Mehr als die Bibel hat Dantes "Göttliche Komödie" unsere Vorstellung von Hölle und Paradies geprägt. Wie konnte ein Werk italienischer Sprache aus dem 14. Jahrhundert, das schon Zeitgenossen nur mit Hilfe von Kommentaren entschlüsselten, ein globales Kulturgut werden? Wie gelangte etwa Dantes Herrscher der Hölle, Luzifer, in japanische Manga? Die Romanistin Franziska Meier folgt der verschlungenen Geschichte dieses Jahrtausendbuchs, an dessen Ruhm nur Homers Odyssee und Shakespeares Dramen heranreichen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2021
Rezensent Niklas Bender erkennt die ungebrochene Gültigkeit von Dantes "Göttlicher Komödie" in dieser Rezeptionsgeschichte der Romanistin Franziska Meier. In vierzehn Kapiteln nimmt ihn die Autorin mit auf eine flüssig erzählte Reise durch Literatur und Kunst, begonnen in der italienischen Renaissance über die avantgardistische Moderne bis in die Gegenwart. Der Kritiker erfährt von Voltaires Abneigungen gegenüber der Commedia, betrachtet Rodins Bearbeitung des Stoffes, liest mit besonderem Interesse von den Dante-Bezügen in Darstellungen der Konzentrationslager, etwa bei Primo Levi oder Martin Walser und freut sich, dass Meier auch die Dante-Rezeption in Computerspielen und Mangas nicht ausspart. Gern hätte Bender zwar noch ein wenig mehr darüber erfahren, welche Aspekte der Komödie in der Rezeption besonders hervorgehoben wurden. Dennoch empfiehlt er den Band nachdrücklich als Werk von "intellektueller Prägnanz" und "informativer Weitläufigkeit".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.07.2021
Rezensent Gustav Seibt hebt das Gute an Franziska Meiers Buch hervor, das die Rezeptionsgeschichte von Dantes "Göttlicher Komödie" nachzeichnet. So gefällt ihm die Fülle in der Knappheit und dass Meier Populärkultur wie außereuropäische Literaturen miteinbezieht. Eine anregende Literaturliste, findet er. Allerdings scheint ihm der Untertitel des Buches irreführend, weil Meier eben keine "historisch-genetische" Abhandlung schreibt, wie Seibt richtigstellt, sondern in lockerer, eher thematisch geordneter Kapitelfolge vorgeht. Weil sie außerdem lieber paraphrasiert als zitiert (Borges etwa) kann sie die Dante-Rezeption für den Rezensenten nicht so richtig zum Leuchten bringen.
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