Jean-Baptiste Andrea

Was ich von ihr weiß

Roman
Cover: Was ich von ihr weiß
Luchterhand Literaturverlag, München 2025
ISBN 9783630878003
Gebunden, 512 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Thomas Brovot. ."Über manches, was uns fehlt, kommen wir nie hinweg." Im großen Spiel des Schicksals hat Mimo - Michelangelo Vitaliani - die falschen Karten gezogen. In Armut geboren, wird er als kleiner Junge zu seinem Onkel nach Italien gegeben, um das Handwerk eines Bildhauers zu erlernen. Dort, in dem kleinen ligurischen Dorf Pietra d'Alba, begegnet er Viola, Tochter aus gutem Hause und jüngstes Kind der Orsinis, einer angesehenen Adelsfamilie. Viola scheint vom Glück begünstigt zu sein, doch sie ist eine junge Frau, die nicht in die Zeit passt. Sie will "fliegen" - auf eigenen Beinen stehen, aus dem engen gesellschaftlichen Korsett ausbrechen, das für eine Frau ihres Standes nur die Ehe vorsieht. Von ihrer ersten Begegnung an durchleben Viola und Mimo Seite an Seite die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, den Aufstieg des Faschismus und die Unruhen der Weltkriege. Er, der ungewöhnlich kleine Bildhauer, wird ein von der Elite gefeierter Künstler; sie versucht unermüdlich, ihre Träume als emanzipierte Frau zu verfolgen. Beide werden sich immer wieder verlieren und finden, als Verbündete oder Gegner, ohne ihre Freundschaft jemals aufzugeben. Aber was nützt Mimo aller Ruhm, wenn er Viola am Ende doch ziehen lassen muss?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2025

Mit diesem Roman hat Jean-Baptiste Andrea 2023 den Prix Goncourt gewonnen, erinnert Rezensent Niklas Bender: Unterhaltsam und doch mit Sinn für historische Hintergründe handelt das Buch von Michelangelo Vitaliani, der 1986 in einem Kloster im Sterben liegt und sein Leben zwischen Kunst, Klerus und Romanze rekapituliert. Er wird von seinem Onkel als Bildhauer ausgebildet und vor allem ausgebeutet, bis er nach Florenz zur Familie Orsini kommt und sich in deren gleichaltrige Tochter Viola verliebt, resümiert Bender. Wir erfahren im Folgenden sowohl, was es mit dem Niedergang der Familie Orsini auf sich hat als auch, wieso es mit Viola und Michelangelo nicht klappt. Auch der italienische Faschismus spielt in der Geschichte eine Rolle. Am besten gefällt dem Kritiker die Lebendigkeit, mit der Michelangelos Kunstwerke geschildert werden: So wird etwa eine Petrus-Skulptur beschrieben, "der vor Schreck zitterte angesichts seiner Aufgabe" und dessen "alte Hände (…) ihn soeben im Stich gelassen hatten". Die Skulpturen lösen bei den Betrachtern zudem heftige Gefühlsstürme aus, erzählt der Rezensent. Einige "Durchhänger" im zweiten Teil verzeiht Bender gern - viel zu gut wird er durch diesen Roman unterhalten.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.05.2025

Ein "massentaugliches, professionell inszeniertes Historien-Spektakel" - mit diesen Worten schließt Rezensent Dirk Fuhrig seine Rezension zu Jean-Baptiste Andreas süffigem Historienroman und fasst damit sein Urteil in wenigen, treffenden Worten zusammen. Andrea weiß eben, wie man eine Leserschaft bei Laune hält, lesen wir: Ein diskriminierter, kleinwüchsiger italienischer Einwanderer aus ärmlichen Verhältnissen wächst in Frankreich auf, kehrt dann nach Italien zurück und steigt dort zum gefeierten Künstler empor. Seine große Liebe zur freigeistigen, alle klassischen Rollenbilder sprengenden Tochter einer Landbesitzer-Dynastie wird durch die Zeit und die Klassengrenzen auf tragische Weise verunmöglicht, das alles dickt der Autor mit christlicher Mystik und gewichtigen Referenzen an und setzt es vor dem historischen Hintergrund des beginnenden italienischen Faschismus bilderreich und leicht lesbar in Szene, so das etwas ausführlicher wiedergegebene Urteil des anständig unterhaltenen Rezensenten.

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