Gustave Flaubert

Lehrjahre der Männlichkeit

Geschichte einer Jugend. Roman
Cover: Lehrjahre der Männlichkeit
Carl Hanser Verlag, München 2020
ISBN 9783446267695
Gebunden, 800 Seiten, 42,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen neu übersetzt von Elisabeth Edl. Die "Éducation sentimentale" wurde nach "Madame Bovary" Flauberts zweites Meisterwerk: Frédéric Moreau ist achtzehn, und es wird ernst. Auf einem Seine-Dampfer verliebt er sich sofort und lebenslänglich. Doch Madame Arnoux ist verheiratet! Der Held tröstet sich mit Rosanette und stolpert in die 48er Revolution, die eine ganze Gesellschaft aus der Bahn wirft. Flaubert folgt ihm zu den verwirrenden Frauen und den langweiligen Männern, bis hin zu dem berühmten, illusionslosen Schluss: Ja, wenn das Männlichkeit sein soll …

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 28.10.2020

Rezensent Wolfgang Schneider ist voll des Lobs für diese Neuübersetzung von Elisabeth Edl. Sie trifft seiner Meinung nach sowohl die Ironie Flauberts als auch dessen Präzision bei der Wortwahl. Manchmal wird ein Satz dadurch umständlicher als nötig wäre, so Schneider. Aber insgesamt scheint er mit dieser Übersetzung sehr glücklich zu sein. Dazu trägt auch der umfangreiche Anmerkungsteil bei, der ihm die "historischen Dimensionen" des Romans kundig auffächert.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 24.10.2020

Ernst Osterkamp feiert Elisabeth Edls Neuübersetzung von Gustave Flauberts Roman. Schon in der Änderung des Titels steckt für ihn Edls kluge Kenntnis und Deutung des "geliebten Buches", in dem der Autor laut Osterkamp die ganze politische Dynamik seiner Epoche festhält und ein unerreicht "böses Abbild" der Gesellschaft zeichnet, unerbittlich in seiner Unparteilichkeit, so Osterkamp. Die gesamte Wirklichkeit des 19. Jahrhunderts mit all ihren Figuren, vom Handelsgehilfen über den Revolutionär bis zum korrupten Winkeladvokaten, wird bei Edl zu einem "vollkommen gegenwärtigen Buch", erkennt der Rezensent. Edls Differenzierungsvermögen und ihr Wissen über die verhandelte politische und kulturelle Wirklichkeit, das der Rezensent auch im Nachwort und im Kommentar bestaunen kann, scheinen Osterkamp preisverdächtig.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.10.2020

Ein großes Lob von Rezensent Jürgen Ritte für diese Neuübersetzung durch Elisabeth Edl. Ganz besonders angetan hat es ihm die Musikalität der Sprache, die Edl aus Flauberts besonderem Französisch ins Deutsche hinübergerettet habe. So viel Poesie und Rhythmus! Über ihre Entscheidung, den französischen Titel "Education sentimentale" so eindeutig geschlechtsspezifisch zu konnotieren, findet Ritter gewagt, für ihn ist es eher eine These als ein gültiger Titel, aber dank der ausführlichen Erklärungen der Übersetzerin kann er die Entscheidung immerhin nachvollziehen. Am Ende zieht der Kritiker tief den Hut für das Projekt der Neuübersetzung Flauberts.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.10.2020

Elisabeth Edls Übersetzung von Gustave Flauberts "Educatión sentimentale" ist "gut", meint Rezensent Stephan Wackwitz, womit er sagen will: Zumindest ist sie nicht schlecht, und das ist so gut, wie eine Übersetzung eben sein kann. Früheren Übersetzungen steht Edls Version in nichts nach, hat ihnen jedoch auch nichts voraus, so Wackwitz, womit sie zumindest an ihrem Anspruch scheitert, eine kanonische Version zu bieten. Den Titel beschreibt der Rezensent außerdem als eher verfehlt, da er der Tradition folgt, Flauberts "Lehrjahre" mit den "Lehrjahren" Goethes kurzzuschließen - eine Verbindung, die schon immer auf einem Missverständnis beruhte. Außerdem stört sich der Rezensent ein wenig an jenen Stellen, wo Edls Wunsch nach Aktualisierung allzu deutlich wird. Dafür besticht die neue Ausgabe durch eine prunkvolle Aufmachung, sowie das sachkundige Nachwort und ausführlichen  Anmerkungsapparat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2020

Rezensent Andreas Isenschmid ergießt sich in Lobeshymnen und Superlativen angesichts der Neuübersetzung von Gustave Flauberts Roman durch Elisabeth Edl. Flauberts Präzision und Rhythmus wurde "nie" derart gekonnt übertragen, meint er. Ebenso überschwenglich lobt der Rezensent das Nachwort und den Anmerkungsteil. Flauberts "kühle Objektivität" und sein "Genauigkeitsethos" kommen für ihn erstmals vollendet auch auf Deutsch zur Geltung. Die Lehr- und Liebesjahre des Frederic Moreau und die Zeit von 1840 bis 1851, wie sie Flaubert laut Rezensent soziologisch repräsentativ abbildet - so sollen sie erzählt und gelesen werden, findet Isenschmid.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2020

Rezensent Georg Oswald empfiehlt Gustave Flauberts Klassiker in der Übersetzung von Elisabeth Edl. Der Roman liest sich für Oswald, als wäre er auf Deutsch geschrieben worden. Was für ein Kompliment! Nicht nur erfasst Edl Flauberts "bittere Komik", sie bildet seine Sprache, die nicht "aufdringlich historisiert", wie Oswald anmerkt, getreu ab. Dem Antihelden Moreau "in Zeitlupe" beim Scheitern zuzusehen und Flauberts intime Kenntnis der Bourgeoisie und ihrer Verfehlungen werden so für Oswald zum zeitgemäßen Vergnügen, auch wenn all das Geschehen im Text "beinahe folgenlos" bleibt, wie er feststellt.
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