Für Hans Blumenberg bedeutete Fragen nach Goethe eine unablässige, vor allem aber genußvolle Auseinandersetzung. In seinem facettenreichen, aus dem Nachlaß veröffentlichten Goethe-Buch zu Leben, Werk und Wirkung stellt er das klassische "jugendlastige" Bild Goethes in Frage.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999
In einer sehr genauen und ausführlichen Kritik gibt Ernst Osterkamp zu verstehen, warum es sich lohnt, diese nachgelassenen Fragmente des 1996 verstorbenen Philosophen lesen, obwohl sie sich nun doch nicht zu dem großen Goethe-Buch zusammenfügen, das man sich von Blumenberg erhoffte. Nach Ansicht des Rezensenten ist Blumenberg so von Goethe fasziniert, weil er in seinem langen Alter gegen den Zeitgeist kämpfte, der treulos geworden war, und dennoch in der Suche nach dem "Sinn des Lebens" nicht aufgab und auch seinen "Faust" noch vollendete. Wesentlich sei dabei, so versteht Osterkamp Blumenberg, das Thema der Distanz zu sich selbst, auf das hin Blumenberg Goethe ausschließlich lese. Über Goethes Dichtungen sei darum in diesem Buch nichts zu erfahren, wohl aber über die Frage, warum es sich noch lohnt, Goethe zu lesen.
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