Mit Siegfried Kracauer hat sich ein Philosoph in die Reihen der Journalisten begeben, und das war ein außerordentlicher Glücksfall. Wie kaum einer der Zunft stellte er sich dem Grundproblem allen journalistischen Tuns der Frage nämlich, was Wirklichkeit sei und wie sie darstellbar wäre. Kracauer entwickelte in den 1920er und frühen 30er Jahren als Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Zeitung eine eigenwillige und, wie sich schnell zeigte, sehr fruchtbare journalistische Methode. Sie basiert auf einem anschmiegenden Denken, das nicht von einer theoretischen Warte aus auf die Dinge hinabsieht, sondern umgekehrt die Einsichten in engster Tuchfühlung mit dem Material gewinnt und sie durch die Dinge hindurch zur Darstellung bringt. Helmut Stalder untersucht die philosophischen Grundlagen von Kracauers Journalismus, seine Absichten und Strategien und konfrontiert die kracauersche Konzeption mit dem Journalismus von heute. So führt die Studie aus der Zeit der Weimarer Republik mitten in die Aktualität hinein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.08.2003
Rezensent Oliver Pfohlmann ist ausgesprochen beeindruckt von Helmut Stalders Dissertation über Siegfried Kracauers Zeit bei der Frankfurter Zeitung. Als "Profunde" und "spannend zu lesen" lobt er die Dissertation, die ebenso die Geschichte der Frankfurter Zeitung untersucht wie Kracauers journalistisches Werk aus der Zeit von 1921 bis 1933, seine Feuilletonkonzeption und die philosophischen Ursprünge des Soziologen, Filmtheoretikers, Kritikers und Literaten. Fast überflüssig zu erwähnen ist, wie hingerissen Rezensent Pfohlmann von Kracauers Feuilletons ist, die es verstanden hätten, "gewohnte Alltagsbilder zu sprengen" und sie bedeutungsvoll wiederzusammenzusetzen. So macht Stalders Studie dem Rezensenten schmerzhaft bewusst, dass solche Ausnahmejournalisten wie Kracauer heutzutage "nötiger denn je" wären.
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