Aus dem Englischen von Maria Hummitzsch. Was, wenn die Schuld bestimmt, wer wir sind? - John Boynes "Die Elemente". Aaron Umber fällt es schwer, Nähe zuzulassen. Ein traumatisches Erlebnis in seiner Kindheit steht noch immer zwischen ihm und den Dingen, die er sich am sehnlichsten wünscht: Vertrauen, Liebe, Zärtlichkeit. Auf einer gemeinsamen Flugreise, zehntausend Meter über der Erde, erkennt er, dass sein Hang zur Einsamkeit auf seinen Sohn Emmett abzufärben droht. Schließlich fasst er sich ein Herz und spricht über das, was ihm widerfahren ist. Denn in der Enge des Flugzeugs gibt es kein Entkommen vor den Geistern seiner Vergangenheit.Mit viel Gefühl nähert sich John Boyne in "Luft" der Beziehung zwischen einem Vater und seinem Sohn, und erzählt eine berührende Geschichte vom Nachhall einer schmerzhaften Erfahrung, die sich über Generationen weiterträgt. Und von der Hoffnung auf Heilung."Luft" ist Teil 4 von John Boynes großem Erzählprojekt "Die Elemente".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2025
"Atemlos" liest sich Rezensent Tobias Döring durch diese Kurzromanreihe von John Boyne. Die nur etwa 150 Seiten langen "weltumgreifenden, verschlungenen" Geschichten spielen etwa in Sydney, Dublin oder London, führen aber immer wieder zurück zu einer kleinen Insel vor der irischen Westküste, lesen wir. Alle Figuren sind mit diesem einsamen Eiland auf die ein oder andere Weise, aber auch untereinander, verbunden, erklärt der Kritiker. So unterschiedlich die Charaktere der Geschichten sind, der erste Teil "Wasser" dreht sich beispielsweise um eine ältere Frau, die auf der Insel ein neues Leben beginnen will, so ist ihnen doch allen etwas gemeinsam: Ihre Schicksale führen allesamt auf "zutiefst verstörende" Verbrechen zurück, meist sexueller Natur, verrät der Kritiker. Da eröffnen sich Döring wirklich brutale "Schreckenshorizonte", was vor allem in dieser Kürze ziemlich intensiv ist. Gut übersetzt von Nicolai von Schweder-Schreiner und Maria Hummitzsch entfalten die Geschichten so einen dunklen Sog, dem sich der Kritiker schwer entziehen kann. Allerdings gelingt das nicht immer gleich gut, in den mittleren Bänden sind es Döring der Knalleffekte etwas zu viel. Boynes erweist sich im "Elementenquartett" wieder einmal als Erzähl-Profi, findet Döring. Allerdings kommt dem Kritiker diese Reihe gerade dadurch streckenweise ein wenig zu routiniert vor, eher wie eine erzählerische Fingerübung. Nichtsdestotrotz verbringt er eine spannende Lektüre.
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