Klappentext

Parvenü der Großstädte, Labor der Moderne, Symbol des zerrissenen 20. Jahrhunderts: In Berlin konzentriert sich nicht nur deutsche, sondern auch europäische Geschichte. Beides hat Jens Bisky im Blick, wenn er die Entwicklung der Stadt seit ihrem Aufstieg zur preußischen Residenz schildert. Berlin war äußerst wandlungsfähig und offen: für die verfolgten französischen Hugenotten und die Denker der Aufklärung unter Hohenzollernherrschaft; später als Metropole der Proletarier und Großindustriellen, der Künstler und Journalisten und als "Place to be" der Goldenen Zwanziger. All das wird bei Bisky anschaulich erfahrbar, genauso aber auch die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und die spannungsgeladene Atmosphäre nach 1945, als sich hier die großen Machtblöcke gegenüberstehen. Jens Bisky legt eine Gesamtdarstellung der Geschichte Berlins vor, wie es sie seit Jahrzehnten nicht gegeben hat, vom Dreißigjährigen Krieg bis in die Gegenwart. Eine Erzählung über Entstehung und Aufstieg, Fall und Neubeginn - und zugleich ein packendes Panorama deutscher wie europäischer Geschichte im Spiegel einer einzigartigen Metropole.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2019

Harry Nutt erfährt mit Jens Biskys Buch Wissenswertes über Berlin. Wer Hobrecht, Memhardt und Rahel Varnhagen waren, was ein Radialsystem ist, woher die Berliner Schnoddrigkeit kommt, wie sich Bevölkerungszahlen und Wohnraumfrage entwickelten und vieles mehr erläutert der Autor dem Rezensenten mit soziologischer Verdichtung, historischen, architektonischen und stadtplanerischen Tiefenschürfungen und stilistisch schörkellos. Wie sehr sich Bisky bei der schieren Masse der Berliner Lokalgeschichten beschränken musste, kann Nutt nur vermuten. Die Geschichte der geteilten Stadt in Teil 2 des Buches geht dem Autor laut Nutt mühelos von der Hand, ohne dass ideologische Dichotomien Thema wären. Im Gegenteil, so Nutt, der Autor streicht die Analogien zwischen Ost und West heraus.