Bücher der Saison

Hörbücher

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
12.04.2021. Brecht probt Gallilei 1955/56 - ein grandioses Stück Theatergeschichte! Karsten Reise erzählt vom Watt. Ulrich Noethen, Katharina Thalbach und Rolf Boysen erzählen einhundertfünf Sagen. Gelesen werden auch Romane von Flaubert, Orwell und Murakami.
Klassiker zuerst: Elisabeth Edls Neuübersetzung von Flauberts "Lehrjahren der Männlichkeit" (bestellen) wurde im letzten Jahr mit viel Lob bedacht. Der Klassiker des vor 200 Jahren geborenen französischen Autors erzählt von den Lehr- und Liebesjahren des 18-jährigen Frederic Moreau in den Jahren 1840 bis 1851. Auch die - gestraffte - Hörspielfassung (bestellen) wird in der FAZ empfohlen: Sinnlich und dynamisch findet Kritikerin Irene Bazinger die Szenen, tragfähig den Spannungsbogen und kunstvoll die Gesamtkomposition. Auch George Orwells "Farm der Tiere" (bestellen) erscheint dem FAZ-Kritiker Wolfgang Schneider in der neuen Hörbuchversion überaus frisch. Leser Christoph Maria Herbst meide jede Märchenassoziation, lasse dafür immer wieder sein komödiantisches Talent durchscheinen. Beeindruckend, findet der Rezensent.

Die dunklen Winterabende, für die Wolfgang Schneider (FAZ) diese ungekürzte Hörbuchfassung von Haruki Murakamis "Chroniken des Aufziehvogels" (bestellen) empfohlen hat, sind jetzt zwar vorbei, aber gruseln kann man sich schließlich auch im Frühjahr. Der Autor tritt uns in der Geschichte um einen "verbummelten" Thirtysomething einmal mehr als raunender Metaphysiker entgegen, so Schneider, der vor drastischen Gewaltszenen im Text warnt, die Sprecher David Nathan kongenial vermittelt. Zimperlich war man in früheren Jahrhunderten auch nicht gerade. Dennoch lässt sich FAZ-Rezensentin Irene Bazinger genussvoll auf ein "akustisches Moosbett aus Erinnerungen und Erwartungen" ein: "Die große Sagenreise" (bestellen) mit einhundertfünf Sagen aus dem deutschsprachigen Raum mit hervorragenden Lesern wie Ulrich Noethen, Katharina Thalbach, Rolf Boysen, Gert Heidenreich, so die hingerissene Kritikerin. Ganz ohne Geräuschkulissen kommen die Texte wunderbar zur Geltung, lobt sie.

Zwei Hörsachbücher seien noch empfohlen: "Brecht probt Galilei. 1955/56" (bestellen) - das ist Theatergeschichte!, jubelt Rezensent Alexander Cammann in der Zeit. Er ist hin und weg von dieser Aufnahme, für die Regisseur Stephan Suschke aus 100 Stunden Probenmitschnitt diese "faszinierenden" zweieinhalb Stunden destilliert hat. Die Intensität, aber auch der Spaß, mit dem geprobt wird, beeindrucken den Kritiker enorm. In der SZ ist Christine Dössel, die auch das Begleitbüchlein, das ein "feine, fünfzigseitige" Begleitbuch lobt, einfach hingerissen. Auch wenn Brechts Stimme manchmal unangenehm "grell" sei, was er sagt und dass er eine so genaue Vorstellung hat, mit der er den Schauspielern ständig in die Parade fährt, hat ja seine Gründe, erkennt sie. "Mit dem Meer leben" (bestellen). Der Zoologe Karsten Reise erzählt so kurzweilig von Watt, Dünen und Deichen, dass Rezensent Alexander Kosenina (FAZ) förmlich nachts das Geißeltierchen leuchten sieht. Die lehrreichen Geschichten über Blaualge, Wattwurm und Co. eröffnen dem Kritiker zudem einen ganz neuen Blick auf die vertraute Küstenlandschaft.

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