Mit 97 s/w- und 16 farbigen Abbildungen. Kokoschkas Exiljahre in Prag und London und seine Gemälde aus der Kriegszeit stehen im Mittelpunkt dieser Publikation. Mit seinen politischen Allegorien reagierte er u. a. auf seine Diffamierung im Rahmen der Nazi-Aktionen gegen "entartete Kunst". Ausführlich behandelt wird der Künstler als politischer Aktivist in Prag und in London, wo er Präsident des "Freien deutschen Kulturbundes" war. Der großen Wiener Kokoschka-Ausstellung 1937 und den sie begleitenden politischen Machenschaften ist ein eigener Abschnitt gewidmet. In diesem Zusammenhang geht es auch um Ferdinand Bloch-Bauer, seinen damaligen Auftraggeber und Mäzen. "Kunst im Kalten Krieg: OK und das Nachkriegsösterreich" heißt ein eigenes Kapitel, das etwa die verschlungene Geschichte von Kokoschkas Porträt des Wiener Bürgermeisters Theodor Körner behandelt. Viktor Matejka, der "rote Stadtrat" einerseits und der "Ariseur" Friedrich Welz, Kokoschkas Galerist, andererseits bilden die hier untersuchten Pole seiner Biografie nach 1945. Zuletzt wird auch die konservative Wende des Künstlers behandelt, die ihn in seiner wütenden Gegnerschaft zu Picasso und den "Abstrakten" zeigt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2003
Offenbar sehr zufrieden ist Thomas Zaunschirn mit diesem Buch. Die fachkundigen Herausgeber Patrick Werkner und Gloria Sultano haben hier eine umfassende Sammlung an Quellen zusammengestellt und kommentiert, ihr "von Klischees befreiter Blick" richte sich auf eine schwierige Phase im Leben des Künstlers Kokoschka: der Stigmatisierung als entarteter Künstler, dem englischen Exil, dem Misserfolg seiner politischen Allegorien. Reich an Quellen und an Bildern ist dieses Buch und somit ein "nützliches Nachschlagewerk", das allerdings teilweise auch ein wenig unübersichtlich ist, meint unser Rezensent.
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