rezensent Peter Neumann. Aber nicht von ungefähr stelle Autor Michael Hampe diese Frage im Ton eines "lyrischen Parlandos". Literatur werde Hampe hier zur Methode, denn sie - wie andere Kunstäußerungen - befreie den Menschen aus dem bloßen "Zweckesetzen" und "Zieleverfolgen". Aber man darf sich keine Illusionen über den Ernst der Angelegenheit machen: Die Freiheit, die Hampe hier meint, ist die absolute, nicht die bloß funktionelle, die in der Entscheidung besteht, ob man seine Bratwurst mit Senf oder Ketchup isst, warnt der Kritiker. Hampe ist wirklich Philosoph an der ETH Zürich und beschäftigt sich dienstlich mit der Prozessphilosophie des britischen Mathematikers Alfred North Whitehead, erläutert Neumann. Hier aber geht es wie nebenbei ums Eigentliche,das Innehalten, eine "Philosophie der Zwecklosigkeit", so der Rezensent, für den dieses Buch eine "Einübung in Aufatmen" ist.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…