Urlaub zu Hause verbringen: Den meisten von uns ist der Gedanke so fremd wie früheren Generationen die Vorstellung einer Auslandsreise. Dabei ist Daheimbleiben kein Bekenntnis zur Langeweile, sondern die Möglichkeit, genau das zu finden, was wir in der Ferne oft vergeblich suchen: uns selbst. Es ist außerdem ein Akt der Rebellion - gegen Jetlags, CO2-Irrsinn und den Irrglauben, der geistige Horizont eines Menschen korreliere mit seinem Meilenkonto. Das beste Rezept gegen Stau ist immer noch, gar nicht erst loszufahren; man muss nur etwas mit sich und seiner Zeit anzufangen wissen. Harriet Köhler zeigt uns, wie wir zu Entdeckern in unserer Stadt werden, zu Weltenbummlern im eigenen Viertel und zu glücklichen Urlaubern in der eigenen Wohnung.
Dass die "Gebrauchsanweisung fürs Daheimbleiben" ein halbes Jahr vor der Zeit der Isolation erscheint, ist purer Zufall, erklärt Rezensent Manfred Kriener vorweg. Es wurde vor dem Ausbruch der Corona-Krise geschrieben und eigentlich als Plädoyer gegen Reise- und Flugwahn. Kriener hat das Buch als feinsinniges Plädoyer für die Entdeckung des Nahen erlebt - etwa beim Aus-dem-Fenster-Gucken, Sich-Nassregnen-Lassen oder Einfach-mal-Nichtstun. Der Kritiker hat die Lektüre des, wie er findet, schwungvoll geschriebenen und mit literarischen, philosophischen und wissenschaftlichen Einschüben angereicherten Buchs sehr genossen und ist auch für seine meditativen Impulse dankbar.
Rezensentin Katrin Bettina Müller fühlt sich inspiriert durch die lange vor Corona verfasste Anleitung zum Ausstieg aus Leistungsdruck, Selbstoptimierung und Reisezwang von Harriet Köhler. Wie sich der Kapitalismus sabotieren lässt, vermittelt ihr die Autorin mit "diebischem Spaß" in 14 kurzen Kapiteln mit Titeln wie "Offline gehen". Dass Köhler ihre eigenen Erfahrungen mal wissenschaftlich, mal kulturhistorisch untermauert, gefällt Müller gut, auch wenn der Text den ein oder anderen Widerspruch birgt, wie sie feststellt, und die Haltung des Verzichts manchmal "hochstaplerisch" rüberkommt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.12.2019
Theresa Hein kann durchaus etwas lernen mit Harriet Köhler Anleitung zum Nichtstun in den eigenen vier Wänden. Dass es nicht immer die Transatlantikreise sein muss, sondern ein Besuch der Pinakothek oder ein Tag im Bett auch den Horizont erweitert, vermag die Autorin der Rezensentin ohne moralischen Zeigefinger in Richtung "Overtourism" und ohne Verschweigen der eigenen Reisesucht zu vermitteln. Den Luxus, untätig zu Hause zu bleiben, wird sich Hein künftig öfter mal gönnen.
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