In zehn teils aphoristischen, teils erzählerischen Texten lotet Giorgio Agamben den Raum des Menschlichen aus: in seiner Beziehung zu Erinnerung und Spiel, zur Religion, zur Sehnsucht nach dem nicht Erinnerbaren, nach dem, was wir als unser "Genie", unsere Autorschaft, unser Ich empfinden. In keiner anderen Form als der des Unerhörten, immer Flüchtigen ist es zu fassen, als Bild, als Einbildung. Worin aber besteht dann die Aufgabe des Menschen? In der Profanierung der metaphysischen Residuen unserer sogenannten Individualität. Das ist nach Agamben streng von einer Säkularisierung zu unterscheiden, die die Machtverhältnisse lediglich von Gott auf die Menschen überträgt und somit im Grunde alles beim alten beläßt. Die Profanierung löscht das Heilige nicht aus, sondern lässt es wie in einem Suchbild entstellt, verrätselt, aber auch mit neuer Leichtigkeit fortleben - so wie der Ritus fortlebt im Spiel.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2005
Kritisch geht Rezensent Jürgen Kaube mit dem "philosophischen Erfolgsschriftsteller" Giorgio Agamben und dessen neuen Band "Profanierungen" ins Gericht. Er hält ihm vor zu suggerieren, "man könne die Wissenschaft überspringen und aus einer Exzerptensammlung heraus - sie muss nur idiosynkratisch genug zusammengestellt sein - die Welt abschließend kommentieren". Die zehn Stücke des Bandes, die Themen wie die Idee des Genius, die Fotografie, das Genre der Parodie, das Wünschen und die Kategorie des Bildes, den Zusammenhang von Zauberei und Glück und so weiter behandeln, zeichnen sich für Kaube negativ dadurch aus, dass sie Argumentation durch Feststellung ersetzen, Unklarheiten produzieren und permanent den Eindruck erwecken, es gehe um Außerordentliches, Letztentscheidendes. Über einen Sachverhalt nachzudenken, ohne nach eigenem Geschmack zusammengestellte theologische Versatzstücke einzurücken, falle Agamben schwer, alles unterhalte einen Bezug zum Jüngsten Gericht, zu göttlichen Sendboten, zum Paradies und so weiter. "Hier genießt ein Connaisseur der letzten Dinge und lässt dabei Aphorismen seiner Lieblingsintellektuellen wie einen Rosenkranz durch seine Finger gleiten", befindet Kaube über diesen "Remix aus Carl Schmitt und Benjamin, Heidegger und Foucault".
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