Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 markiert einen zentralen Einschnitt der europäischen Geschichte. Doch trotz seiner großen Bedeutung ist er aus dem kollektiven Bewusstsein verschwunden. Dabei bereitet er erst den Boden für die beiden Weltkriege und das Völkerschlachten des 20. Jahrhunderts.Für Deutschland und Frankreich ist der Krieg die Geburtsstunde eines neuen Selbstverständnisses. Es entsteht ein als Kaiserreich geeinter deutscher Nationalstaat und das dynastische Frankreich macht endgültig einer französischen Republik Platz. Dieser Krieg legt die Saat für eine Erbfeindschaft, die für drei Generationen das Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen vergiftet.Hermann Pölkings und Linn Sackarnds große Erzählung ist entstanden aus jahrelangen Recherchen in deutschen und französischen Archiven und aus der intensiven Lektüre der Erinnerungsliteratur. Sie berücksichtigt erstmals die deutsche wie die französische Seite und öffnet auch den internationalen Blick auf diesen Krieg.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.10.2020
In einer Sammelbesprechung widmet sich Rezensent Gustav Seibt vier neuen Titeln zum Thema der Reichsgründung, insbesondere bestimmten Einzelaspekten und Motiven, da das meiste an dieser Geschichte von 1870/71 "auserzählt" sei: Christoph Jahrs "Blut und Eisen", Erich Conzes "Schatten des Kaiserreichs", Christoph Nonns "12 Tage und ein halbes Jahrhundert" sowie "Der Bruderkrieg" von Hermann Pölking und Linn Sackarnd. An letzterem interessiert ihn vor allem die militärhistorische Dimension. Er findet, dass der deutsch-französische Krieg bereits die Schrecken des Ersten Weltkriegs erahnen ließ. Diesen Begleitband zu einer arte-Serie hebt er besonders wegen der von ihm eingenommenen Perspektive hervor: die der "einfachen Soldaten und Zivilisten". Daneben aber beschreibe er auch ein Stück Kulturgeschichte als Resultat der Schlacht von Sedan, nämlich das Rimbaud-Gedicht "Schläfer im Tal", Requiem für einen dort erschossenen französischen Soldaten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 27.07.2020
Ein Buch über den deutsch-französischen Krieg von 1870, das den historischen und politischen Entwicklungen beider Seiten gerecht wird, würde Rezensent Jörg Himmelreich gern lesen. Aber damit dienen ihm Hermann Pölking und Linn Sackarnd leider nicht. Zwar berücksichtigen die beiden Autoren tatsächlich die Auswirkungen des Krieges auch auf französischer Seite, aber sie bleiben sehr dem Militärischen verhaftet, wie er moniert: Recht bald ermüdend die ausführlichen Darstellungen von Kampfgeschehen und Kriegstechnik den Rezensenten.
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