Georges Perros

Klebebilder

Cover: Klebebilder
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2020
ISBN 9783957576910
Gebunden, 900 Seiten, 58,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen und mit Anmerkungen von Anne Weber. Georges Perros notiert, ebenso frenetisch wie faul, ebenso verwegen wie verzweifelt. Alles kann zum Anlass werden: Gelesenes nicht weniger als das gewöhnliche Leben, der ganz normale Wahnsinn. Er notiert voller Witz, er kalauert, er gaukelt nicht weniger als er moralisiert. Nie schreibt er, was er will, aber immer nach Lust und Laune. Vor allem: Er erspart sich nichts, geht immer aufs Ganze. Vielleicht hat nie jemand das Leben mehr geliebt, "das Gedicht des Menschen ohne Gedicht, aber strotzend vor Poesie". Die Vorstellung, seine wie unter Schreibzwang zu Papier gebrachten Notate in einem Buch zu versammeln, war Perros stets ein Graus. Nur aus schierer Geldnot ließ er schließlich die Veröffentlichung einer sorgfältig montierten und überarbeiteten Auswahl aus seinen Notizen zu.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.08.2020

Sehr liebevoll bespricht Paul Jandl diese Sammlung von Notizen, Aphorismen und Betrachtungen, dabei lobt er insbesondere die Übersetzung von Anne Weber. Seinen "Sound aus Glück und Trauer" habe die Dichterin auf wunderbare Weise übertragen  und hörbar gemacht. Wirklich überzeugend ist für den Kritiker die Haltung des Autors zur "Vergeblichkeit" von allem, die er durch sein Leben weit entfernt von Paris und sein Schreiben fern des Literaturbetriebs offenbar beglaubigt findet.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 13.06.2020

Wolf Lepenies sieht in Georges Perros einen Verwandten Lichtenbergs. Perros' Aphorismen über Autoren, Maler, Musiker erinnern ihn an die "Sudelbücher", virtuos in der Verknappung, schonungslos, selbstironisch, empathisch und enthüllend. Dass im Zentrum der erstmals 1978 veröffentlichten Texte der menschliche Charakter steht, nicht so sehr der gesellschaftliche Wandel, scheint Lepenies Ausweis dafür zu sein, dass der Autor sich in der Tradition der französischen Moralistik bewegt. Für Lepenies ein wiederzuentdeckendes Meisterwerk, voller "Lebensscharfsinn" und Menschenkenntnis.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 09.06.2020

Rezensentin Maike Albath lässt sich gern durchschütteln von den erstmals auf Deutsch erschienenen Notizheften des französischen Autors George Perros. Mit großem Vergnügen taucht die Kritikerin ein in die hier versammelten "Mikro-Geschichten, Bewusstseinsexplorationen", Zitate, Gedichtzeilen und Beobachtungen zu Natur, Frau und Mann und bewundert das Aphoristische, Humorvolle, mitunter "Surrealistische" der Notate. Das größtes Lob der Rezensentin geht allerdings an die Schriftstellerin Anne Weber, die nicht nur den schönen Titel "Klebebilder" ersonnen hat, sondern auch für Perros grandiose Sprachbilder Übersetzungen wie "Katastrophenfische" oder "das dicke Gemüse der Kunst und Literatur" für "Liebe" gefunden hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.05.2020

Zunächst einmal muss Rezensent Eberhard Geisler seine Ratlosigkeit eingestehen - und reizt unsere Neugier mit einem Rätsel, dass sich hier nämlich etwas Bedeutendes "etwas scheinbar Schwachem" verdanke. Bedeutend, so stellt der Kritiker gleich fest, ist dieses Werk. Aber was ist das Schwache? Vielleicht das "Lebensgefühl" des Dichters, überlegt Geisler. Diese Sammlung aus Notaten, Porträts und Gedichten vermittelt ihm die große Sprach- und Literaturbegeisterung wie auch -skepsis des Schauspielers aus dem Pariser Arbeitermilieu. Der hatte sich, so erfahren wir hier, 1959 in ein Dorf zurückgezogen und war 1978 an Kehlkopfkrebs gestorben. Die deutlichste Vorstellung von den Texten gibt uns der Kritiker durch Zitate, die die eigene Kindheit als "Kern" des Schreibens ausmachen; der damals erlebten Intensität der Wahrnehmung folge ein Zwang zu "höchster Intelligenz", so zitiert er den Schriftsteller. Geisler folgt mit Staunen den Sprachspuren des Autors, die dieser immer wieder gleich zuzuschütten scheint. Er empfiehlt allen, und besonders künftigen Schriftstellern die Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 11.03.2020

Rezensent Christian Metz ist ganz bezaubert von Georges Perros' Notaten, Aphorismen, Reflexionen und Essays vom Rand des Schweigens. Wie eine Zeitreise in das existentialistische Frankreich der 1970er erscheint ihm das Buch. Wenn der Autor mit Hölderlin, Kierkegaard, Heidegger und Sartre, aber auch mit Valéry, Mallarmé, Montaigne und Rousseau daran geht, über die Unmöglichkeit zu leben nachzudenken, spürt Metz die Existenz- und Sprachskepsis des Autors, aber auch seine unbändige Lebenslust, die sich bis in die "chiastische" Satzstruktur auswirkt, wie der Rezensent feststellt. Anne Webers "feinsinnige" Übersetzung macht die Lektüre dieser "schmerzhaft-schönen" Notate für Metz noch reizvoller.