Aus dem Französischen von Ingeborg Waldinger. Fort Cigogne ist eine der neun Inseln des Archipels des Glénan, das der Bretagne vorgelagert ist. Oder, anders gesagt: im 18. Jahrhundert als Bollwerk gegen englische Korsaren errichtet, liegt es auf dem Breitengrad 47 Grad 4301 Nord und dem Längengrad 3 Grad 5936 West. Noch anders gesagt: Fort Cigogne liegt vor den Augen von Jean-Pierre Abraham, der sich dort einquartiert hat und sich in der näheren und weiteren Umgebung umsieht mit der einzigartigen Mischung von Neugier, Geduld und innerer Spannung, die schon sein Buch über die Jahre im Leuchtturm Armen ausgezeichnet hat. Heute als Segelschule genutzt, gibt es dort auch eine kleine Bar, in der man das Nötige bekommt und die Musik hört, die der Frau hinter der Theke gefällt, vor allem aber sind es das Meer, das Wetter, die Vögel und die Ferne, Schatten und Licht, was Jean-Pierre Abraham existentiell erfährt und wovon er so anziehend zu erzählen weiß.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.06.2012
Besser als das Einsamkeitspathos des Buches "Der Leuchtturm" vom selben Autor gefällt Christoph Schröder dieser schmale Text, in dem es zwar ebenfalls um ein Sichaussetzen des Erzählers geht, um das Meer, das den Rhythmus vorgibt, doch weniger existentialistisch verzweifelt, wie Schröder feststellt. Hoffnung auf Handlung macht uns der Rezensent gar nicht erst, eher ist es ein Sichtreibenlassen der Figur auf einem Archipel vor der bretonischen Küste, Bekanntschaften, Ewigkeitserfahrungen, die Schröder durchaus für den Text einnehmen, mit ihrer melancholischen Stimmung einerseits, durch ihre Offenheit und Interesselosigkeit andererseits.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.2012
Jean-Pierre Abrahams Roman "Der weiße Archipel", dreißig Jahre nach dessen Werk "Der Leuchtturm" entstanden, liegt zur Freude von Mirko Bonné nun in deutscher Übersetzung vor. Der Protagonist des Buchs kehrt nach Angaben des Rezensenten nach langer Abwesenheit auf die Glénan-Inseln zurück, um nachzudenken und den Himmel, das Gras, das Wasser, die Seevögel, die Touristen zu beobachten. Verglichen mit dem "Leuchtturm" scheint Bonné der Protagonist in "Der weiße Archipel" mehr Milde, Ironie, Lakonie auszustrahlen. Mit viel Lob bedenkt er Ingeborg Waldinger Übersetzung, die den "zornigen Witz" und die "komische Wut" des Buchs kongenial einfängt.
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