Aus dem Spanischen von Angelica Ammar. Eine ungewöhnliche Schachpartie gegen den erst kürzlich zugezogenen Mitabiturienten Roderer erschüttert den sonst siegesgewissen Ich-Erzähler des Buches. Vor allem die demütigende Unausweichlichkeit der Niederlage - Figur um Figur eliminierte Roderer vom Spielfeld, um erst ganz am Ende den Todesstoß zu setzen - ist es, die den Erzähler irritiert: obwohl selbst hochintelligent, muss er sich eingestehen, dass er der intellektuellen Unerbittlichkeit Roderers nicht gewachsen ist. Doch in die neidvolle Bewunderung für das Genie mischt sich die Ahnung einer Tragödie: denn während er sich selbst immer mehr mit den Gegebenheiten der Welt arrangiert, beobachtet er, wie Roderer sich immer stärker vom Leben entfernt.
Rezensentin Bettina Baltschev hält Guillermo Martinez' kleinen Debütroman von 1992 bei aller Knappheit für ein faszinierendes Stück Literatur. Die von Martinez entworfene faustische "Versuchsanordnung" einer Schachpartie und eines Disputs zweier intellektueller Kontrahenten über existenzielle Fragestellungen zur Erfassung der Welt (natur- oder geistewissenschaftlich) fesselt Baltschev trotz ihrer gestalterischen Schwächen. Dass die Figuren eher blasse Funktionsträger bleiben, kann die Rezensentin verschmerzen angesichts eines eleganten Stils und so grundstürzender Fragen und Erkenntnisse.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2009
Den Autor nennt Martin Halter hemmungslos einen Meisterschüler Cortazars und Borges'! Guillermo Martinez' spät übersetzte Fortsetzung seines Romans "Die Pythagoras-Morde", die den Erzähler-Detektiv als "normales Wunderkind", die titelgebende Figur jedoch als weltabgewandtes mathematisches Genie zeigt, trägt laut Halter das Axiom der Askese bis in ihre Formensprache. Kopflastig unterkühlt erscheint ihm der Text und zugleich im Stil einer klassischen Novelle gebaut. Ihre sprachliche Eleganz und die spürbare Lust am literarischen Vexierspiel lassen Halter sie der Tradition der argentinischen Fantastik zuordnen. Dass Martinez seine Geschichte von Genie und Wahnsinn so nüchtern wie schwerelos zu erzählen vermag, "ohne Pathos und Psychologie", ist dem Rezensenten fast ein bisschen suspekt.
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