Mit seinem Auschwitz-Diskurs legt Jean Améry (1912-1978) der westdeutschen Nachkriegsliteratur und Erinnerungskultur ein einzigartiges Fundament. Er schreibt über Auschwitz wie über ein Phänomen, das nur über die körperliche Erinnerung der jüdischen Nazi-Opfer an die erlebte Vernichtung erfasst werden kann. Seine Werke entfalten eine philosophische Theorie der Moral nach Auschwitz, eine Ethik der Erinnerung. Sylvia Weiler untersucht diese Ethik erstmalig in ihren phänomenologischen Bezügen anhand aller Essay-Bände Jean Amérys, die zwischen seinem Eintritt in den westdeutschen Literaturbetrieb 1966 und seinem Freitod 1978 entstanden sind. Zudem vollzieht sie die Genese dieser Ethik vor dem Hintergrund der Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts nach, wozu sie sämtliche Arbeiten aus dem Améry-Nachlass auf ihren erinnerungspolitischen Gehalt hin analysiert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.10.2012
Mit Sylvia Weilers neuem Buch "Jean Amérys Ethik der Erinnerung" hat Rezensent Ludger Lütkehaus eine sorgfältige und durchaus lesenswerte Untersuchung zum Leben und Werk des österreichischen Schriftstellers gelesen. Der Rezensent erfährt hier nicht nur viel über die Hintergründe der Namensänderung Amérys, der seine frühen Texte noch unter seinem bürgerlichen Namen Hans Mayer veröffentlichte, sondern lobt auch Weilers tiefgehende Recherchen zu den philosophischen Quellen in Amérys Werk: Neben Sartres existentialistischer Ethik des Selbst- und Weltentwurfs mache die Autorin auch auf die Bezüge zu Adornos Auschwitz-Diskurs aufmerksam. Mit großem Interesse liest der Rezensent auch die von Weiler präzise rekonstruierten Gedanken Amérys über die Geschichte eines während der Naziherrschaft "verwundeten Körpers", der nur noch von sich und seiner "inkorporierten Erinnerung" weiß.
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