Wie erleben wir die Welt und uns in ihr? In welcher Sprache, mit welchen Zeichen und Modellen und auf welcher Grundlage erklären wir sie uns? Und welche Erklärungsformen und welches Modell haben sich, zumindest im Westen, durchgesetzt und warum? Für den Schriftsteller Jonas Lüscher, der mit "Frühling der Barbaren" und "Kraft" jetzt schon zu den am meisten beachteten Autoren der Gegenwartsliteratur zählt, sind dies ganz persönliche Fragen. Sie betreffen sein eigenes Schreiben. Und sind ausschlaggebend für seine Entscheidung, die universitäre Welt hinter sich zu lassen, im literarischen Werk aber dennoch nicht bloß auf das völlige Eintauchen ins Erzählen zu setzen. In diesem Buch entwickelt Lüscher seine Vorstellung vom Erzählen als beschreibende Erkenntnis des Einzelfalls, die sich dennoch Ordnungsprinzipien nicht entziehen kann. Und beschäftigt sich, weil es um Machtfragen geht, ausdrücklich mit dem Thema engagierte Literatur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2020
Da ist der Kritiker Andreas Platthaus gar nicht einverstanden. Nachdem er kurz Jonas Lüchers Werdegang vom Dorfschullehrer über den Dramaturgen zum Philosophiestudenten und schließlich Schriftsteller nacherzählt, findet er das für ihn entscheidende Manko der Vorlesungen: Lüscher habe keine Ahnung von Ökonomie, die er jedoch zentral kritisiere. Mit vier knappen Sätzen am Schluss seiner kurzen Besprechung erklärt Platthaus den Schriftsteller als ökonomisch gewissermaßen nicht satisfaktionsfähig. Und das war's dann für ihn.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.03.2020
Joseph Hanimann wäre gern dabei gewesen bei Jonas Lüschers Poetikvorlesung in St. Gallen, die dem Buch zugrunde liegt. Immerhin kann der Rezensent nun Lüschers teils als Zeitdiagnose, teils als philosophische Analyse und literarisches Werkstattgespräch beziehungsweise biografische Selbstbetrachtung daherkommende Gedanken nachlesen. Der Autor geht laut Hanimann der Frage nach, wie die zersplitterte Wirklichkeit begrifflich zu fassen wäre, philosophisch, literarisch. Dabei erörtert er persönliche Schaffenskrisen und Ideengeschichte, Parmenides und Platon. Immer wenn Lüscher aus der eigenen Erfahrung plaudert, wird es für Hanimann besonders anregend. Kleinere Verkürzungen im ideengeschichtlichen Abriss kann der Rezensent dem Autor verzeihen.
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